Werden die Gegner des V-Projekts beeinflusst?

Grindelwald

«Wer gegen die Bahn ist, wird unter Druck gesetzt», schreibt der «Beobachter» in der aktuellen Ausgabe. Und lässt diverse Gegner zu Wort kommen.

  • loading indicator

Gegner des V-Projekts werden benachteiligt und eingeschüchtert, schreibt der «Beobachter» in seiner aktuellen Ausgabe von gestern. Und liefert Beispiele nach, wie die Jungfraubahnen offenbar mit Gegnern umgehen, die sich gegen das mehrere Hundert Millionen teure Bahnprojekt stellen.

Etwa mit der Hotelierfamilie Christian von Almen: Gemäss dem Konsumentenmagazin hätten die Jungfraubahnen just am 24. Dezember 2014 geschrieben: «Aus betrieblichen Gründen wird die Station Wengernalp am 1.Januar 2015 für den Güterverkehr geschlossen.»

Unterschrieben war das Dokument auch von Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen. Die Lage der Wengernalp setzt jedoch eine Belieferung durch die Bahn voraus, von Almen mutmasst, dass seine Familie als Gegner des mehrere Hundert Millionen teuren Projekts eingeschüchtert werden sollte. «Die Jungfraubahnen setzen mit dem Eiger-Express voll auf Masse. Die Gäste fahren am Morgen aufs Joch und reisen am Abend weiter nach Paris», wird von Almen zitiert.

Doch das Bundesamt für Verkehr war auf die Klage der Familienfirma eingetreten und hatte die Jungfraubahnen angewiesen, die von Almens weiter zu beliefern. Es bestehe eine Pflicht zur diskriminierungsfreien Güterbeförderung, und zudem gebe es weder betriebliche noch ökonomische Gründe, die Wengernalp vom Güterverkehr auszuschliessen.

Geld für Pistenpräparation

Auch Adi Bohren, Wirt der Widderfeldhütte im Firstgebiet, bestätigt im Bericht unliebsame Reaktionen seitens Jungfraubahnen auf seine ablehnende Haltung gegenüber dem V-Projekt: Seit Anfang Jahr müsse er den Jungfraubahnen monatlich 1000 Franken zahlen, damit die Pistenfahrzeuge die 50 Meter zu seiner Skihütte pfaden, schreibt der «Beobachter».

«Man hat mir ganz klar gesagt, ich müsse bezahlen, weil ich nicht kooperativ sei», so Bohren. «Schikanen und Druckversuche auf die Gegner der V-Bahn scheinen System zu haben», mutmasst das Magazin.

Bankengruppe macht Druck

Und liefert gleich weitere Beispiele: Etwa mit Beat Bucher, Filialleiter der Raiffeisenbank, der sich für eine Urnenabstimmung anstelle einer Gemeindeversammlung starkmachte. Der Beobachter schreibt, der CEO der Jungfraubahnen, Urs Kessler, habe ihn angerufen, um in Erfahrung zu bringen, was es brauche, damit er seine Meinung ändere beziehungsweise dem Projekt positiv gegenüber stehe.

Kessler dementierte: «Ich habe in dieser Angelegenheit keinen Kontakt mit Herrn Bucher aufgenommen», heisst es weiter. Bucher erhielt aber einen Anruf von Pierin Vincenz, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung Raiffeisen Schweiz. Dieser verlangte von Bucher, er solle sich mit seiner Kritik am V-Bahn-Projekt zurückhalten. Raiffeisen Schweiz will den Anruf aber nicht als Druckversuch sehen.

Der Arzt Marc Müller wird so zitiert, dass sich viele aus Angst nicht mehr öffentlich zum V-Projekt äussern. Der Grund sei verständlich, schreibt der «Beobachter». Mit 870 Mitarbeitern seien die Jungfraubahnen die grösste Arbeitgeberin in der Region. In fast jeder Familie bekomme jemand seinen Zahltag von der Bahn.

fl/BO

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt