Thun

Rettet die Mitte den Sitz von Hädener?

ThunWelches sind die Ziele der Thuner Parteien? Heute wollen wir dies von den Mitteparteien EVP, GLP, EDU, CVP und BDP wissen. Sie eint der Kampf für den Gemeinderatssitz von Konrad Hädener. Abgesehen davon sind die Ambitionen unterschiedlich.

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Sie bilden in Thun seit Jahren ein Gespann, die vier Parteien EVP, GLP, EDU und CVP. Als Fraktion der Mitte (FdM) sind sie im Stadtrat mit sieben Sitzen präsent; sie haben vor vier Jahren Konrad Hädener in den Gemeinderat gehievt – und nun kämpfen sie gemeinsam dafür, den Sitz des CVP-Bauvorstehers zu halten. Dieses Ziel bestätigen alle Präsidentinnen und Präsidenten – inklusive Ursula Haller von der BDP.

Diese ist dafür eine parteiintern heftig umstrittene Listenverbindung mit der Fraktion der Mitte eingegangen. Im Gemeinderatswahlkampf machen die fünf Mitteparteien also gemeinsame Sache. Für die Stadtratswahlen besteht zwar ebenfalls eine Listenverbindung, doch hier wird der Wahlkampf individuell geführt.

EVP: Gutes Resultat bestätigen

Die EVP verfügt im Stadtrat über zwei Sitze. «Wir versuchen seit längerem, einen dritten Sitz zu gewinnen, und streben dies auch bei den Wahlen 2018 wieder an», sagt Susanne Gygax, Präsidentin der Thuner Sektion der EVP. Zuversichtlich stimmt sie, dass die Partei viele Junge und Frauen auf den Listen portiert, womit auch diese Bevölkerungsgruppen explizit angesprochen werden sollen.

Beim Wähleranteil erhofft sich Gygax ähnlich gute Werte wie bei den Grossratswahlen im Frühling, als die Partei mit drei verschiedenen Listen auf total 9 Prozent kam. «Dieses Resultat gilt es zu bestätigen», sagt die Präsidentin. «Wir haben treue Wähler, daher sind wir optimistisch.»

Im anstehenden Wahlkampf lege die EVP den Fokus ganz stark auf die Mitte. Konkret bedeutet dies laut Gygax, «dass wir unsere Konsensfähigkeit unter Beweis stellen wollen». In der nächsten Legislatur will die Partei unter anderem für stabile Finanzen in der Stadtkasse sorgen. Weitere wichtige Themen seien das Stadtentwicklungskonzept 2035, die Zukunft der Siedlung Freistatt oder der Schadaugärtnerei und die Förderung des Breitensports. Im Zusammenhang mit dem Sport nennt Gygax ein grosses Anliegen der EVP: «Drogen und Ausschreitungen im Sport haben bei uns keinen Platz. Dafür wollen wir uns einsetzen.»

GLP: Aus zwei mach drei?

Die Grünliberale Partei (GLP) holte 2014 einen zweiten Sitz im Stadtrat. «Wir hoffen, nun auf drei Sitze zu kommen», zeigt GLP-Co-Präsident Thomas Rosenberg das Ziel seiner Partei auf. Realistisch gesehen sei dies das Maximum. «Wir wären natürlich lieber eine eigene Fraktion», führt Rosenberg aus. So führe die Partei auch einen eigenen Wahlkampf. Rosenberg betont aber, dass die Fraktion sehr gut zusammenarbeite – «das schätzen wir».

Als wichtige Wahlkampfthemen nennt der GLP-Co-Präsident etwa den Klimaschutz im Zusammenhang mit der Ortsplanungsrevision: «Die Umstellung auf erneuerbare Energien hat hohe Priorität.» So solle die Stadt die Kompetenzen für Gemeinden nutzen und strengere Vorschriften erlassen. Beim Verkehr sei die GLP «für Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer, aber nicht der Verkehrsmittel»: Ein Auto mit nur einer Person könne mit einem Bus oder Velo nicht gleichgestellt werden. Um das Zentrum zu entlasten, will die GLP Verbesserungen beim ÖV, für Velos und Fussgänger erreichen. «Wichtig sind uns zudem gesunde Finanzen und ein lebendiges Thun – mit einem attraktiven Nachtleben, Kultur und Gastronomie.»

EDU: Status quo halten

«Für uns wird sicher das Ziel sein, unsere zwei Stadtratssitze halten zu können», sagt Manfred Locher, Präsidentder EDU. «Alles andere wäre nicht sehr realistisch.» Dies, zumal man 2014 ein Restmandat habe nutzen können. Er sei zuversichtlich, dass die EDU das Ziel erreiche – «obschon es die Listenverbindung mit der BDP für uns nicht einfacher macht». Weil die BDP grösser sei, gingen mögliche Restmandate an sie. «Aber wir sind diesen Deal eingegangen, denn die BDP hilft uns bei der Gemeinderatswahl. Wir möchten, dass Konrad Hädener im Amt bleibt. Dafür haben wir parteimässige Nachteile in Kauf genommen.» Zudem wolle man für den Stadtrat möglichst viele Stimmen in der Mitte binden.

