Schattenhalb 3 als jüngstes Wasserkraftwerk am Netz

Oberhasli

Das jüngste und leistungsstärkste Wasserkraftwerk der EWR Energie AG ist am Dienstag von der Berner Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer per Knopfdruck in Betrieb genommen worden.

Mit einem Knopfdruck setzen Peter Werren (l.), Regierungsrätin Barbara Egger Jenzer und Kurt Schild das Wasserkraftwerk in Betrieb.

Mit einem Knopfdruck setzen Peter Werren (l.), Regierungsrätin Barbara Egger Jenzer und Kurt Schild das Wasserkraftwerk in Betrieb.

(Bild: Markus Hubacher)

Seit über 100 Jahren nutzen die Elektrowerke am Fuss der Reichenbachfälle das Wasser des 48 Quadratkilometer grossen Einzugsgebiet des Gewässers, das dem Tal seinen Namen gab. Mit Schattenhalb 3 gelingt es, das in der Region vorhandene Energiepotenzial optimal zu nutzen – die neue Anlage erzeugt rund 49 Millionen Kilowattstunden – 49 GWh – also 15 GWh mehr als bisher, und vermag den Strombedarf von 14'000 Haushaltungen zu decken. Den Strom liefert ein Generator mit einer Leistung von 9,7 Megawatt; er wird von einer vertikalachsigen, sechsdüsigen Peltonturbine angetrieben, die bei 750 Umdrehungen pro Minuten 2,8 Kubikmeter Wasser schluckt. Reichenbachwasser eben, das ihr vom Staubecken Zwirgi aus über eine Fallhöhe von 400 Metern und eine rund 1000 Meter lange Druckleitung zuströmt.

Lob und Dank

In den kurzen Ansprachen der Einweihungsfeier, die EWR-Präsident Kurt Schild eröffnete, wurde das realisierte Projekt von allen Referenten als lobenswertes Beispiel für mögliche Verbesserungen in der Energieversorgung angeführt. Regierungsrätin Egger sprach gar von einer «Win-win-win»-Situation: «Gewonnen haben die Konsumenten, die Umwelt und Gesellschaft». Andreas Stettler, Leiter Wasserkraft bei der EWR-Muttergesellschaft BKW, machte darauf aufmerksam, dass die schweizerische Energiegesetzgebung vorsieht, innerhalb der nächsten 20 Jahre die Stromproduktion aus Wasserkraft um 2000 GWh zu erhöhen. Für die BKW heisse dies, ihren Wasserkraftanteil im 300 GWH zu steigern.»Das vor Jahresfrist eingeweihte neue Kraftwerk Kandersteg und die optimierte Anlage Schattenhalb tragen dazu 26 Gigawattstunden bei.

Tag der offenen Tür

Peter Werren, EWR-Leiter Technik, wies auf einige der interessantesten Punkte der Entstehungsgeschichte von Schattenhalb 3 hin. Im März 2006 erteilte der bernische Grosse Rat der EWR Energie AG – seit 2000 ein Unternehmen der BKW-Gruppe – für Schattenhalb 3 die Konzession auf 80 Jahre, zwei Jahre später lag die Baubewilligung vor, worauf Mitte Juni 2008 der erste Spatenstich getan wurde und nochmals zwei Monate später gab auf den Badmatten ein erster Schuss das Zeichen für die Arbeiten am 713 Meter langen Druckleitungsstollen. Er wurde im konventionellen Verfahren – d.h. bohren, laden, sprengen, schuttern – von unten nach oben vorgetrieben. Beim 280 Meter langen Druckleitungsschacht mit einer Neigung von 140 Prozent wurde mit dem sogenannten Raise Boring zuerst von oben nach unten gearbeitet: Ein Bohrkopf mit einem Durchmesser von gut 3 Metern wurde an ans 280 Meter lange Bohrgestänge montiert, das zuvor vom Zwirgi aus eine Zielbohrung mit einem Kaliber von 35 Zentimetern zur Schachtfuss-Kaverne hinabgetrieben hatte. Im 24-Stunden-Betrieb zogen Spezialisten und Maschine den Bohrkopf zum Zwirgi hoch, dort hievten sie ihn im Juli letzten Jahres ans Tageslicht.

Am Tag der offenen Tür vom kommenden Samstag, 20.November (von 10 bis 15 Uhr), kann das Innenleben aus Stollen und Druckleitungen nicht besichtigt werden, wohl aber die neue Zentrale mit dem mächtigen Generator.

Berner Oberländer

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