Türen eines Zeitzeugen öffnen sich

Merligen

Die Region Thun war zu Zeiten des Kalten Krieges und des Reduits von strategischer Bedeutung. In Merligen wird nun einer dieser Zeitzeugen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Übergabe vor dem Infanteriebunker in Merligen: (v.l.) Gemeinderat Thomas Zwahlen übergibt die Schlüssel an Dorfpräsident Beat Oppliger und Roland Straub, Präsident des Vereins Infanteriefestung Berner Oberland.

Übergabe vor dem Infanteriebunker in Merligen: (v.l.) Gemeinderat Thomas Zwahlen übergibt die Schlüssel an Dorfpräsident Beat Oppliger und Roland Straub, Präsident des Vereins Infanteriefestung Berner Oberland.

(Bild: Patric Spahni)

Versteckt liegt er, wie es in der Natur der Sache liegt – jener Infanteriebunker in Merligen oberhalb der weitherum sichtbaren Panzersperre, die im Volksmund wegen ihres Aussehens nur Toblerone genannt wird. Der Infanteriebunker wird noch im Verlauf dieses Jahres wiederhergestellt und wird dann bei Führungen in der Sperrstelle Merligen der Öffentlichkeit zugänglich sein. «Die Gemeinde Sigriswil hat den Bunker von der Armasuisse übernommen», sagt Gemeinderat Thomas Zwahlen, der das Geschäft betreut hat.

Der militärische Bau soll künftig touristisch genutzt werden. An dieser Stelle kommt der Verein Infanteriefestung Berner Oberland ins Spiel. Er wird den Bunker unterhalten und für Führungen öffnen. Gemeinde und Verein haben einen Zusammenarbeitsvertrag unterzeichnet. «Der Gemeinde entstehen keine Kosten», sagt Zwahlen. Der Verein komme für die künftigen Aufwendungen auf. Der Kauf hatte die Gemeinde Sigriswil laut Zwahlen rund 4000 Franken gekostet.

Fast noch im Originalzustand

Der Bunker ist weitgehend im Originalzustand – so wie er Ende des Kalten Krieges ausgerüstet war. Er ist im Inventar der Kampf- und Führungsbauten aufgeführt. «Der Bunker ist in teildemontiertem Zustand, kann aber vollumfänglich wiederhergestellt werden», sagt Roland Straub, Präsident des Vereins Infanteriefestung Berner Oberland. Er sei im Kampfzustand mit einer 9-Zentimeter-Panzerabwehrkanone 50, einer Lafette für ein Maschinengewehr 51 und einem Beobachterstand ausgerüstet. Im Untergeschoss befinden sich die Unterkunft und die Munitionskammer. Die gesamte nutzbare Innenfläche beträgt 24 Quadratmeter.

Stahltüren öffnen sich

Der Verein Infanteriefestung Berner Oberland versuchte in den letzten Jahren bereits mehrfach, an weitere ausgemusterte Bunker heranzukommen, um sie interessierten Besuchern zu zeigen. Letzten Sommer wurden insgesamt 15 Baugesuche für Bunker in Heiligenschwendi, Merligen, Einigen, Wimmis und Mülenen publiziert (wir berichteten). Baugesuche für seit Jahrzehnten bestehende Bunker? Richtig. Die nachträgliche Bewilligung ist nötig, weil in Kriegszeiten nach militärischen und nicht nach zonenplanerischen Gesichtspunkten gebaut wurde. «Unser gesamtes Projekt ist zu grossen Teilen realisiert», sagt Vereinspräsident Straub, «die Vertragsunterzeichnung sollte bis Mitte Jahr erfolgen.»

Die Anlagen würden teilweise noch heuer geöffnet. Dies gelte beispielsweise für die Sperrstelle Einigen, die im Rahmen der Feierlichkeiten zu «300 Jahre Kanderdurchstich» am 12.Oktober auf einer Exkursion besichtigt werden könne. Bereits Anfang Mai, genau am 4., öffnen sich die Stahltüren der Bunker. «Die Sperrstelle Heiligenschwendi kann als Ganzes besichtigt werden», rührt Straub kräftig die Werbetrommel.

Thuner Tagblatt

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