Vor 150 Jahren: Vieh wurde auf das Schleppschiff verbannt

Nun stahl einem keine Kuh mehr die Aussicht: Nutztiere wurden nicht länger auf Passagierschiffe, sondern auf Schleppschiffe verladen.

Bis vor 150 Jahren teilten sich Passagiere und Nutztiere den Platz auf den Dampfschiffen.

Bis vor 150 Jahren teilten sich Passagiere und Nutztiere den Platz auf den Dampfschiffen. Bild: PD/Archiv BLS AG

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Bis vor 150 Jahren war es anscheinend üblich, Mensch und Nutztiere gemeinsam auf Passagierschiffen zu transportieren. Am 6. Juni 1868 wurde im «Thuner Blatt» jedoch bekannt gemacht, dass «von nun an keinerlei Viehware auf die Dampfschiffe des Thunersees verladen» würden.

Dagegen werde der Transport von Vieh in beiden Richtungen, solange Raum verfügbar, vermittels Schleppschiff übernommen. Es werde täglich je ein Schleppschiff geführt.

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

  • 3. 6. 1868 Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. Fr. –.90 bis Fr. –.95. Kartoffeln per Zentner Fr. 4 bis Fr. 4.50. 12 bis 13 Eier für 60 Cts.
  • 3. 6. 1868 J. Merz-Stüry hat sein Spezerei- und Cigarrengeschäft auf dem Plätzli käuflich an Herrn J. Bochsler abgetreten, welcher auch ein Depot für den Kleiderfärber, Appreteur und Drucker Rudolf Müller in Baden führt.
  • 6. 6. 1868 Liegen geblieben: eine Balle Leder in der Wirtschaft Urfer auf dem Sädel in Thun.
  • 10. 6. 1868 August Trog von Thun wurde nach bestandener Prüfung als Arzt patentiert.
  • 13. 6. 1868 Von heute an verkauft der «Tit. Brodverein» schönes halb weisses Brot per Pfund à 19. Cts.
  • 13. 6. 1868 Für Scharfschützen! Von nun an kann bei J. Schweizer in Thun Munition zu Peabody- und umgeänderten Gewehren bezogen werden.
  • 13. 6. 1868 Dem Publikum und den Reisenden wird empfohlen, nur Dienstmänner mit der Bezeichnung «Express» zu beschäftigen, da einzig diese zur Dienstmannanstalt gehören und Garantie geleistet haben.
  • 13. 6. 1868 J. Böhlen, Bäcker, macht die ergebene Anzeige, dass er sein früher beim Berntor betriebenes Bäckereigeschäft in sein Haus an der Hauptgasse, untenher Schmieden, verlegt hat und dass vom Montag, 15. dies, Brot gebacken wird.
  • 19. 6. 1868 Bedingt durch die Erneuerung der inneren Allmendbrücke, herrscht grösserer Verkehr mit Fuhrwerken in der Hauptgasse. Daher wird das Polizeiverbot vom 22. April 1859 in Erinnerung gerufen. Es ist bei einer Busse von Fr. 2 bis 6 verboten, vom Berntor bis zum Lauitor längs der Hauptgasse an Markt­tagen nach 8 Uhr morgens und während der übrigen Zeit nach 9 Uhr vormittags Wagen abzuladen oder dieselben stehen zu lassen.
  • 20. 6. 1868 Von heute an verkauft die Vereinsbäckerei auf mehrfaches Verlangen auch Ruchbrot à 16. Cts. per Pfund. Schönes, halbweisses, gut gebackenes Brot ist zu haben per Pfund à 19 Cts.
  • 20. 6. 1868 Bei Abfahrt des ersten Zuges nach Bern gestern Morgen befand sich beim Bahnübergang beim Neuhaus eine Kuh auf dem Geleise. Während die Kuh total zerfetzt wurde, kamen die Reisenden mit dem Schrecken ­davon.
  • 24. 6. 1868 Bekanntlich hilft das Einatmen der Ausdünstungen der Reinigungsmasse des Gases gegen Keuchhusten. Der Verwalter der Thuner Gasfabrik, Herr Hänsler, erklärt sich bereit, jedermann freien Zutritt in die Fabrik zu gestatten, der das Experiment versuchen will.
  • 24. 6. 1868 Wer letzten Sonntag früh aufstand, konnte etwa 20 Minuten nach 3 Uhr in südlicher Richtung von Thun eine prächtige Erscheinung beobachten. Ein Meteor schwebte beinahe senkrecht mit hellem, blaurötlichem Licht hernieder.
  • 27. 6. 1868 Auf der Bernstrasse ward in letzter Zeit mehrmals ein schwerer, starker Mann zu sehen, der in einem schon beladenen Karren sich von einem Hund mittlerer Grösse, unter lautem Stöhnen desselben, ziehen liess, und zwar mehrere Stunden weit, wie man behauptet. Sollte dieses alle Zuschauer bemühende Schauspiel sich noch wiederholen, so müsste der Name des unbarmherzigen Mannes bekannt gemacht ­werden.
  • 27. 6. 1868 Die Erbschaft der Frau Pfarrer Schrämli, geb. von Siebenthal, hat in Erfüllung eines Wunsches der Verstorbenen der hiesigen Krankenstube ein Geschenk von Fr. 500 zustellen ­lassen.
  • 29. 6. 1868 (Eingesandt). Warum werden die Leute in Thun wieder mit Einquartierungen bedacht, da doch die neue und die alte Kaserne hinlänglich Raum haben, darin die Soldaten zu placieren?

Quelle: Stadtarchiv Thun. (mbs)

Erstellt: 29.06.2018, 10:16 Uhr

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