Tempo 40 statt 30 – fast überall

Kiesen

Die Gemeindeversammlung sagte deutlich Ja zu Tempo 40 auf praktisch allen Gemeindestrassen. Zu reden gaben die Gemeindefinanzen.

Die Bahnhofstrasse in Kiesen: Hier wird künftig Tempo 40 gelten.

Die Bahnhofstrasse in Kiesen: Hier wird künftig Tempo 40 gelten.

(Bild: Patric Spahni)

Marco Zysset@zyssetli

«Es geht um nicht viel Geld – aber um Emotionen», sagte Fritz Affolter, im Kiesener Gemeinderat zuständig für Bau und Infrastruktur, am Donnerstagabend zu den 97 Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung in der Turnhalle.

Thema: das Temporegime auf Gemeindestrassen, das die Gemeinde bereits seit 2012 beschäftigt. Aus ursprünglich «sechs oder sieben» Varianten haben die Baukommission und der Gemeinderat deren drei konkretisiert, um sie der Versammlung vorzulegen: Variante 1 «Tempo 40 erweitert» sieht auf den wichtigsten Gemeindestrassen eine Tempo-40-Signalisation vor.

Bei Variante 2 «Tempo 40 lokal» soll der Verkehr nur im weiteren Umfeld der Schule eingebremst werden. Variante 3 «Tempo 30 Schulbereich» sieht eine Tempo-30-Signalisation rund um die Schule vor.

Affolter erläuterte, der Gemeinderat bevorzuge Variante 1 – auch wenn sie mit knapp 19'000 Franken mit dem höchsten Betrag zu Buche schlage. «Die Kosten sollten aber nicht ausschlaggebend sein, wenn es um Sicherheit und Lebensqualität geht», sagte er.

Klare Entscheidung

Eine echte Diskussion um die verschiedenen Varianten gab es anschliessend nicht – trotz zahlreicher Wortmeldungen. Alle ­Votanten plädierten dafür, den Verkehr zu beruhigen, und selbst bekennende Tempo-30-Fans sprachen von einem gelungenen Kompromiss; Gemeinderat und Baukommission wurden für die vorgelegten Varianten gelobt.

Am Ende obsiegte die Variante 1, mit der praktisch auf allen Gemeindestrassen Tempo 40 eingeführt werden soll.

Finanzen im Lot – noch

Die Gemeinderechnung, die Gemeindeverwalter Heinz Aebersold vorstellte, schloss im Gesamthaushalt mit einem Aufwandüberschuss von 211'828 Franken ab, wobei allein im steuerfinanzierten allgemeinen Haushalt ein Defizit von 154'779 Franken resultierte. Dies bei Ausgaben von 3,414 Millionen Franken im allgemeinen Haushalt.

Das dort resultierende Defizit wird dem Eigenkapital belastet, welches nun noch 2,071 Millionen Franken beträgt. Insgesamt setzte die Gemeinde Kiesen 2018 rund eine halbe Million Franken mehr um als budgetiert.

Die grössten Abweichungen gegenüber dem Budget gab es mit Mehrausgaben in den Bereichen Bildung, Verkehr und Soziales sowie wegen höherer Beiträge in die kantonalen Lastenverteiler. Allerdings fielen die Steuererträge auch höher aus als budgetiert. Netto investierte Kiesen 2018 112'166 Franken.

Ein Bürger rechnete vor, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren «Investitionen in Millionenhöhe» anstünden, und wollte vom Gemeinderat wissen, wie er gedenke, den heutigen Steuerfuss von 1,54 Einheiten zu halten. Gemeindepräsident Ernst Waber gestand, dass die Rechnung «in den nächsten fünf Jahren sicher defizitär sein» werde.

Er signalisierte aber, dass man auf verschiedenen Ebenen mit Nachbargemeinden Gespräche führe. Befürchtungen, wonach das Eigenkapital binnen fünf Jahren aufgebraucht sein werde, versuchte er zu zerstreuen. «Es werden kaum weniger als 1,2 Millionen Franken sein.»

Ja zu Sek-Ausbau

Die Versammlung genehmigte die Rechnung einstimmig. Ebenfalls ein deutliches Ja gab es zum geplanten Schul- und Turnhallentrakt für die Sekundarschule Wichtrach.

Die Gemeinden des Sek-Verbandes wollen dort den Altbau mit einem 11,8 Millionen Franken teuren Neubau ersetzen. Aus Kirchdorf und Wichtrach gab es bereits ein Ja.

Für die Gemeinde Kiesen bedeutet der Neubau, dass die Jahresrechnung zusätzlich mit 2'347 Franken pro Jahr und Schüler aus dem Dorf be­lastet wird. Gemeindepräsident Ernst Waber erläuterte, wie der neu zusammengesetzte Gemeinderat in den letzte Monaten ein Leitbild mit 36 Zielen erarbeitet hat, die er nun nach und nach umsetzen will.

Thuner Tagblatt

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