Thun

Schneider-Ammann und die Herkules-Aufgabe

ThunAm ersten Tag des Politforums zum Thema Digitalisierung in Thun standen gemachte Erfahrungen im Alltag im Zentrum. Bundesrat Schneider-Ammann mahnte, die Schweiz dürfe den Anschluss nicht verlieren.

<b>Lobte die Chancen der Digitalisierung:</b> Bundesrat Johann Schneider-Ammann am Politforum in Thun.

Lobte die Chancen der Digitalisierung: Bundesrat Johann Schneider-Ammann am Politforum in Thun. Bild: Patric Spahni

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Was ist möglich in Sachen Digitalisierung, was ist schon umgesetzt, wohin führt der Weg? Solche Fragen wälzen seit Freitag 420 Politikerinnen und Politiker vornehmlich auf Gemeindeebene im KKThun am Politforum.

In den Podien zeigte sich, dass die Gemeinden das Thema unterschiedlich angehen – in Tempo und Tiefe. Einig war man sich, dass die Digitalisierung vieles grundlegend verändern wird. Bundesrat Johann Schneider-Ammann mahnte, die Schweiz müsse vorwärtsmachen, wenn sie den Anschluss international nicht verlieren wolle. Nach seinem Referat stellte er sich den Fragen dieser Zeitung:

Herr Bundesrat, Sie haben berichtet, wie Sie mit 50 ETH-Studierenden 600 Ihrer Mitarbeitenden in einem gemeinsamen Workshop ins Programmieren eingeführt haben. Möchten Sie das am liebsten mit der ganzen Bevölkerung machen?
Johann Schneider-Ammann: Der Erfolg dieses Nachmittags hat mich in der Tat inspiriert. Ich habe gesehen, wie viel man lernen kann in dieser kurzen Zeit. Das sollten wir vermehrt machen, nicht nur in meinem Departement.

Wo ist die grössere Herausforderung – bei den Jungen, die fit gemacht werden müssen für die digitale Zukunft, oder bei jenen Generationen, die umgeschult werden müssen?
Eindeutig bei jenen, die umgeschult werden müssen. Die Jungen wachsen mit diesen Geräten auf. Meine kleinen Enkelkinder spielen mit Smartphones.

Ist das schon digitaleKompetenz?
Das ist digitale Sensibilität. Für diese Generation ist der Umgang mit digitalen Technologien selbstverständlich und natürlich, die werden nie ein Problem im Umgang damit haben. Aber jene Menschen, die heute 30, 40 oder älter sind, haben unter Umständen in ihrer Ausbildung nicht das mit auf den Weg bekommen, was morgen und übermorgen verlangt wird. Wir müssen diese Generationen nachbilden, mitnehmen, ihnen ihre Ängste nehmen und ihnen aufzeigen, dass sie davon profitieren, wenn sie dazulernen.

Zwei Generationen flächendeckend umzuschulen, ist eine unlösbare Herkulesaufgabe.
Ich bin mit Ihnen einig, dass es keine einfache Aufgabe ist. Aber ich bin zuversichtlich. Es braucht diesen Spirit. Und dann bewegt sich auch jeder Einzelne. Davon bin ich überzeugt.

Spüren Sie diese Dynamik schon?
Wenn ich mich noch einmal an die 600 Leute im Departement erinnere: Da waren alle Alters- und viele Berufsgruppen vertreten. Ich dachte zu Beginn, das sei nicht jedermanns Sache, einen Nachmittag mit Programmieren zu verbringen. Aber am Ende mussten wir den Anlass unter Zeitdruck beenden – die meisten hätten am liebsten noch lange weitergemacht. Ich staunte, wie interessiert die Leute da mitgemacht haben.

Wann kommt die Vorlage, vor Englisch oder Französisch das Programmieren zu lernen?
Das muss nebeneinander Platz haben.

Was machen Sie mit all jenen, die keine Affinität zu naturwissenschaftlichen Themen haben – zu denen letztlich auch das Lernen und Leben von mathematisch basierten Programmiersprachen gehört?
Wir können nicht erwarten, dass sich alle in diese Richtung bewegen. Ich bin zufrieden, wenn sich genügend viele von diesem Bazillus anstecken lassen. Dabei denke ich vor allem an die Frauen: Wir haben ein Bedürfnis, Frauen in digitalisierte Jobs zu bringen. Sie müssen die Chance kriegen, ganz jung mit diesen Technologien in Kontakt zu kommen.

Neben Know-how brauchts für die Digitalisierung auch Infrastruktur, namentlich schnelles Internet. Eisenbahn, Strom und Telekommunikation wurden staatlich flächendeckend aufgebaut. Muss der Staat auch den Ausbau des schnellen Internets selber an die Hand nehmen, damit alle profitieren können?
Der Ständerat fällte diese Woche einen Entscheid, der den Ausbau von 5G vermutlich verzögern wird. Ich wage zu bezweifeln, ob dieser Entscheid adäquat ist. Die Diskussion wird weitergehen und wird dann womöglich gereifter sein im Sinne des digitalen Fortschrittes. Was die Rolle des Staates betrifft: Er kann bis zu einem gewissen Grad Voraussetzungen schaffen – aber es braucht auch die Privaten. Staat und Private müssen sich Chancen und Kosten teilen. Wir sind mit unserem Bildungssystem sehr gut unterwegs, weil die Firmen freiwillig mitmachen und den Beitrag, den sie leisten, als Investition in die Zukunft verstehen. Mit der genau gleichen Philosophie müssen wir die Digitalisierung vorantreiben. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 09.03.2018, 21:49 Uhr

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