Südanflug kommt nicht gut an

Bern-Belp

Gemeinden, Verbände und Private wehren sich gegen das neue Anflugregime am Flughafen in Bern-Belp. Am Dienstag lief die Einsprachefrist ab.

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Gegen das neue satellitengestützte Anflugverfahren für den Flughafen Bern-Belp sind beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bis Dienstagmittag über 200 Einsprachen eingegangen. Die meisten davon stammen von Einzelpersonen.

Doch auch der Aero-Club der Schweiz, Spartenverbände dieses Clubs, weitere Aviatikgruppen sowie der VCS und der WWF des Kantons Bern haben Einsprache erhoben. Dazu kommen die kantonale Vereinigung gegen Fluglärm (VgF) sowie laut Bazl-Sprecher Urs Holderegger mehr als zehn Gemeinden in der Umgebungdes Berner Regionalflughafens.

Vollständiger Bericht am Donnerstag

Das gab Holderegger am Dienstag auf Anfrage bekannt respektive das taten die genannten Organisationen. Am Dienstag endet die öffentliche Auflage für das neue, satellitengestützte Anflugverfahren von Süden her, das die Flughafenbetreiberin Alpar AG einführen will.

Erst am Donnerstag oder Freitag wird das Bazl einen vollständigen Überblick über alle Einsprachen haben. Der Poststempel ist entscheidend, ob eine Einsprache noch als rechtzeitig eingegeben gilt oder nicht.

Laut Holderegger beruht der Grossteil der Einsprachen von Privatpersonen auf einem Musterformular, das die Gemeinde Münsingen ausgearbeitet hat. Sie selber hat auch Einsprache erhoben. Im Aaretal hat sich im Zusammenhang mit dem Anflugverfahren auch eine neue Gruppierung gebildet: Die «IG - lärmarmes aaretal».

Auch Thun, Steffisburg, Uetendorf

Am Dienstagvormittag hatten drei weitere Gemeinden bekanntgegeben, dass sie gegen das neue Anflugverfahren Einsprache erheben. Es sind die Gemeinden Thun, Steffisburg und Uetendorf.

Sie anerkennten die wirtschaftliche Bedeutung des Berner Regionalflughafens und wollten dessen Betrieb nicht in Frage stellen, schreiben die drei Gemeinden in einer gemeinsamen Medienmitteilung.

Die Behörden und die Flughafenbetreiberin Alpar hätten aber spät informiert. Deshalb gehe es ihnen mit den Einsprachen nun darum, künftig aus erster Hand Informationen zu bekommen und in den Genehmigungsprozess einbezogen zu werden.

Aero-Club gehört zu den Einsprechern

Ausserdem hat auch Oberdiessbach Einsprache erhoben, wie auf der Internetseite der Gemeinde bestätigt wird. Ebenfalls zu den Einsprechern gehört die Gemeinde Wichtrach.

Der Aero-Club der Schweiz (AeCS) spricht laut einem auf seiner Internetseite veröffentlichten Communiqué von unverhältnismässigen Einschränkungen des Luftraums für einige wenige zusätzliche Anflüge.

Auch die AeCS-Spartenverbände Motorflug-Verband der Schweiz, Segelflugverband der Schweiz und der Schweizerische Ballonverband haben laut dem AeCS Einsprachen formuliert. Luftsportaktivitäten und die Leichtaviatik würden durch das neue Anflugregime stark eingeschränkt.

WWF, VCS und VgF schreiben, durch die Ausbaupläne des Flughafens werde der Flugverkehr gefördert und die Lärmbelastung nehme zu.

Alpar AG nicht erstaunt

Daniel Steffen, der Sprecher des Flughafens Bern-Belp, sagte am Dienstagnachmittag auf Anfrage, er sei nicht überrascht von der Anzahl Einsprachen. Angesichts der vorgefertigen Einspracheformulare, der Veranstaltungen zum neuen Verfahren und der vielen Medienberichte sei das zu erwarten gewesen.

Steffen verteidigte die Informationspolitik der Alpar und sagte, mit Einsprachen sei auf jeden Fall zu rechnen gewesen.

Künftig acht bis zehn von Süden her

Mitte Januar legte das Bazl das Gesuch der Alpar AG für das neue Anflugverfahren aus Süden öffentlich auf. Das Verfahren erlaubt es den Piloten laut Bazl, im Landeanflug eine flexiblere Routenwahl zu treffen. Auf diese Weise könnten dicht besiedelte Gegenden besser umflogen werden. Die Stadt Bern begrüsst denn auch beispielsweise das neue Verfahren.

Laut Bazl ist es im Vergleich mit dem jetzigen Südanflug auf die Start- und Landepiste im Belpmoos «sicherer und robuster».

Vertreter der Alpar AG sagten Mitte Januar, die Zahl der Südanflüge erhöhe sich mit dem neuen Anflugverfahren von heute fünf bis sieben auf künftig acht bis zehn. Die Lärmschutz-Grenzwerte würden stets eingehalten.

Entscheid erst in Monaten

Nach Ende des Einspracheverfahrens wird das Bazl die Einsprachen sichten und dann von der Alpar AG eine Stellungnahme einfordern. Auch der Kanton Bern muss sich noch äussern. Über die Einsprachen entscheiden wird das Bundesamt laut Sprecher Holderegger erst in mehreren Monaten. Ob es zu Einspracheverhandlungen kommt, ist ihm zufolge noch offen.

js/sda

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