Spagat zwischen Hilfe und Selbsthilfe

Thun/Madagaskar

Vor zwei Jahren wanderten Thomas und Esther Beck nach Madagaskar aus. Seither sind sie unter anderem in einem Spital und in der Bildung aktiv. Einzelne Projekte werden vom Verein Fokus Madagaskar aus Thun unterstützt.

Esther Beck fördert lernschwache Kinder.

(Bild: zvg)

Thomas Beck war jahrelang Hausarzt im Herzen von Thun. Vor zwei Jahren entschieden er und seine Frau Esther sich, ein Spitalprojekt in Madagaskar zu unterstützen. Allerdings nicht von zu Hause aus, sondern direkt vor Ort. Sie wanderten aus. Momentan sind die beiden in Thun, um über ihre Erfahrungen im ganz anders funktionierenden Medizin- und Bildungssystem zu berichten.

Alle sind dankbar

«Drei bis sechs Wochen kann es dauern, bis wir von einem Labor eine Diagnose über einen Tumor erhalten. Das würde hier niemand verstehen», beschreibt Thomas Beck im Gespräch mit dieser Zeitung und ergänzt: «Allerdings sind alle dankbar. Die Patienten, die erst nach langer Zeit und vielfach erst im letzten Moment ins Spital kommen, werden von ihren Freunden und Bekannten unterstützt.»

Die Unterstützung läuft so, dass die Angehörigen, Freunde und Bekannten der Patienten unter deren Bett schlafen, vor dem Spital das Essen zubereiten und auch sonst die Mediziner unterstützen: «Die Freunde waschen den Patienten oder helfen bei der Wundversorgung. Das kann man sich hier bei uns gar nicht vorstellen», sagt Thomas Beck.

Leicht sei es nicht immer, in diesem von extremer Armut geprägten ehemaligen Kolonialland zu arbeiten: «Wir müssen immer aufpassen, dass der Spagat zwischen Hilfe und Selbsthilfe stimmt. Denn wir wollen nicht die überlegenen Helfer sein, sondern die Leute in ihren Möglichkeiten und auf ihren Wegen zur Selbsthilfe unterstützen», sagt Esther Beck.

«Die Freunde waschen den Patienten oder helfen bei der Wundversorgung. Das kann man sich hier bei uns gar nicht vorstellen.»Thomas Beck

Und teilweise sei dies gar nicht so einfach, denn nach jahrelanger Erfahrung im Medizin- und im Bildungsbereich in der Schweiz ist das Funktionieren nicht vergleichbar, sondern besonders herausfordernd. Thomas und Esther Beck sind sich aber einig, dass sie den richtigen Entscheid getroffen haben – und sich bereits jetzt ­freuen, wieder an unsere Wirkungsstätte zurückzukehren.

Momentan gönnen sie sich eine Verschnaufpause, welche nicht wirklich eine ist: «Wir treffen Freunde und wollen Eindrücke über unsere Arbeit verschaffen.»

Netzwerk aus Thun

Während Thomas Beck im Spital medizinisch tätig ist, arbeitet Esther Beck im Bildungsbereich. Auch sie konnte vieles erreichen: «Die Kinder wussten nicht, was Wasserfarben sind – jetzt sind sie begeistert», reflektiert sie.

Unterstützt werden die zwei von vielen Freunden: «Mehr als wertvoll ist für mich das Netzwerk zu engagierten Ärzten in Thun, die mir bei komplexem Arbeiten jeweils sofort – auch online – helfen. Dafür danke ich herzlich», sagt Thomas Beck. Und seine Frau ergänzt: «Ich bekam Schulmaterial und Instrumente von einem Verlag für den Musikunterricht, welche ich nun verwenden darf.»

Thomas Beck hilft in Madagaskar einer Patientin. Bild: zvg

Einzelne Projekte werden auch vom Verein Fokus Madagaskar unterstützt. Präsidiert wird der Verein vom Thuner Chirurgen René Stouthandel. Ebenfalls im Vorstand vertreten ist Dieter Neeser vom Medwell Thun, das sich auf die Physiotherapie spezialisiert hat und so ebenfalls mit Material oder Tipps direkt vor Ort unterstützend wirken kann.

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