Rutsch sorgt für Millionenschaden

60 Hektaren Schutzwald sind oberhalb von Wattenwil und Blumenstein in Bewegung. Ursache dafür sind starke Regenfälle seit Dezember. Das aktuelle Ausmass ist laut Krisenstableiter Kurt Ruchti «viel grösser» als in früheren Fällen.

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«Das Ausmass der Rutschungen ist viel grösser, als es bei früheren ähnlichen Ereignissen war», sagt Kurt Ruchti, Präsident des Wasserbauverbandes und Leiter des Krisenstabs, der von den Gemeinden Wattenwil und Blumenstein eingesetzt wurde. «So hätten wir das nicht erwartet.» Nach intensiven Regenfällen von vergangenem Dezember bis Mitte Februar – gemessen wurden etwa bei der unteren Gantrischhütte über 500 Millimeter Niederschlag – kam es im Gebiet Meierisli ob Wattenwil zu Rutschungen am Oberlauf der Gürbe. Dabei sind grosse Schäden an den Gewässerverbauungen verursacht worden. Jene wurden gebaut, um der Erosion durch die Gürbe entgegenzuwirken. Gegen Rutschungen haben sie jedoch eine geringe Wirkung.

«Altbekanntes Rutschgebiet»

Das Meierisli sei ein «altbekanntes Rutschgebiet», schreibt Geologe Ueli Gruner in einer Mitteilung auf der Website der Gemeinde Wattenwil. «Allerdings lag die Rutschfront bisher immer in gebührlichem Abstand zum Gürbegerinne.» Die Abrutschungen hätten jeweils durch bauliche Massnahmen beruhigt werden können. Aktuell sieht die Situation anders aus: «Bäume und Gelände wurden bis ans Gerinne der Gürbe verschoben und haben dort die Gewässerverbauungen beschädigt», sagt Ruchti.

Bauliche Massnahmen zu treffen, sei aktuell gar nicht möglich, da das Gebiet nicht zugänglich sei. Man habe es zudem mit einem tiefgründigeren Abrutschen zu tun als in früheren Fällen. In diesen Tagen ist die Lage im Gebiet laut Ruchti etwas stabiler, dies aufgrund der herrschenden Kälte.

60 Hektaren verschieben sich

Ganze 60 Hektaren Schutzwald sind oberhalb von Wattenwil entlang des Hauptgerinnes und der Seitenbäche der Gürbe in Bewegung. «Das Gelände, die Bäume und Wege wurden um teilweise bis zu 15 Meter verschoben», schreiben die Gemeinden und das Thuner Regierungsstatthalteramt in einer gemeinsamen Medienmitteilung.

Die gesamte sich in Bewegung befindende Rutschmasse habe ein Volumen von beinahe fünf Millionen Kubikmetern. Die Gewässerverbauungen wurden auf einer Länge von rund 800 Metern beschädigt. Der Schaden an den Verbauungen werde auf 9 bis 12 Millionen Franken geschätzt, heisst es weiter.

Dörfer nicht gefährdet

«Genauere Untersuchungen und Massnahmen sind erst nach der Schneeschmelze, voraussichtlich Ende Mai, möglich», sagt Kurt Ruchti. Es sei jedoch nicht auszuschliessen, dass es durch den Abrutsch von Bäumen und Gelände zu einer Einstauung im Bach und später gar zu einem Murgang kommen könnte.

«Momentan müssen wir abwarten», erklärt Ruchti. Das Gebiet wird überwacht. Es sei schwer abschätzbar, wie sich die Lage weiter entwickeln werde. Deshalb raten die Behörden, das betroffene Gebiet zu meiden, da es weiterhin rutsche und jederzeit Bäume umstürzen können. «Es wird dringend davon abgeraten, sich ins betroffene Gebiet zu begeben. Die Wanderwege sind bis auf weiteres gesperrt. Weiter wird empfohlen, das Bachbett der Gürbe und das Naherholungs­gebiet ‹Ausschütte› zu meiden», heisst es weiter in der Medienmitteilung. Die Dörfer Wattenwil und Blumenstein seien nicht gefährdet, da «die bestehenden Schutzbauten unterhalb der Rutschungen die zu erwartenden ­Geschiebemengen aufnehmen können». (Berner Oberländer)

Erstellt: 02.03.2018, 09:44 Uhr

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