Totes Nachtleben: «Die Forderungen sind ein Witz»

Thun

Die Forderung der Demonstranten, die symbolisch das Thuner Nachtleben beerdigten, stösst auf kein Verständnis – weder bei der Stadt noch bei Mokka-Betreiber Anliker.

Für Pädu Anliker, der den Musik-Club Café Bar Mokka betreibt, sind die Forderungen ein Witz.

Für Pädu Anliker, der den Musik-Club Café Bar Mokka betreibt, sind die Forderungen ein Witz.

(Bild: Markus Hubacher)

«Thun hat ein grosses Kulturpotenzial», sagt Pädu Anliker, Betreiber des Musik-Clubs Café Bar Mokka. Für ihn ist die Demonstration vom Samstag reine Wahlkampfstrategie. «Die Forderungen haben für mich keine Hände und Füsse und sind ein Witz», betont er, «zumal das Musikprogramm im Mokka nicht wirklich Konsumenten findet.» Einer der Gründe sei bestimmt die Mobilität. Denn in Bern sei der Ausgang dann offenbar doch etwas cooler. «In Thun ist ein Kulturangebot deshalb zunehmend schwer verkäuflich», so Pädu Anliker.

«Natürlich vermissen viele junge Leute die Zeiten der Partymeile im Selve-Areal. Solchen Zeiten nachzutrauern, ist Schnee von gestern», sagt Gemeinderat Peter Siegenthaler (SP) auf Anfrage. Der Thuner Sicherheitsvorsteher räumt indes ein, dass es gerade für Jugendliche ab dem 16. Altersjahr in der Stadt kaum kulturelle Angebote gebe. Allerdings sei es nicht an den Stadtverantwortlichen, als Lokalbetreiber zu fungieren.

«Wir sind keine Veranstalter», betont Siegenthaler und weist darauf hin, dass der Thuner Gemeinderat gerade eben den Mietvertrag mit dem nicht kommerziellen Kultur- und Begegnungszentrum Akut an der Seestrasse verlängert habe. «Wenn junge Leute auf uns zukommen, um aus eigner Initiative passende Ausgehmöglichkeiten zu schaffen, und diese den gesetzlichen Grundlagen entsprechen, werden wir dies bestimmt nicht verhindern», so der Sicherheitsvorsteher weiter.

Zudem habe die Stadt eine der liberalsten Gastgewerbeverordnungen weit und breit, mit der Möglichkeit, dass zum Beispiel die Gastrobetriebe auf dem stark frequentierten Mühleplatz bis um 0.30 Uhr geöffnet sein können. «Ich bin überzeugt: Wenn junge Leute zwischen 16 und 20 Jahren eine lukrative Zielgruppe wären, dann gäbe es schon lange ein Angebot.»

«Nicht so dramatisch»

«Ich habe nicht den Eindruck, dass dieses Thema so dramatisch ist, wie es die jungen Leute schildern», meint Gemeinderätin Ursula Haller (BDP). Die Vorsteherin der Direktion Bildung Sport Kultur glaubt, dass diese Demonstration nicht nötig war: «Bei mir und der Fachstelle für Kinder und Jugend hat jedenfalls noch niemand mit einem solchen Anliegen vorgesprochen.» Wie ihr Amtskollege Peter Siegenthaler weist auch Ursula Haller auf das Kultur- und Begegnungszentrum Akut an der Seestrasse hin.

«Dort gibt es viele spannende Angebote, praktisch zum Nulltarif», betont die Gemeinderätin. Zudem würden auch zahlreiche Vereine verschiedenste Angebote anbieten. «Wer will, findet in Thun immer etwas Passendes», hält Ursula Haller fest. Sie betont, dass es nicht Aufgabe der Stadtbehörden sei, unbegrenzt Partymöglichkeiten bereitzustellen.

Wenn wirklich ein Bedürfnis für entsprechende Lokalitäten bestehe, sollten die jungen Leute auch selber aktiv werden. «Wenn uns jemand diesbezüglich anfragt, werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten bestimmt helfen», so die Gemeinderätin. Die Bewohner der Innenstadt hätten allerdings auch das Recht auf Nachtruhe.

sku/TT

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