Thun

Solidarische Thuner zeigten Verständnis für die Not

ThunRund 400 Personen besuchten den Infoanlass des Bundes für das erste temporäre Bundesasylzentrum im Kanton Bern. Die Thuner zeigten sich solidarisch mit den Flüchtlingen.

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Wo am Freitag in einer Woche die ersten 100 von insgesamt 600 Flüchtlingen im ersten temporären Bundesasylzentrum im Kanton Bern einquartiert werden, belegten gestern Abend gegen 400 Interessierte die Stühle in der Panzerhalle B auf dem Waffenplatz in Thun.

«Niemand muss mit unbeantworteten Fragen nach Hause gehen», eröffnete Urs von Däniken vom Staatssekretariat für Migration (SEM) die öffentliche Informationsveranstaltung und erläuterte ausführlich die Organisation des Betriebes im Zentrum.

Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) sagte ergänzend: «Bis vor Kurzem hätten wir nicht gedacht, dass wir in einer solchen Halle ein solches Zentrum einrichten.» Doch es sei im Interesse aller, dass es in der Schweiz keine obdachlosen Asylbewerber gebe und alle Flüchtlinge registriert werden können.

Iris Rivas, Leiterin Migrationsdienst des Kantons Bern, führte einen Vorteil des Zentrums aus: «Für jeden Flüchtling in einem Bundeszentrum wird dem Kanton eine Person weniger zugewiesen.» Das Zentrum wird 24 Stunden betreut, inklusive medizinische und psychologische Hilfe.

Der Betrieb sei ähnlich einem Pfadilager geregelt, samt Beschäftigungsprogramm und Tagesstruktur mit Reinigungsequipe, Küchenteam, Fernsehregeln und Handwerkereinsätzen. Die Hausordnung regelt Aufenthalt, Essen und Nachtruhe. «Die Asylbewerber sind aber keine Gefangenen», betonte Urs von Däniken.

Oft würden die Leute, vor allem Syrer, Afghanen und Iraker, an Wochenenden Angehörige und Freunde besuchen. Kriminalität könne nicht ausgeschlossen werden, jedoch sei eine sofortige Reaktion garantiert.

«Im Zentrum wird zudem weder geraucht noch Alkohol getrunken, und die Handys werden im Innern abgegeben.» Ferner könne die Bevölkerung rund um die Uhr anrufen, ob bei Fragen oder Problemen. Die Hotline-Nummer werde noch bekannt gegeben.

Waffenplatz kein Problem

Die Solidarität für und die Sorge um die Flüchtlinge unter den Anwesenden waren deutlich spürbar, auch einige Ängste, vor allem vor der Kriminalität ausserhalb des Zentrums. Auch boten einige Leute Hilfe an. «Sie können sich bei der Hotline melden», erklärte von Däniken.

Das Bringen von Hilfsgütern wie etwa Winterkleider und Schuhe ist erwünscht, dagegen müssten Matratzen wegen der Brandschutzauflagen feuerhemmend sein. Auch sorgten sich einige, weil die Flüchtlinge ausgerechnet auf einem Waffenplatz untergebracht würden.

«Wie unsere Erfahrung zeigt, ist das kein Problem. Denn die Leute können sehr wohl zwischen Gegnern und Helfern unterscheiden», antwortete er. «Derzeit liegt die Anerkennungsquote bei Flüchtlingen bei rund 60 Prozent, die übrigen werden wieder ausgewiesen oder rückgeführt, sofern möglich», sagte Urs von Däniken.

Trotz Notlage und der erwarteten Zunahme von Flüchtlingen: «In jedem Fall wird das temporäre Bundesasylzentrum in Thun mit seinen 600 Plätze nicht überfüllt und wie vereinbart nach sechs Monaten – am 18. Juni – geschlossen werden.»

Erstellt: 10.12.2015, 07:18 Uhr

Infobox

Da die bestehenden Empfangs- und Verfahrenszentren des Bundes aus- beziehungsweise rund 111 Prozent überlastet sind, richtet das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf dem Waffenplatz in Thun ein temporäres Bundesasylzentrum ein (vgl. Haupttext). Zur Bearbeitung der Gesuche und Durchführung der Befragungen werden 30 bis 40 Arbeitsplätze eingerichtet. Zunächst wird die Panzerhalle A mit 300 Plätzen in Betrieb genommen, danach die Halle B mit weiteren 300 Plätzen.

Das Areal ist umzäunt, der Ein- und Austritt wird kontrolliert. Für die Sicherheit und den Betrieb sind die ORS AG und die Securitas AG zuständig. Die Asylbewerber bleiben bis zur Abklärung ihres Gesuches in Thun; in der Regel werden es drei Wochen sein. Sie können das Zentrum zwischen 9 und 17 Uhr sowie an den Wochenenden verlassen.

Eine temporäre Infrastruktur mit Betten, Trennwänden und sanitären Anlagen wird in den Hallen eingerichtet.

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