«Was es braucht, sind offene Türen»

Gwatt

Die Volkswirtschaft Berner Oberland feierte sich selber. Zum 100-Jahr-Jubiläum waren Rückblick und Ausblick ein Thema.

Jolanda Küng bei ihrem Referat an der Jubelfeier von Volkswirtschaft Berner Oberland.

Jolanda Küng bei ihrem Referat an der Jubelfeier von Volkswirtschaft Berner Oberland.

(Bild: Stefan Kammermann)

Logisch: Wenn ein hundertster Geburtstag ansteht, wird gefeiert. So geschehen am Donnerstag Abend im Gwatt. Stehtische und Apéro waren bereit, als Peter Grossen, Präsident der Volkswirtschaft Berner Oberland und GLP-Nationalrat, von einem «historischen Anlass» sprach. Zur Feier im Gwatt gekommen waren Unternehmer, Politiker und Gemeindevertreter aus dem ganzen Berner Oberland. An der Jubiläumsfeier standen vorab Rück- wie auch Ausblick auf dem Programm oder wie es der Steffisburger Komiker Gerhard Tschan ausführte: «Innovation ist, Altes neu zu verkaufen.»

Von Neuem sprach Jolanda Küng, junge Projektleiterin der Volkswirtschaft Berner Oberland. «Was es in Zukunft braucht, sind Brückenbauer», meinte sie. Es gelte, im Berner Oberland aus wirtschaftlicher Sicht vorab Brücken zwischen Generationen zu bauen, wie auch Brücken zwischen Stadt und Land, aber ebenso auch zur Politik. «Damit das Berner Oberland auch im Bundeshaus Gehör findet», sagte Küng. Sie ging auch auf die künftigen Herausforderungen wie Digitalisierung, globalisiertes Denken wie auch neue Zahlungsformen ein.

«Auch wenn es nur ein Kühlschrank ist, wird künftig auch im Hofladen vom Landwirt bargeldloses Zahlen ein Thema werden», sagte sie weiter. Und mit Blick in die Zukunft kam sie wiederum auf das Brückenbauen zurück. «Um das Berner Oberland weiterzubringen, braucht es Leute, die ihre Wurzeln mit der Moderne verbinden.» Dazu brauche es keinen Universitätsabschluss. «Sozialkompetenz ist viel wichtiger.»

Fördern des Wohlstandes

Einen Rückblick machte in markigen Worten der Steffisburger Unternehmer und Ehrenpräsident der Volkswirtschaft Berner Oberland, Peter Rychiger. Ziel der damaligen Volkswirtschaftskammer sei die «Förderung des Wohlstandes» gewesen. Rychiger blickte dabei auch auf die Kriegsjahre zurück. Fusste doch die Gründung des Vereins 1919 auf dem Ersten Weltkrieg, der vielen Branchen grossen Schaden zugefügt hatte. «Damals war das Wort Selbsthilfe aufgekommen», so der Ehrenpräsident weiter.

Mit Kursen wie zum Beispiel Heimarbeit, Anleitungen für die Reparatur von landwirtschaftlichen Maschinen oder Kursen für den Anbau von Obst, welche der Verein damals anbot. Peter Rychiger ging auch auf die schwierigen Zeiten vor nicht allzu langer Zeit in Thun ein. Er meinte den Zusammenbruch der Selve, die Entlassungen in den Rüstungsbetrieben oder die Bankenpleite der SLT. Rund 4000 Arbeitsplätze seien damals in der Region verloren gegangen.

«Der Verein Volkswirtschaft konnte die Weichen neu stellen», betonte Rychiger. Und appellierte an die heutigen Verantwortlichen: «Die Volkswirtschaft muss in der Gegenwart leben.» Was heisse, das Wort Volk und das Wort Wirtschaft ernst zu nehmen. «Was es heute braucht, ist eine Volkswirtschaft mit offenen Türen», sagte er. Dies nahm sich Präsident Jürg Grossen zu Herzen. «Wir werden mit Herzblut und Selbstlosigkeit weiterhin den Wohlstand im Berner Oberland fördern», sagte er.

sku

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt