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Steffisburg hatte einen Schutzengel

SteffisburgEine Welle aus Holz und Geschiebe wälzte sich am Mittwochnachmittag die Zulg herunter. Angesichts der Masse grenzt es an ein Wunder, dass es in der Region Steffisburg keine grösseren Schäden gab.

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Gewitter und starker Regen im Eriz liessen die Zulg gestern Nachmittag extrem stark anschwellen. Die Erizer merkten rasch, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Unwetter handelte, und lösten den Zulg-Alarm aus. «Wir erhielten die Meldung kurz nach 16 Uhr und trafen sofort alle Massnahmen, die für solche Ereignisse vorgesehen sind», sagte Steffisburgs Feuerwehrkommandant Guido Sohm gestern Abend gegenüber dieser Zeitung. «Wir veranlassten, dass sich keine Personen am Ufer aufhielten, sperrten die Brücken und besetzten sie mit Posten, um sicherzustellen, dass auch wirklich niemand die Brücken überquerte.» Was dann folgte, beschrieb ein Leser per Telefon so: «Es kam mir vor wie ein Tsunami aus Holz, was da etwa um 17 Uhr die Zulg herunterkam!»

Steffisburg hatte Schutzengel

Schwemmholz in dieser Menge hat ein unglaubliches Zerstörungspotenzial; es kann Brücken zerstören und alles mitreissen, was ihm in die Quere kommt. Es kann sich bei Brücken verkeilen und damit das Gewässer praktisch sperren, das daraufhin über die Ufer tritt und das Land überschwemmt. Die Schäden in Steffisburg müssten theoretisch also sehr gross sein. Doch ein Schutzengel muss seine Hand über das Dorf gehalten haben. «Bei der Müllerschwelle, also etwas oberhalb der Zulgbrücke beim Gemeindehaus, trat der Bach links und rechts über die Ufer. In den Garagen und Kellern von etwa sechs Liegenschaften gab es Wasserschäden», so Sohm weiter. «Auch der Mühlebach ging sehr hoch, weshalb es auch im Gemeindewerkhof und in unserem Feuerwehrmagazin Schäden gab.» Das war alles? «Ja, wir hatten unglaubliches Glück. Die Zulg riss das Holz einfach mit und schwemmte es in die Aare. Jetzt ist es unterwegs nach Bern. Aber die Stadt ist gewarnt und weiss, was auf sie zukommt», sagte Steffisburgs Feuerwehrkommandant Guido Sohm. Die BLS erklärte gestern Abend auf Anfrage, dass ihre Eisenbahnbrücke beim Bahnhof Steffisburg nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Als der Holz-Tsunami durchgezogen war, konnte die Feuerwehr die Brücken wieder freigeben, worauf sich der Verkehr normalisierte. Dann machte sich die Feuerwehr daran, in den betroffenen Liegenschaften Keller und Garagen auszupumpen. Menschen wurden bei diesem Unwetterereignis nicht verletzt. Allerdings musste ein Kinderlager in Unterlangenegg evakuiert werden: Zelte waren vom Wasser weggeschwemmt worden. Die Kinder wurden in die Zivilschutzanlage in Steffisburg gebracht und von Zivilschutzangehörigen betreut.

Der Hochwasserentlastungsstollen in Thun war seit Dienstag geöffnet. Gestern Nachmittag wurde er aber wieder geschlossen, damit die Aare, die durch den Zulgzufluss ohnehin viel Wasser aufnehmen musste, nicht noch mehr anschwoll. Dies erklärte Bernhard Schudel, Leiter der Abteilung Gewässerregulierung im Amt für Wasser und Abfall, auf Anfrage. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 05.07.2012, 06:37 Uhr

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