Thuner Gemeinderat steht bei Fanarbeit abseits

Thun

Die Stadt Thun solle sich bei der Fanarbeit des FC Thun engagieren, fordern mehrere Stadträte in einem Postulat. Der Gemeinderat lehnt den Vorstoss hingegen aus diversen Gründen ab.

Der Block der FC Thun-Fans: Die Stimmung ist fast immer friedlich. Der Thuner Gemeinderat sieht deshalb keinen Grund, sich bei einer sozioprofessionellen Fanarbeit zu beteiligen.<p class='credit'>(Bild: Manuel Lopez)</p>

Der Block der FC Thun-Fans: Die Stimmung ist fast immer friedlich. Der Thuner Gemeinderat sieht deshalb keinen Grund, sich bei einer sozioprofessionellen Fanarbeit zu beteiligen.

(Bild: Manuel Lopez)

Der Gemeinderat solle zusammen mit den Fangruppen und dem FC Thun die sozioprofessionelle Fanarbeit ermöglichen, verlangen die Stadträte Alice Kropf (SP), Franz Schori (SP), Reto Vannini (BDP) und Peter Stutz (Grüne) in einem Postulat. Darüber wird der Stadtrat am 1. April entscheiden. Als Begründung führen die Ratsmitglieder die unerfreulichen Vorkommnisse rund um Spiele des FC Thun an.

«Es ist höchste Zeit, den Dialog mit den Fangruppierungen zu suchen und die Prävention zu stärken, statt nur auf Repression zu setzen», heisst es im Vorstoss. Als erfolgreiches Element der Prävention gegen Gewalt habe sich in mehreren Fussballvereinen die professionelle Fanarbeit erwiesen. Da die Stadt einen grossen Teil der Sicherheitskosten trage, müsse das Interesse an solchen Massnahmen gross sein.

Mit einer präventiven Fanarbeit könne viel erreicht werden. Im Dachverband verschiedener Fangruppen des FC Thun seien heute viele engagierte Fans tätig, die unterschiedlichste Fanprojekte realisierten und die in den letzten Jahren sehr viel in diesem Bereich erwirkt und erreicht hätten. «Es gilt, diese Fanarbeit zu stärken, zu unterstützen und noch besser zu vernetzen», fordern die Stadträte.

Gemeinderat ist dagegen

Der Gemeinderat hält jedoch eine sozioprofessionelle Fanarbeit aus diversen Gründen für unnötig. Die Fanarbeit biete zwar eine wesentliche Ergänzung auf der Ebene präventiver Arbeit als Gegengewicht zur Repression. Sie stosse jedoch an ihre Grenzen, sobald sie strukturelle Konflikte oder gesellschaftliche Probleme lösen solle, wie zum Beispiel auffälliges Verhalten von Jugendlichen und militanten Fans.

Sozioprofessionelle Fanarbeit werde heute von grossen Vereinen und Städten angeboten, wo die Zahl gewaltbereiter Fans signifikant grösser sei als beim FC Thun. In Bern beispielsweise zahlt YB für die sozioprofessionelle Fanarbeit jährlich 60'000 Franken, Stadt und Kanton Bern je 30'000 Franken.

Mehrheitlich anständige Fans

Der Gemeinderat lehnt die finanzielle Unterstützung sozioprofessioneller Fanarbeit durch die öffentliche Hand in Thun aus mehreren Gründen ab:

  • Sie sei für Thuner Verhältnisse nicht angemessen. Die grosse Mehrheit der Fussballfans sei anständig und verursache keine grossen Probleme. Bei der sehr kleinen Gruppe von gewaltbereiten Fans stelle sich hingegen die Frage, «ob man mit solchen Angeboten überhaupt an sie herankommt».
  • Der Erfolg sozioprofessioneller Fanarbeit ist auf die Akzeptanz und das Vertrauen dieser spezifischen Zielgruppe angewiesen. Militante Fans seien aber nur schwer greif- und kalkulierbar. In Thun bestehe bereits ein grosses und umfassendes Sozialnetz. Zudem stelle sich die Frage, ob Fanarbeit im Umfeld von Fussball- und Eishockeyspielen überhaupt eine öffentliche Aufgabe sei.
  • Der Gemeinderat hat im Sommer 2014 mit dem FC Thun eine Vereinbarung betreffend «Sicherheit in der Stockhorn-Arena und im Umfeld der Spiele mit Beteiligung des FC Thun» abgeschlossen (vgl. Kasten). Nebst enger und partnerschaftlicher Zusammenarbeit wurden unter anderem auch Massnahmen im Bereich der Prävention vertraglich festgehalten: So verpflichtet sich der FC Thun zu einer aktiven Fanarbeit.
  • Gegenwärtig hält es der Gemeinderat deshalb nicht für angezeigt, einen unabhängigen Trägerverein zu unterstützen. Mit Abschluss der Vereinbarung mit dem FC Thun habe der Gemeinderat Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert. Der Ball liege nun beim FC Thun und auch bei den Fangruppen.

Siegenthaler beschimpft

Der Gemeinderat bezweifelt, dass die problematischen Fans überhaupt an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert sind. Wenn man sich vor Augen führe, welchen persönlichen Anfeindungen und Beschimpfungen Peter Siegenthaler (SP) als Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales in den letzten Wochen im Zusammenhang mit Fussballspielen ausgesetzt gewesen sei, «verliert man leider ein wenig die Hoffnung». Man dürfe sich keine Illusionen machen. «Hooligans haben weder wirkliches Interesse am Fussball noch an einer konstruktiven Fankultur», so der Gemeinderat.

Thuner Tagblatt

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