Südanflug: Bald bis zu zehn Flugzeuge täglich über Thun

Thun

28 Prozent der Flüge sollen künftig von Süden her in Belp landen, wie die Alpar AG am Dienstag an einer Orientierung bekannt gab. Bei den Gemeindevertretern blieben Unbehagen und reichlich offene Fragen.

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«Es wird Beeinträchtigungen geben, aber Anpassungen sind nach wie vor möglich.» Mit dieser Aussage brachte Peter Jaberg, Ingenieurbüro Bächtold&Moor AG, die Ausgangslage für die Region Thun auf den Punkt. Die Betreiberin des Flughafens Belp, die Alpar AG, hatte gestern Dienstag zur Medienorientierung geladen – dies, nachdem letzte Woche bekannt worden war, dass die geplanten satellitengestützten Anflüge auf Belp bedeutend mehr Südanflüge nach sich ziehen werden als bisher. Um die drängendsten Fragen zu beantworten, waren Gemeindepräsidenten der betroffenen Gemeinden eingeladen.

Acht bis zehn Flüge pro Tag

Mathias Häberli, CEO der Alpar AG, stellte klar, dass künftig nicht die Hälfte aller Anflüge von Süden her erfolgen, sondern «nur» 28 Prozent. Für diesen Anflug infrage kommen Maschinen, die nach den sogenannten Instrumentenflugregeln funktionieren, also Flugzeuge im Linien- und Charterverkehr. Die erwähnten 28 Prozent entsprechen dabei 3300 Landungen pro Jahr. «Das ergibt im Durchschnitt täglich acht bis zehn Südanflüge», führte Häberli aus. Heute landen – bedingt durch meteorologische Einflüsse – 18 Prozent der Flüge von Süden her, wobei diese Schlaufe freilich nur bis nach Rubigen führt und nicht wie nun geplant über die Schwarzenegg und Steffisburg im Osten respektive über Wattenwil, Thun und Kiesen im Westen.

Durch das neue Regime reicht die Flughafenkontrollzone Bern-Belp neu bis nach Thun. Heinz Lang, Präsident der Gost (Gruppe für Oldtimer und selbst gebaute Flugzeuge Thun), prognostizierte in dieser Zeitung, dass die Kleinfliegerei auf dem Flugplatz Thun dadurch an den Rand gedrängt werde und «mit erheblichen Einschränkungen» leben müsse. «Der Flugplatz Thun liegt knapp ausserhalb dieser Zone», erklärte Adrian Schüpbach, Leiter Flugsicherung Bern, gestern. «Der Betrieb kann normal weitergeführt werden.» Die Anpassungen beim Anflug aus Norden via A6 seien minim. Wird die neue Kontrollzone dennoch durchflogen, was bei ihrer geplanten Lage unumgänglich sein wird, seien «mit sauberen Funksprüchen» keinerlei Sicherheitsbedenken angezeigt. Die Verantwortlichen räumten indes ein, dass dafür Englischkenntnisse nötig sein werden. Kurse dafür «werden hier in Belp bereits angeboten», sagte Daniel Steffen, Leiter Unternehmenskommunikation bei der Alpar AG.

Lärmgrenzwert unangetastet

Wie sieht es jedoch in Sachen zusätzliche Lärmimmissionen aus, wenn die Region Thun in Zukunft mit Südanflügen rechnen muss? Laut Alpar sollen die besiedelten Gebiete im Aaretal durch Fluglärm ja «nicht übermässig belastet» werden. Peter Jaberg vom Ingenieurbüro Bächtold&Moor AG verwies auf die Grenzwerte in der Lärmschutzverordnung, die weiterhin gelten, «in Stein gemeisselt» seien und auch kontrolliert würden. Was dies in absoluten Werten bedeutet, wurde gestern aber nicht gesagt.

Ebenso noch offen ist, wie es für die Gleitschirmflieger und Deltasegler – beispielsweise jene, die ab der Falkenfluh in Oberdiessbach starten – weitergeht. Jaberg bestätigte lediglich, dass sie von den Änderungen betroffen sind und ihr Betrieb je nach Flughöhe «eingeschränkt» wird. Das neue Regime mit den Südanflügen und die daraus resultierenden Folgen lägen zurzeit aber öffentlich auf, könnten also noch angepasst werden. Nichtsdestotrotz waren das Unbehagen und das Bedürfnis nach Information (vgl. Kasten) unter den Gemeindepräsidenten des Aaretals und der Region Thun gestern deutlich zu spüren. Die Alpar will bereits heute mit einem Umfragemail an alle betroffenen Gemeinden genauer herausfinden, welche offene Fragen noch einer Antwort bedürfen. Für den Freitag ist zudem ein runder Tisch mit Vertretern von Aviatikvereinen geplant.

Thuner Tagblatt

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