Sammelklage gegen neue Antenne

Grindelwald

Sunrise plant auf der Talstation der Gondelbahn Grindelwald-First in Grindelwald eine Antenne. Die Anwohner wehren sich mit einer Sammeleinsprache.

Die Talstation der Firstbahn in Grindelwald. Auf dem Dach oben rechts ist ein Profil der geplanten Mobilfunkantenne zu sehen.

Die Talstation der Firstbahn in Grindelwald. Auf dem Dach oben rechts ist ein Profil der geplanten Mobilfunkantenne zu sehen.

(Bild: Fritz Lehmann)

Vor dem Pistenspass schnell noch die Mails checken, den Wetter- und Lawinenbericht konsultieren, eine Kurznachricht verschicken oder ein «Selfie», ein Selbsporträt, auf Facebook hochladen: Der Schneesportler von heute ist vernetzt, das Smartphone ist so selbstverständlich mit dabei wie die Handschuhe. Doch die Vernetzung gibt es nicht umsonst; der Preis dafür sind mehr Mobilfunkantennen. Eine neue Antenne ist auf dem Dach der Firstbahn-Talstation geplant.

Die Bauprofile stehen

Als einen Dienst am Kunden beschreiben die Jungfraubahnen ihre Absicht, auf der Talstation der Gondelbahn Grindelwald-First eine Mobilfunkantenne der Firma Sunrise zu errichten.

«Solche Antennen müssen in einem Siedlungsgebiet erstellt werden», sagt der CEO der Jungfraubahnen, Urs Kessler. «Wir erachteten den Standort auf der Talstation Firstbahn als Dienstleistung für Grindelwald und bedeutend besser geeignet als auf einem Privathaus.»

Die Bauprofile sind von der Hauptstrasse zu sehen, Sunrise beschreibt ihr Vorhaben auf schriftliche Anfrage so: «Aktuell versorgt Sunrise das Siedlungsgebiet von der Mobilfunkanlage bei der Pfingsteggbahn aus. Mit der Zunahme des mobilen Datenverkehrs reicht dies nicht mehr aus.» Mit der neu geplanten Mobilfunkanlage soll sowohl die Netzabdeckung als auch die Kapazität im Siedlungsgebiet von Grindelwald optimiert und den heutigen Ansprüchen angepasst werden, heisst es weiter.

Drei Antennen geplant

Mehr Details zu der geplanten Anlage entnimmt man dem Einspracheschreiben, das acht Anwohner durch eine Berner Advokatur aufsetzen liessen. Demnach sollen insgesamt drei Mobilfunkantennen für GSM und UMTS sowie zwei Richtfunkantennen erstellt werden. Die Anlage mit einem Durchmesser von rund 1,4 Meter würde den Dachfirst um 6 Meter überragen, wie aus der Einsprache hervorgeht.   Weiter wird ausgeführt, dass der Standort «faktisch im Wohngebiet eingebettet liegt und von zahlreichen Wohnhäusern, Hotels und Apartmenthäuser umgeben ist».

Initiiert wurde die Sammeleinsprache durch den ehemaligen Gemeindepräsidenten Dres Studer, der unweit der Firstbahn ein Architekturbüro betreibt. «Wer kommt nur auf so eine Idee, mitten im Wohngebiet eine Natelantenne zu realisieren, das erzeugt doch sofort Widerstand.»

Mit der Sammeleinsprache werden verschiedene Punkte gerügt, etwa fehlende Zonenkonformität. «Eine unmittelbare Beziehung zwischen dem Betrieb der Talstation und dem Betrieb einer leistungsstarken Mobilfunk- und Richtfunkantennenanlagen besteht nicht.» Auch die Höhe des Antennenmasts wird gerügt. Als heikel betrachtet man auch den baulichen Eingriff in die weitgehend einheitliche Architektur im Chalets-Stil im Dorfteil Gydisdorf.

Und natürlich gibt es auch Einwände betreffend Elektrosmog: «Die gesundheitsschädigenden Wirkungen der nichtionisiernder Strahlung wird zwar bestritten, ist jedoch durch zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigt.» In breiten Medizinerkreisen sei der Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Krebsrisiko evident. Damit nicht genug: Bemängelt werden die Baupublikation und die Profilierung der geplanten Anlagen. «So fehlt insbesondere der Hinweis, dass nicht nur Mobilfunk- sondern zudem zwei Richtfunkantennen erstellt werden.»

Planungszone publiziert

Gemeindepräsident Emanuel Schläppi hat Kenntnis von der Sammeleinsprache: «Wir teilen die Sorgen der Anwohner bezüglich einer neuen Antenne», sagt er auf Anfrage. Die Gemeinde hat deshalb eine Planungszone (ein zweijähriges Bewilligungs-moratorium) für den Bau von Antenne erlassen, die jüngst publiziert wurde. Einerseits zur Sicherstellung einer koordinierten und gesetzeskonformen Standortplanung für Antennen jeder Art und andererseits zur Prüfung eines allfälligen Antennenverbots für bestimmte Teile des Gemeindegebietes. Die Unterlagen können noch bis am 14 April 2014 auf der Verwaltung eingesehen werden, «Wir hoffen, dass Sunrise dialogbereit ist und die ganze Angelegenheit nicht in einem juristischen Hickhack endet.»

Auch die Jungfraubahnen haben mittlerweile reagiert. Nochmals Urs Kessler: «Aufgrund der Reaktionen aus der Umgebung haben wir bei Sunrise interveniert und gebeten einen neuen Standort zu suchen.»

Sunrise hält daran fest

Sunrise-Mediensprecherin Maude Rivière erklärt auf Anfrage, dass insgesamt 18 Einsprachen eingegangen seien: «Das eingereichte Projekt berücksichtigt sämtliche strengen bau-, umwelt- und raumplanungsrechtliche Rahmenbedingungen und ist aus unserer Sicht bewilligungsfähig.» Sunrise nehme die Sorgen und Ängste der Bevölkerung bezüglich möglicher gesundheitlicher Risiken durch elektromagnetische Felder ernst und setze auf eine offene Kommunikation. Einen weiteren Terminplan konnte sie noch nicht nennen: «Wir haben kürzlich unsere Stellungnahme zu den Einsprachen abgegeben. Die Festlegung des weiteren Verfahrens obliegt dem Regierungsstatthalteramt.»

Die Planungszone kann auf der Gemeinde bis am 14. April eingesehen werden. Unterlagen gibt es unter www.gemeinde-grindelwald.ch

Berner Oberländer

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