Thunerseespiele ziehen zwiespältige Zwischenbilanz

Thun

Die Zwischenbilanz des «Besuch der alten Dame» hat zwei Seiten: Aussergewöhnlich gute Rückmeldungen stehen einer unerwartet niedrigen Auslastung gegenüber.

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Zum 16.Mal erkaufte sich Claire Zachanassian gestern Abend auf der Bühne der Thunerseespiele die Moral der Güllenerinnen und Güllener. Mit der 16.Vorstellung von «Der Besuch der alten Dame – das Musical» haben die Seespiele die zweite Hälfte der Spielzeit erreicht. Silvia Rivola, Medienverantwortliche der Thunerseespiele, zieht eine durchzogene Bilanz der ersten Hälfte. Die aussergewöhnlich grosse Zahl positiver Rückmeldungen steht einer Auslastung gegenüber, die unter den Erwartungen liegt.

Immer stehende Ovationen

«Wir durften bisher extrem viele tolle Feedbacks entgegennehmen», sagt Silvia Rivola. «Bisher gab es bei jeder Vorstellung eine Standing Ovation, was nicht selbstverständlich ist und für unser Musical spricht.» Auch zeugten zahlreiche schriftliche Reaktionen von grosser Begeisterung beim Publikum. «Wir erhalten deutlich mehr positive Rückmeldungen als in anderen Jahren.» An der Qualität des Musicals könne es daher kaum liegen, dass die Seespiele bisher 10 bis 15 Prozent weniger Besucher verzeichneten als erwartet.

Dass «Der Besuch der alten Dame» kein ausgesprochener Zuschauermagnet würde, zeichnete sich schon während des Vorverkaufs ab. Bereits hier lag die Zahl der verkauften Tickets unter den Erwartungen.

Als Grund für die beschränkte Nachfrage vermutet die Medienverantwortliche gewisse Hemmungen, sich auf den «neuen Dürrenmatt» einzulassen. «Viele Leute scheinen eine fixe Meinung zum Schriftsteller zu haben und können sich die Umsetzung als Musical nicht vorstellen.» Ein Blick auf andere ähnliche Veranstaltungen zeige zudem, dass auch diese heuer grössere Schwierigkeiten hätten, Besucher anzulocken.

Das Wetter spielte mit

Viel Glück hatten die Seespiele hingegen beim Wetter: Bislang mussten lediglich zwei Vorstellungen verschoben werden: jene von Mittwoch und Donnerstag letzter Woche. Sie wurden am Montag und gestern nachgeholt. Auch von grösseren Zwischenfällen ist die Produktion verschont geblieben.

«Masha Karell, welche Alfred Ills Frau spielt, ist zwar bei einer der ersten Aufführungen gestürzt und musste einige Vorstellungen aussetzen», sagt Rivola. Mittlerweile ist die gebürtige Frankfurterin aber wieder im Einsatz und stand sowohl als Mathilde Ill als auch in ihrer Funktion als Zweitbesetzung der Hauptrolle auf der Bühne. Sein (planmässiges) Debüt als Alfred Ill gab gestern Abend Ethan Freeman, der die Zweitbesetzung der männlichen Hauptrolle innehat.

Hoffnungen auf «Aida»

Das bisherige Abschneiden punkto Besucherzahlen sei zwar nicht wünschenswert, aber keine grundsätzliche Gefahr für die Thunerseespiele, betont Silvia Rivola. Die Existenz sei gesichert. «Ausserdem lassen die bisher durchwegs positiven Reaktionen auf unsere nächste Produktion, das Musical ‹Aida›, hoffen, dass wir damit ein grosses Publikum anlocken werden.»Nik Sarbach

Berner Oberländer

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