Und wie sieht es mit den Wahlkampfthemen der EDU aus? «Wir haben uns nicht einfach ein Thema auf die Fahne geschrieben», antwortet Manfred Locher – und fügt schmunzelnd an: «In dem Sinn sind wir schlechte Wahlkampfstrategen.» Die EDU hat aber sehr wohl Anliegen. Als Motto nennt Locher: «Thun mit seiner Lebensqualität zum Wohnen und Arbeiten erhalten.» Im Speziellen setze sich die EDU für die Bildung ein – und für alles, was die Beziehungen zwischen Menschen fördere. Seien das nun Vereine, Pfadfinder, Jungscharen, Kadetten oder Tagesschulen mit modularen Angeboten. «Wir sind weniger auf Objekte aus und brauchen keine teuren Leuchtturmprojekte», stellt Locher klar.

CVP: Wähleranteil steigern

Von allen im Stadtrat vertretenen Parteien ist die CVP die kleinste. «Unser Ziel ist es, den Wähleranteil zu steigern und den einen Sitz zu halten», sagt Alois Studerus, Präsident der CVP Thun, der zudem diesen einen Sitz belegt. Immerhin: Die CVP stellt trotz ihrer geringen Grösse mit Konrad ­Hädener den einzigen FdM-Gemeinderat. «Diesen Sitz wollen wir unbedingt sichern», erklärt Studerus.

Mit Blick auf den kumulierten Wähleranteil aller FdM-Parteien bei den Grossratswahlen von 21,6 Prozent ist Studerus eigentlich optimistisch. Durch die Kandidatur von Architekt Matthias Zellweger für Gemeinderat und Stadtpräsidium habe sich die Ausgangslage dennoch verändert. «Es ist damit unwägbarer geworden, wie die Wahl ausgehen wird», findet der CVP-Präsident. Unklar sei insbesondere, aus welchen politischen Lagern der Parteilose den Grossteil seiner Stimmen holen werde.

Bei den Wahlkampfthemen erwähnt Studerus die stetig steigenden Krankenkassenprämien und verweist dabei auf eine Initiative der Mutterpartei, die eine Kostenbremse einführen will. Für Thun selbst wünscht er sich, «dass wir die Sportinfrastrukturprojekte wie eine neue Dreifachhalle oder die Eishalle Grabengut einen entscheidenden Schritt vorwärtsbringen können. Wichtig ist auch ein guter Abschluss der Ortsplanungsrevision.»

BDP: Fraktionsstärke als Ziel

Für die BDP stand das Wahljahr 2018 bisher unter keinem guten Stern. Bei den Grossratswahlen im Frühling erreichte die Partei in Thun einen Wähleranteil von 8,2 Prozent. Zum Vergleich: Ende 2014 resultierte bei den Stadtratswahlen noch ein Wert von 13,2 Prozent. Im Sommer kam es zum grossen Exodus im Stadtparlament. Peter Aegerter wechselte zur SVP, Susanna Ernst und Claude Schlapbach zur FDP. Von der einst fünfköpfigen Fraktion verblieben nur zwei Stadträte – die Fraktionsstärke war weg. Während dieser Zeit anerbot sich die ehemalige BDP-Gemeinderätin und Parteigründungsmitglied Ursula Haller, das Präsidium zu übernehmen. Ende August wurde sie an einer ausserordentlichen Hauptversammlung dann auch gewählt.

«Es ist ganz klar unser Ziel, wieder Fraktionsstärke zu erreichen, also im Stadtrat mindestens zwei Sitze dazuzugewinnen», sagt Parteipräsidentin Ursula Haller auf Anfrage. Was passieren würde, wenn das Ziel verfehlt werde, sei noch nicht besprochen worden. «An ein solches Worst-Case-Szenario wollen wir nicht denken», meint die Parteipräsidentin. Somit bleibt vorerst offen, ob sich die BDP im Fall der Fälle beispielsweise der Fraktion der Mitte anschliessen würde.

«Generationen verbinden»

Im anstehenden Wahlkampf will die BDP vor allem «die Mitte in den Fokus stellen», wie es Ursula Haller nennt. Das Motto laute «mittendrin und geradlinig». Nicht zufällig setze die BDP auf der Stadtratsliste auf eine breite Mischung aus älteren, aber auch jüngeren Kandidaten und Kandidatinnen. «Es ist eines unserer Ziele und auch ein Wahlkampfthema, dass wir das generationenverbindende Zusammenleben in Thun fördern wollen», erklärt Haller.

Für die kommende Legislatur schwebt der Präsidentin vor, dass sich die BDP für schulergänzende und familienexterne Angebote wie Tagesschulen einsetzt, dass sie mithilft, eine nachhaltige Energiepolitik umzusetzen und dass Thun als Sportstadt weiter gefördert wird, etwa mit dem Bau einer neuen Halle für Wacker, aber auch mit Angeboten für den Breitensport. «Wir müssen zudem eine wirtschaftsfreundliche Stadt bleiben mit zukunftsgerichteten Arbeitsplätzen sowie Lehrstellen. Und wir sollten Sorge ­tragen zu den bestehenden Unternehmen.»

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 11.10.2018, 09:24 Uhr

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