Streit wegen Jauche im Trinkwasser

Frutigen

Er brachte Jauche auf seinem Gelände in Frutigen aus. Sein Nachbar meint nun, dass dadurch nachweislich sein Trinkwasser verunreinigt worden sei. War es so oder nicht?

Ein Frutiger Bauer soll mit Jauche fahrlässig das Trinkwasser des Nachbarn verunreinigt haben. (Symbolbild)

Ein Frutiger Bauer soll mit Jauche fahrlässig das Trinkwasser des Nachbarn verunreinigt haben. (Symbolbild)

(Bild: Fotolia)

Im Strafbefehl gegen den Ver­ursacher steht, er habe auf der Nord- und der Südseite seines Landes in Frutigen rund 50 Kubikmeter Jauche ausgebracht und dadurch fahrlässig das Trinkwasser des Nachbarn verunreinigt. Er hätte eine Busse von 600 Franken bezahlen sollen, doch er erhob Einspruch. Die Gerichtspräsidentin hätte am Montag am Regionalgericht Oberland nun grundsätzlich entscheiden sollen, ob dies gerechtfertigt sei.

Doch dazu kam es erst gar nicht. Denn gleich zu Beginn ermunterte sie die Anwesenden, dass man eine gemeinsame Lösung suchen müsse. Wie viel Jauche darf der fehlbare Bauer ausbringen? Müssen Perimeter und Menge begrenzt werden? Vor allem diese Fragen konnten bis am Montag nicht geklärt werden. Licht ins Gülledunkel soll nun ein Fachmann vom Inforama Hondrich bringen. Deshalb entschieden sich alle Parteien am Montag dafür, dass man die ganze Angelegenheit an einem noch nicht fixierten Tag vor Ort anschauen will.

Auch Zweifel am Landwirt

Der fehlbare Landwirt hat auch einen Beistand – grössere Arbeiten beispielsweise dürfen auf seinem Landwirtschaftsbetrieb nur unter Aufsicht durchgeführt werden. Dies geschah auch an dem Tag so, als er die Jauche ausbrachte. Doch gerade diese Tatsache, dass der Bauer im Prinzip nicht selber fähig ist, seine Arbeit gerecht zu verrichten, sorgte auch für Zweifel beim Anwalt des Klägers. «Hält der Landwirt seine Tiere überhaupt artgerecht?», stellte er als Frage in den Raum. Und wohl auch diese Tatsachen bekräftigten die Absicht der ­Gerichtspräsidentin, demnächst einen Augenschein vor Ort zu nehmen, bevor sie über den aktuellen Strafbefehl das richterliche Urteil fällt.

Jauche des Nachbarn?

Die Spekulationsmühle mahlte am Montag während der Diskussion am Gericht noch weiter, denn der Kläger trägt auf seinem Landstück auch Jauche aus. «Doch als ich dies, unabhängig von meinem Nachbarn, tat, kam es zu keiner Verunreinigung meines Trinkwassers», meinte er auf die entsprechende Frage der Gerichtspräsidentin.

Jauche, welche das Trinkwasser verunreinigt: «Hierzu müssen wir eine längerfristige Lösung zusammen mit Fachleuten finden, deshalb braucht es einen Augenschein vor Ort, vor der Urteilslegung. Denn es braucht eine weitsichtige Lösung, der ­Angeklagte muss aus Existenzgründen auch weiterhin Jauche auf seinem Landstück haben», sagte die Gerichtspräsidentin zu ihrem weiteren Vorgehen und brach die Gerichtsverhandlung ab.

Allerdings: Der scheinbar fehlbare Bauer möchte und sollte demnächst wieder Jauche austragen können. Deshalb appellierte er auch direkt an das Gericht, dass möglichst rasch eine Beurteilung vor Ort stattfinden solle.

Berner Oberländer

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