Matten

Sie fliegt mit Krebskranken

MattenSpätestens seit Judith Theurillat Mutter aus Matten geworden ist, sagt ihr das Wettkampffliegen nichts mehr. Umso mehr will sie krebskranke Kinder und Jugendliche beim Gleitschirmfliegen glücklich machen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mittwochmorgen um zehn in Stechelberg, zuhinterst im Lauterbrunnental. Wie jeden Mittwoch begrüsst Judith Theurillat-Zweifel auf dem Parkplatz der Schilthornbahn zwei Jugendliche, die von der Kinderkrebshilfe Schweiz zu einem Gleitschirmflug eingeladen worden sind. Eine von ihnen ist Simone Sieber. Die 21-jährige Solothurnerin litt schon im Alter von zehn Jahren an einem Hirntumor – vor zwei Jahren wurde sie von ihrer Krankheit erneut eingeholt: «Ich konnte kaum schlafen», sagt Simone vor dem Flug, «aber nicht aus Angst, sondern vor Freude und Aufregung.»

Auch die 16-jährige Leandra aus Oftringen darf mitfliegen: Sie trug als Schwester eines 13-jährigen Krebspatienten in den letzten Jahren auch grosse psychische Lasten und hebt anstelle ihres Bruders Nathan ab. Nathan selber will noch nicht so recht, nimmt sich aber vor, dies bald noch nachzuholen. Natürlich sind auch die Eltern in Stechelberg mit dabei, um ihren Kindern bei ihrem kühnen Ritt über die 700 Meter hohe Mürrenfluh zuzuschauen.

Mithilfe von Jeff

«In meinem Leben lief immer alles derart glatt, dass ich jenen Menschen, die es weniger einfach haben, etwas zurückgeben will»: Judith Theurillat-Zweifel, eine der besten Akrobatik-Gleitschirmpilotinnen der Welt, ist vor drei Jahren vom Spitzensport zurückgetreten. Als Mutter einer 2-jährigen Tochter arbeitet sie heute als Fluglehrerin und Tandempilotin. Die 36-jährige dreifache Weltcupsiegerin, zweimalige Schweizer Meisterin und Weltmeisterin engagiert sich aktiv dafür, dass krebskranke Kinder durch das Fluggefühl auf andere Gedanken kommen, neue Kraft und Energie tanken und noch lange von diesem luftigen Abenteuer zehren können.

Mit dabei ist auch immer Jeffrey «Jeff» Kneubühler. Der 41-jährige Halbaustralier, der wie Judith ebenfalls in Matten bei Interlaken wohnt, wurde Anfang dieses Jahres mit der Diagnose Zungenkrebs konfrontiert. Der Berufsgleitschirmpilot und Bergsteiger konnte frühzeitig operiert und der Tumor vollständig entfernt werden. Dennoch kennt Jeff die emotionalen Tiefs und Ängste, welche die Diagnose Krebs und die darauf folgenden Prozesse auslösen können, aus eigener Erfahrung. Jetzt will er Kindern und Jugendlichen, die mit der Krankheit konfrontiert sind, etwas von der Freiheit beim Fliegen weitervermitteln – «aus Dankbarkeit über meine Gesundheit ist es mir wirklich ein Herz-Anliegen, dieses Projekt zu unterstützen».

Dank der Schilthornbahn

Die wöchentliche Fliegerei mit den Krebskranken machen Judith Theurillat und Jeff Kneubühler selbstverständlich kostenlos. Sie werden bei ihren Aktivitäten unterstützt von der Schilthornbahn, die den Betroffenen und ihren Familien nicht nur das Bahnticket zum Startplatz sponsert, sondern sogar noch weiter bis zum 2970 Meter hohen Gipfel des Schilthorns.

www.chickenstyle.ch. (Berner Oberländer)

Erstellt: 07.08.2013, 08:45 Uhr

Artikel zum Thema

Wie Kinder einen Tag lang den Krebs vergessen

Bern Wenn das eigene Kind an Krebs erkrankt, hebt das die Welt der ganzen Familie aus den Angeln. Der Austausch unter betroffenen Eltern kann vieles erleichtern – und an einem Sommerfest darf der Krebs ruhig einmal vergessen werden. Mehr...

Kinderkrebshilfe

250 Kinder erkranken jedes Jahr in der Schweiz an Krebs. Die Kinderkrebshilfe Schweiz setzt sich als eigenständiger Verein von betroffenen Eltern seit über 25 Jahren für die Anliegen von krebskranken Kindern ein. Der Verein begleitet die Betroffenen auf ihrem Krankheitsweg und unterstützt ihre Familien beratend, finanziell und mit vielen Aktivitäten. Die Kinderkrebshilfe Schweiz mit Geschäftssitz in Olten gilt als Selbsthilfeorganisation und ist mit regionalen Elterngruppen in den Kinderspitälern Aarau, Basel, Bern und St.Gallen aktiv. Diese Elterngruppen koordinieren unter sich Aktivitäten, Projekte, Ferien und Hilfe untereinander. Die Kinderkrebshilfe arbeitet eng zusammen mit verschiedenen nationalen und internationalen Organisationen und ist Mitglied der «International Childhood Cancer Parent Organisation» mit Sitz in Holland.
Die Kinderkrebshilfe Schweiz ist nicht zu verwechseln mit der Krebsliga, welche hauptsächlich Erwachsene unterstützt.

Infos: www.kinderkrebshilfe.ch
Spenden: Kinderkrebshilfe Schweiz, Elterngruppe Bern, IBAN CH2708704016053817003.

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

In der Katastrophenlücke

Gartenblog Bastelanleitung für einen Blumenbogen

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Waagrechtstart: An den Festlichkeiten des St. Juliantag in Malta, springt ein Wettkämpfer von einem rutschigen Pfahl und schnappt sich die Fahne über dem Wasser. (20.August 2017)
(Bild: Darrin Zammit Lupi ) Mehr...