Sie läuft für geschändete Frauen und benachteiligte Kinder

Mit ihren Läufen generiert Brigitte Daxelhoffer seit vier Jahren Spenden für benachteiligte Kinder und ­geschändete Frauen in Nepal. Gemeinsam mit dem Team desprivaten Spendenprojektes Run for Hope plant sie nun für 2018 einen Werbelauf durch die Schweiz.

Brigitte Daxelhoffer läuft für ihr privates Hilfsprojekt Run for Hope – so wie hier am Marathon des Sables in Marokko im Jahr 2016.<p class='credit'>(Bild: zvg / V. Campagnie)</p>

Brigitte Daxelhoffer läuft für ihr privates Hilfsprojekt Run for Hope – so wie hier am Marathon des Sables in Marokko im Jahr 2016.

(Bild: zvg / V. Campagnie)

Brigitte Daxelhoffer läuft weit, um Dinge zu bewegen. Seit 2014 nimmt die Burgisteinerin einmal im Jahr für ihre private Hilfsorganisation Run for Hope eine lange Strecke in Angriff, um benachteiligten Kindern und geschändeten Frauen und Mädchen in Nepal den Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu ebnen.

Im Mai dieses Jahres hat sie am legendären Dragon’s Back Race teilgenommen, das 315 Kilometer lang ohne Wegmarkierungen durch das Gebirge von Wales führt.

Die Spendengelder, die dabei gesammelt wurden , sind für Nepal Matri Griha, ein Schul- und Therapiezentrum für 350 Schüler aus benachteiligten Familien sowie ein Therapiezentrum für geistig und körperlich behinderte Kinder in Kathmandu bestimmt. Mit Bildung und Therapie erhalten die Kinder eine Chance, ihren späteren Lebensweg selber zu gestalten.

Ultramarathon für Schüler

Mit dem Geld, das 2016 für die Teilnahme Daxelhoffers am Marathon des Sables in Marokko generiert wurde, konnte Run for Hope einen Gemeinschaftsraum für die Schulkinder der Theresa Academy in Kathmandu mitfinanzieren.

Diese Schule ist Teil des Projektes Maiti Nepal, das gegen die Verschleppung und Zwangsprostitution von Frauen und Kindern kämpft: «Wir sind über den Thuner Verein Chance Swiss auf dieses Projekt gestossen. Diese Hilfe passt gut zu unserer Philosophie», so Daxelhoffer.

Verkauft und geschändet

In Nepal sind Mädchen besonders durch Menschenhandel und Zwangsprostitution sowie kommerzielle sexuelle Ausbeutung und Sextourismus gefährdet. Wenn die alleinerziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter in ihrem idyllisch gelegenen Häuschen in Burgistein über das Geschehen in Nepal berichtet, befällt die Zuhörenden rasch ein beklemmendes Gefühl.

Die oft ärmlichen und ausweglosen Lebenssituationen vieler Nepalesen führen dazu, dass junge Mädchen an Menschenhändler verkauft werden. Sie füttern die Mädchen zuerst mit Hormon­präparaten, damit sie rasch älter aussehen, als sie sind. Danach werden die oft minderjährigen Frauen während Jahren zur Pro­stitution gezwungen. «Die Mädchen und jungen Frauen leben in kleinen Räumen mit einer Pritsche und müssen bis zu 30 Freier pro Tag aushalten», berichtet Brigitte Daxelhoffer.

Ohne Verhütungsmittel kommt es oft zu unerwünschten Schwangerschaften. Die Kinder leben danach in den Buden der jungen Mütter. Kommen Freier, müssen sie sich unter die Pritsche legen und erleben das Geschehen mit. Nicht selten komme es vor, dass die Männer auch die Mädchen der jungen Frauen bereits im Kleinkindesalter schändeten. Diese für unsere Gesellschaft kaum nachvollziehbaren Tatsachen zu vernehmen, mache mehr als betroffen.

Schlimm sei auch, so Daxelhoffer weiter, zu wissen, dass die Mädchen nie wieder nach Hause gehen könnten. In Nepal werden Prostituierte grundsätzlich geächtet und von der Familie und den Dorfbewohnern aus deren Leben ausgeschlossen. Verkauft, geschändet, vergessen: «Ich habe junge Frauen kennengelernt, die nach den brutalen Erlebnissen nicht mehr sprechen können», so die Läuferin für ein besseres Leben an­derer.

Lebenswunsch erfüllt

Trotz diesem kaum erträglichen Wissen um Teile der Gesellschaft und deren verruchte Machenschaften liebt Brigitte Daxelhoffer das Land zwischen Indien und China. Während ihren Trekkingtouren im Himalaja hat sie an­dere Nepalesen kennengelernt.

Hilfsbereite und gastfreundliche Menschen, wie ihren damaligen Guide, Sherpa Ash Gurung: «Er und seine Familie haben das Wenige, das sie selber hatten, mit mir geteilt.» Das traurige Schicksal dieser Familie war es denn auch, das zur Gründung von Run for Hope führte. Bei der grossen Lawine am Mount Everest im Jahr 2014 ist Ash Gurung gemeinsam mit zehn anderen Sherpas ums Leben gekommen.

Die Spenden für Daxelhoffers erste Läufe 2014/2015 reichten aus, um für Gurungs Kinder Aslima und Abin eine gute Schulbildung sicherzustellen. Damit wurde auch der grösste Wunsch des verstorbenen Vaters nach einem besseren Leben für die Kinder erfüllt.

Von Montreux nach Vaduz

Gemeinsam mit ihrer Schwester Susanne Daxelhoffer und Werner Müller, beide von der Marketingagentur y, sowie ihrer Begleiterin und Coachin Karin Hubl will die begeisterte Läuferin weiter helfen.

Sie weiss von persönlichen Besuchen, dass die Lebenssituation für die Menschen in Nepal nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2015 noch schlimmer geworden ist: «Die Welt hat Nepal offenbar vergessen», so Brigitte Daxelhoffer.

Um weitere Hilfe geben und bereits bestehende Projekte unterstützen zu können, plant sie mit ihrem Team im kommenden Jahr eine spezielle Aktion. Daxelhoffer will am harten, 420 Kilometer langen Mountain Spine Race quer durch England teilnehmen. Diese Strecke wird an einem Stück gelaufen, die Teilnehmenden müssen die Verpflegung für die ganze Laufzeit selber mit sich führen und die Pausen selber einteilen.

Um gestärkt und bereit zu sein, muss sie jedoch zusätzlich trainieren. Dieses Zusatztraining wird die Läuferin 380 Kilometer und 24'000 Höhenmeter über die Via Alpina von Montreux nach Vaduz führen. Mit dem Lauf durch die Schweiz, mit Marschhalten in Schulen und Gemeinden will das Team von Run for Hope die Schweizer Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass jeder und jede mit ihren Fähigkeiten etwas bewegen kann.

Thuner Tagblatt

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