Sieg für Antennen-Gegner: BVE stoppt Orange-Projekt

Gwatt

Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) hat entschieden, dass Orange im Gwatt keine Bewilligung für den Bau einer Mobilfunkanlage erhält. Grund sind unvollständige Unterlagen zu Strahlenwerten. Orange zieht das Urteil nicht weiter.

Auf dem Haus am Grenzweg 4 im Gwatt wollte Anbieter Orange einer neuen UMTS-Mobilfunkanlage realisieren. Dies ist nach einem Entscheid der kantonalen BVE nun nicht mehr möglich.

Auf dem Haus am Grenzweg 4 im Gwatt wollte Anbieter Orange einer neuen UMTS-Mobilfunkanlage realisieren. Dies ist nach einem Entscheid der kantonalen BVE nun nicht mehr möglich.

(Bild: Markus Hubacher)

Das Ringen um eine neue Mobilfunkanlage mit drei UMTS-Antennen im Gwatt dauert schon über fünf Jahre. Anbieter Orange wollte das Projekt zunächst am Rainweg umsetzen, danach folgte ein Hausdach am Grenzweg (vgl. Infokasten links).

Nun haben die Antennengegner jedoch einen wichtigen Sieg errungen: Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) hat dem aktuellen Vorhaben von Orange den Bauabschlag erteilt.

Ein Anwohner zweifelte den Strahlenwert an

Das Projekt lag zur Beurteilung bei der BVE, nachdem Anwohner im Februar 2012 Beschwerde gegen einen Beschluss des Bauinspektorats der Stadt Thun eingereicht hatten. Dieses hatte zuvor 21 Einsprachen – die meisten von direkten Anstössern im Quartier – abgewiesen und dem Mobilfunkanbieter die Baubewilligung für die Anlage erteilt. Das Bauinspektorat begründete den Entscheid unter anderem damit, dass das Projekt zonenkonform sei sowie die baurechtlichen Vorschriften erfülle.

Einer der Anwohner kritisierte damals, dass das Thuner Bauinspektorat «gewisse Dinge liederlich geprüft» habe. So sei etwa der Abstand der geplanten Antennen zu seinem Wohnzimmer falsch berechnet worden, wie eigens in Auftrag gegebene Messungen durch einen Geometer ergeben hätten. Dadurch würde auch der Strahlen- und somit der Anlagegrenzwert höher ausfallen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, führte das Rechtsamt der BVE im April 2012 einen Augenschein vor Ort durch.

Dokumente fehlen – Anlage «nicht bewilligungsfähig»

Orange berechnete in der Folge die Strahlenwerte neu und reichte im September 2012 angepasste Projektpläne ein. Das Rechtsamt verlangte vom Mobilfunkanbieter im November 2012 jedoch ein zusätzliches Dokument, in dem auch die Strahlenbelastung im fraglichen Wohnzimmer angegeben werden sollte. Dieses Dokument traf nie bei der BVE ein – obwohl das Rechtsamt die Frist zur Einreichung mehrmals verlängerte.

Vor vier Monaten wurde Orange ein letztes Mal aufgefordert, die nötigen Unterlagen einzureichen. Auch diese Frist liess der Mobilfunkanbieter ungenutzt verstreichen. «Die geplante Anlage ist unter diesen Umständen nicht bewilligungsfähig», schreibt die BVE in ihrem Entscheid. Orange habe es versäumt, korrekte und vollständige Unterlagen einzureichen, welche die Einhaltung der Strahlenwerte «zweifelsfrei hätte belegen können».

Orange: «Vom Entscheid Kenntnis genommen»

Ob Orange bewusst auf eine Antwort verzichtet hat oder die Fristen schlicht vergessen wurden, lässt sich nicht sagen; der Mobilfunkanbieter gibt dazu auf Anfrage keinen Kommentar ab. Marie-Claude Debons, Mediensprecherin von Orange, hält lediglich fest: «Wir haben vom Entscheid der BVE Kenntnis genommen und werden dieses Projekt nicht weiterverfolgen.» Theoretisch hätte der Mobilfunkanbieter den Entscheid vor dem Verwaltungsgericht anfechten können. So dürfen nun aber die Antennengegner im Quartier fürs Erste aufatmen.

Debons verrät jedoch bereits: «Wir werden am Standort Thun ein neues Baugesuch einreichen.» Wann dies der Fall sein wird und wo genau die Anlage hinkommen soll, gibt die Mediensprecherin indes noch nicht bekannt. Aus dem nun abgelehnten Bauprojekt erwachsen Orange Verfahrenskosten von 2200 Franken. Zudem muss der Anbieter gemäss BVE-Entscheid zwei Beschwerdeführern Parteikosten in Höhe von rund 3600 Franken ersetzen.

Thuner Tagblatt

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