Thun

Sie lassen Schweizer Geschichte aufleben

ThunEigentlich ist der Kampf mit dem Zweihänder längst Geschichte. Am Sonntag liess aber eine kleine Gruppe Sportler in Thun den historischen Kampf als moderne Sportart wieder ­aufleben.

Sie fühlen sich der Geschichte verbunden: Mit moderner Schutzmontur fechten die Thuner Samuel Gutknecht (links) und Roland Zürrer den historischen Langschwertkampf.

Sie fühlen sich der Geschichte verbunden: Mit moderner Schutzmontur fechten die Thuner Samuel Gutknecht (links) und Roland Zürrer den historischen Langschwertkampf. Bild: Stefan Kammermann

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Die Gruppe, die sich in der Thuner Pestalozziturnhalle trifft, ist nicht gross. Die 20 Leute kommen aus den Kantonen Neuenburg, Freiburg oder Bern. Mit dabei sind aber auch Roland Zürrer und Samuel Gutknecht vom organisierenden Verein Liberi Ensis Hema. Knapp zehn Mitglieder zählt dieser Thuner Verein, der sich dem historischen Kampf mit dem Zweihänderschwert verschrieben hat. Der Verein, den es seit August dieses Jahres gibt, hat sich auf die Fahne geschrieben, die Geschichte in die Gegenwart zu bringen. Was damit gemeint ist, zeigten die Protagonisten gestern Sonntag gleich selber.

Techniken wie damals

In mittelalterlicher Manier kämpfen zwei Gegner mit dem Langschwert gegeneinander. «Im Mittelalter ging es dabei um Leben und Tod», sagt Vereinspräsident Samuel Gutknecht. In der Pestalozziturnhalle ging es gestern indes nur um den Sport. «Wir wenden die historischen Techniken nach Überlieferungen von damals an, allerdings kämpfen wir nicht in der Ritterrüstung», erläutert Instruktor Roland Zürrer.

Wie im modernen Fechtsport schützen sich die Akteure mit Fechtmasken, Handschuhen, gepolstertem Fechtanzug und entsprechenden Beinkleidern. «Das mittelalterliche Fechten ist für uns Wettkampfsport», betont der Instruktor, während in der Turnhalle das Training läuft und die Klingen laut und kräftig aufeinanderkrachen. Fast genauso wie in der Zeit der Ritter. Nur eben ohne Harnisch oder Kettenhemd.

Faszination ist gross

«Meine Faszination für diesen Sport ist riesig, nach so einem Kampf kann ich entspannen», hält Roland Zürrer fest und trocknet die Schweissperlen auf seiner Stirn. Dies sei auch mit ein Grund, weshalb sich die Gruppe dem modernen historischen Schwertkampf widme. Denn entstanden ist der Verein eigentlich aus den vielen Aktivitäten rund um das Thema Mittelalter, die derzeit einen regelrechten Boom erleben. «Der reine Schaukampf, den viele Mittelaltervereine zelebrieren, ist nicht unbedingt unser Metier», hält Roland Zürrer fest. Und weiter: «Wir verstehen den Schwertkampf als Sport.»

Szene ist am Wachsen

Die Schwertkampfszene ist in Thun und der Schweiz nicht allzu gross. Zwar gibt es einen Dachverband, dem knapp 20 Vereine mit etwa 250 bis 300 Aktiven angehören. «Die Szene ist am Wachsen», sagt Samuel Gutknecht. So wurden zum Beispiel in diesem Jahr schweizweit zwei Wettkampfturniere durchgeführt. Regeln über Sieg oder Niederlage gibt es indes noch keine. Der Dachverband hat noch kein Regelwerk heraus­gegeben. «Oberstes Gebot ist die Fairness», hält Gutknecht fest.

Die Mitglieder des Vereins Liberi Ensis Hematrainieren jeden Sonntag ab 11 Uhr im Bärensaal an der Frutigenstrasse in Thun. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 20.11.2016, 20:29 Uhr

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