Sind die Bienen noch zu retten?

Thun

Man müsse die Varroa-Milbe bekämpfen und für genügend Futter sorgen, dann hätten die Bienen gute Chancen, sagten Experten. Am gut besuchten Wissenschaftscafé bei Thalia in Thun erfuhren die Anwesenden viel Wissenswertes zur Imkerei.

Christian Annen ist weiss gekleidet, weil das die Bienen beruhigt.

Christian Annen ist weiss gekleidet, weil das die Bienen beruhigt.

(Bild: Margrit Kunz)

Der von der Akademie für Wissenschaften Schweiz organisierte Anlass beantwortete viele Fragen rund ums Bienensterben. Professor Peter Neumann, Leiter Institut für Bienengesundheit an der Universität Bern, Robert Lerch, Apiservice GmbH, Bern und Hans Ramseier, Dozent an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen betonten alle, dass es heute viel Aufwand braucht, um gesunde Bienenvölker zu haben: Es gilt, die Varroa zu bekämpfen, und dazu müssen regelmässig alle Honigbienenvölker kontrolliert und behandelt werden. Doch die Bienen werden auch geschwächt, wenn das Futterangebot zu gering ist.

«Ist der Raps verblüht, gibt es eine Trachtlücke. Diese sollte man schliessen, indem man Pflanzen kultiviert, die im Juni und Juli blühen», sagte etwa Hans Ramseier. «Wenn es genug zu essen hat, sind die Bienen widerstandsfähiger gegen Krankheiten.» Er empfiehlt darum, Bienenweiden anzulegen. Dabei werden auf kleinen Flächen einjährige Blütenpflanzen gezogen, die den Bienen, den Wildbienen und andern Insekten als Futter dienen.

Ohne Bienen keine Früchte?

Peter Neumann relativiert die oft gehörte Behauptung, dass es ohne Bienen bald nichts mehr zu essen gebe, weil die Bestäubung fehle. «So weit kommt es nicht», sagt der Professor. «Nicht alle Pflanzen brauchen eine Bestäubung, und es gibt ausser den Bienen auch noch andere Bestäuberinsekten wie die Wildbienen und die Hummeln.» Nicht alle Arten sind gleich betroffen. Er geht jedoch auch davon aus, dass allenfalls weniger Früchte geerntet werden können und diese dadurch sehr teuer würden.

Robert Lerch, der selber Bienen hat, war froh, dass der Winter mild war. Seine Bienenvölker sind gesund. «Aber es braucht heute vielmehr Aufwand, will man Honigbienen halten. Man kann nicht einfach Honig schleudern und fertig. Man muss die Varroa bekämpfen.»

Es gebe heute gute Methoden zur Behandlung der Varroa, so habe man die Milbe im Griff. Man verwendet Ameisensäure und Oxalsäure. Bei diesen Produkten hat man noch keine Resistenzen festgestellt. Natürliche Feinde wie Pilze oder Krebse kann Neumann nicht empfehlen, dies sei viel zu heikel, diese könnten auch auf die Bienen übergehen, anstatt nur die Milben zu fressen.

Ausbildung für Imker

Die Imker brauchen heute eine gute Ausbildung, um die Krankheiten zu bekämpfen und guten Honig zu produzieren. Kurse werden an vielen Orten angeboten, und sie sind gut belegt. «Wenn man die Imkerei fördert, profitieren aber nur die Honigbienen davon. Wildbienen und Hummeln jedoch nicht. Wenn man sich aber für viel Futter und einen geringeren Einsatz von Pestiziden einsetzt, dann profitieren alle Bestäuberinsekten», bringt Neumann einen wichtigen Punkt zur Sprache. Angehende Landwirte lernen heute auch Imkerei.

Laut Ramseier gibt es jedoch Interessenkonflikte zwischen Landwirten und Imkern. Das beste Futter für die Kühe ist früh geschnittenes Gras, dann, wenn der Löwenzahn noch blüht. Dann fehlt dieser jedoch als Futter für die Bienen, nennt Ramseier ein Beispiel.

Thuner Tagblatt

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