Sexuelle Handlungen mit Kind – Geldstrafe für Täter

Ein Mädchen wehrte sich gegen sexuelle Übergriffe. Gestern wurde der Täter vom Regionalgericht Oberland zu einer Geldstrafe verurteilt, und das Opfer erhält eine Genugtuung.

Eine 13-Jährige wurde von einem 50-jährigen Bekannten sexuell belästigt.

Eine 13-Jährige wurde von einem 50-jährigen Bekannten sexuell belästigt. Bild: Fotolia

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Im Mai 2015 hatte sich der knapp 50-jährige Mann aus der Region Thun nicht im Griff und versuchte, sich einem 13-jährigen Mädchen aus seinem Bekanntenkreis in eindeutig sexueller Absicht zu nähern. In Absprache mit den Eltern des Mädchens sollte er dieses zu einem Schulanlass fahren, weil es sonst zu spät gekommen wäre.

Unterwegs im Auto berührte er das Mädchen zuerst über den Kleidern an den Oberschenkeln und später schob er seine Hand in Richtung ihrer Vagina. Er berührte sie dort jedoch nicht, weil das Mädchen so weit es ging von ihm wegrutschte und er die Hand wieder ans Steuer legen musste. Als sie am Ziel der Fahrt angekommen waren, zog er Hose und Unterhose nach unten und entblösste sein Glied.

Er forderte das Mädchen auf, das Glied anzuschauen und zu berühren. Es weigerte sich und verlangte, dass er sich wieder anziehe. Was er sofort machte. Als das Mädchen aussteigen wollte, hielt er es fest, um ihm einen Zungenkuss zu geben. «Ich spürte seine Zunge, presste die Lippen aber fest zusammen, damit er nicht in meinen Mund eindringen konnte», sagte das Mädchen bei der Videobefragung durch eine Polizistin.

Unter den Teppich gekehrt

Wieder zu Hause erzählte das Mädchen den Vorfall seiner Mutter und der Tante. Diese gingen daraufhin zum Bekannten und stellten ihn zur Rede. Er hielt sich von da an vom Mädchen fern, und aus Sicht der Erwachsenen war die Sache damit erledigt.

Für das Mädchen war aber nichts mehr wie früher, und es fühlte sich von der Familie im Stich gelassen. Schliesslich schrieb es seine Geschichte auf und übergab den Brief seiner Lehrerin. Diese spürte, dass das Mädchen Hilfe suchte, und bot ihm diese an. So kam es zur Anzeige und gestern nun zur Verurteilung des Täters.

Welche Strafe?

Der amtliche Verteidiger erklärte, dass der Beschuldigte geständig sei. Er bestreite jedoch, dass er dem Mädchen einen Zungenkuss geben wollte. «Wenn er sonst in allen Punkten das Gleiche sagt wie das Mädchen, warum sollte er nun hier lügen?», fragte der Anwalt. Er beantragte eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen, diese sei bedingt auszusprechen, der Mann zeige Reue, und es bestehe keine Rückfallgefahr.

Gerichtspräsident Jürg San­tschi sah dies jedoch anders: «Er hat das Mädchen festgehalten, um es zu küssen. Das ist klar eine Nötigung.» Er verurteilte den Mann wegen sexueller Handlungen mit Kindern und sexueller Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 90 Franken.

Die Untersuchungshaft von neun Tagen wird dem Verurteilten angerechnet. Bei diesem Urteil muss der Mann sämtliche Kosten übernehmen. Das Mädchen, das als Zuhörerin am Prozess teilnahm, erhält eine Genugtuung von 2000 Franken. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 26.09.2017, 17:42 Uhr

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