Werner (80) am Stadtlauf in Thun: Ein Traubenzucker und schwarzer Kaffee

Thun

Eine Stunde und 10 Minuten: So lange brauchte der älteste Teilnehmer am Thuner Stadtlauf, Werner Steiner, als 80-Jähriger für die 10 Kilometer. Der begeisterte Läufer aus Frutigen ist ein Phänomen.

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«Hier schau, das ist ein Traubenzucker. Das nehme ich immer kurz vor dem Start», sagt Werner – wir nennen ihn so, denn Läufer sind per Du – während auf dem Weg zum Start bei der Aareschleuse. Der rüstige Rentner ist mit zackigem Schritt unterwegs. Auf die Frage wie er sich sonst noch vorbereite sagt er: «Ich trinke vor den Laufveranstaltungen auch immer schwarzen Kaffee.»

Vor den Laufveranstaltungen? Unglaublich, aber wahr: Werner hat noch keinen einzigen Thuner Stadtlauf verpasst. Und: «Als ich meinen dreissigsten Grand Prix von Bern lief, schenkte mir Adolf Ogi persönlich einen Kristall.» Stadtlauf, Grand Prix: Wie schafft das dieser aktive Senior, wie bereitete er sich zum Beispiel auf den Thuner Stadtlauf vor?

«Ach weisst du, ich habe keinen Trainingsplan, gehe einfach ab und zu vor den Laufveranstaltungen etwas intensiver laufen.» Heisst bei Werner wohlverstanden so, dass er «einfach ein paar Runden» in der Regio Frutigen laufen geht.

Blickt man in die Erfolge und Läufe von Werner zurück, kommt man ebenfalls ins Staunen: «Ich erreichte einmal sogar am Grand Prix von Bern einen Rang unter den ersten 100.» Natürlich sieht Werner auch die Zeichen der Zeit: «Weisst du, ich werde halt auch älter. Deshalb ist die Laufzeit etwas zurückgegangen. Doch man muss ganz einfach auf seinen Körper hören. Und so lange es geht, laufe ich weiter.»

Sichtlich mit Stolz erfüllt, erhielt er kurz vor dem Start einen Händedruck des Thuner Stadtpräsidenten. Und Werner hat den Stadtlauf bestens absolviert: Eine Stunde und 10 Minuten brauchte er für die 10 Kilometer. Dies bedeutete den 6.Rang in seiner Altersklasse und in der Gesamtrangliste bei weitem nicht einen hinteren Platz.

Zufrieden darüber gings nach dem Lauf in die Garderobe zum Umziehen – die Kleider warteten in seinem legendären Adidas-Turnkoffer – und dann nach Frutigen: «Meine Frau holt mich jeweils ab. Zuschauen tut sie nicht mehr, denn sie hat mich ja schon an so vielen Laufveranstaltungen gesehen.»

«Dass der Stadtlauf jetzt am Samstag stattfindet, spielt doch keine Rolle», sagte Werner auf die entsprechende Frage. Dies bestätigten auch weitere Läuferinnen und Läufer gegenüber dieser Zeitung. Das Organisationskomitee unter der Leitung von Susanna Ernst hat wiederum ganz viel «Stadtlauf-Herzblut» gezeigt.

Zum Beispiel auch gegenüber Christos Triantafillon, welcher sich erst kurz nach 17 Uhr entschloss an den Thuner Stadtlauf zu kommen. «Ich wollte einfach spontan einen Lauf machen und sah im Internet, dass dieser Lauf in Thun stattfindet. Also bin ich von Bern angereist.» Die Organisatoren drückten ein Auge zu und schickten ihn an den Start.

Thuner Tagblatt

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