Tiere sind Freude und Trost – auch im Heim

Thun

Das eigene Haustier darf bei den meisten Altersheimen mitkommen, was aber selten genutzt wird. Das ergab eine Umfrage. Tiere sind Freude und Trost. Manche Heime haben eigene Tiere.

Fühlen sich im neuen Daheim wohl: Ohne ihre Labradorhündin Divia wäre Gertrud Leuthold nicht in die Altersresidenz Bellevue-Park gegangen.

Fühlen sich im neuen Daheim wohl: Ohne ihre Labradorhündin Divia wäre Gertrud Leuthold nicht in die Altersresidenz Bellevue-Park gegangen.

(Bild: Patric Spahni)

Allein der Entscheid, in ein Altersheim zu gehen, ist für den älteren Menschen schon schwer. Noch schwieriger und quälender kann es werden, wenn man sich dadurch von einem geliebten Haustier trennen sollte. Wie halten es die Altersheime grundsätzlich mit dem Mitbringen der Haustiere ihrer Bewohner, wollte diese Zeitung wissen. Das Fazit: Bei den meisten befragten Heimen darf etwa das Büsi nach Absprache mitkommen.

Berührende Erfahrungen

Der Kontakt mit Tieren ist für den Menschen bereichernd bis therapierend, gerade auch für ältere. Darin sind sich Fachleute in der Altersarbeit und Psychologen einig. Oft werden zum Beispiel speziell geschulte Therapiehunde eingesetzt. «Es ist immer wieder berührend, zu sehen, wie zum Beispiel Demente plötzlich Gefühlsregungen zeigen, die sonst nicht mehr sichtbar werden», hat etwa Kurt Bärenfaller, Standortleiter des Ziegelei-Zentrums in Steffisburg, beobachtet.

Wird eher selten genutzt

Das Mitbringen von eigenen Haustieren ist im Zentrum grundsätzlich erlaubt: «Das ist völlig unproblematisch, wird aber eher selten genutzt», erläutert der Leiter. Umso beliebter sind bei Bewohnern und in der Nachbarschaft die Tiere im Aussenbereich – zwei Esel, einige Ziegen, Hasen, ein Fischteich.

«Es wäre doch sehr traurig und schwer zu verkraften, wenn ein alter Mensch beim Wechsel ins Heim nebst den eigenen vier Wänden auch noch sein geliebtes Haustier zurücklassen müsste», findet Michael Gerber, Besitzer des Wohn- und Pflegeheimes Teba in Fahrni. Das Mitbringen von Haustieren sei, nicht zuletzt wegen der ländlichen Lage, kein Problem. In absehbarer Zeit soll noch ein kleiner Streichelzoo entstehen.

Wichtiger Kontakt

Auch im Thuner Tertianum Bellevue-Park werden Haustiere nicht abgewiesen. Die Residenz hat mit dem von den Bewohnern «gehätschelten» Kater Sämi ein eigenes Haustier. «Der Kontakt mit Tieren ist für die Heimbewohner sehr wichtig und tut ihnen gut», weiss Direktorin Carola Schaad. Er löse Stress, bringe die Leute zum Lachen, sei aber auch Trost an trüben Tagen. «Tiere sind ein gutes Mittel gegen Depressionen», findet sie.

Deshalb ist das Mitbringen von eigenen Haustieren im Tertianum nach Vereinbarung erlaubt. Aktuell gibts an der Hofstettenstrasse sogar eine Labradorhündin. «Ich wollte selber bestimmen, wann und wo ich in ein Heim gehe – Voraussetzung war, dass ich meine Divia mitnehmen kann», schildert die 85-jährige Gertrud Leuthold. Die erfahrene Hundehalterin sorgt selber für ihren Vierbeiner und geht auch täglich mit ihm am Aarequai oder im nahen Wald spazieren. Muss sie mal kurz alleine weg, darf Divia an der Réception warten. «Dort ist sie bei Bewohnern und Personal der Star», sagt Gertrud Leuthold schmunzelnd. «Es funktioniert problemlos», bestätigt Carola Schaad.

Gegenseitige Abmachung

«Das Mitbringen von Haustieren ist nach gegenseitiger Absprache möglich», heisst es in den allgemeinen Vertragsbedingungen der Wohnen im Alter (WIA) AG Thun. Haltung und Versorgung dieser Tiere sei ausschliesslich Sache der Bewohnerinnen und Bewohner. Haftpflichtversicherung und sämtliche Kosten (Tierarzt, Futter) gehen zulasten des Halters. So oder ähnlich funktioniert es auch in anderen Heimen.

Im WIA Martinzentrum in Thun hat man vom Kanarienvogel übers Büsi bis zum Hund schon alles gehabt. «Heute bringen Bewohner eher selten ein Haustier mit», stellt Verena Künzi, Leiterin Hotellerie, fest. Den Grund sieht sie in der Altersstruktur der Bewohner (von 85 bis 100 Jahren). Das Zentrum hat aber selber zwei Hauskatzen und im Aussenbereich Zwergziegen. Letztere sind nicht nur für Be-, sondern auch für Anwohner ein beliebter Anziehungspunkt.

Begegnung und Gespräche

Auch im Altersheim Glockenthal in Steffisburg sind eigene Haustiere erlaubt. Viel beachtet werden heimeigene Alpakas, Zwergziegen, Schildkröten, Vögel und Fische. «Das ergibt häufig schöne Begegnungen und Gesprächsstoff zwischen Bewohnern, Besuchern und der Anwohnerschaft», freut sich Betriebsleiterin Ramona Baumann. «Es ist gut und schön, dass das Heim Tiere hat», versichert die 88-jährige Leni Rutschi. Wenn sie mit etwas altem Brot ans Gehege trete, «chöme die Geissli z gumpe – si hei Fröid un ig o», versichert die Emmentalerin.

Thuner Tagblatt

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