Spiez

Regierung will Schule schliessen

SpiezIm Zuge des Sparpakets will die Berner Regierung die Schlossbergschule 2014 schliessen. In Spiez reagiert man verständnislos, und Oberländer Grossräte haben bereits am Montag eine überparteiliche Motion eingereicht.

Wird die Schlossbergschule definitiv geschlossen? Der Regierungsrat hat es so beschlossen, der Widerstand ist allerdings gross.

Wird die Schlossbergschule definitiv geschlossen? Der Regierungsrat hat es so beschlossen, der Widerstand ist allerdings gross. Bild: Markus Hubacher

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Zwar wusste Andreas Blaser, Schulleiter der Schlossbergschule in Spiez, schon vergangene Woche, dass der Besuch des Erziehungsdirektors Bernhard Pulver nicht positiv ausfallen würde. «Er wird sicher keine Blumen bringen», erklärte Blaser am Mittwoch. Bis zur ausserordentlichen Gesamtlehrerkonferenz von gestern Morgen wurde allerdings grosses Stillschweigen bewahrt. Nun ist es aber offiziell: Der Berner Regierungsrat will die Schlossbergschule 2014 schliessen. Dieser Entscheid wurde im Rahmen des Sparpakets, bei welchem 67 Millionen Franken der Erziehungsdirektion betroffen sind, beschlossen. Das ist ein Teil der 277 Millionen Franken, die gespart werden sollen, um den 10-Milliarden-Haushalt zu verbessern.

Motion der Gegner

«Ich bin schockiert», erklärt Andreas Blaser auf Anfrage. Er sei überzeugt, dass der Entscheid der Regierung falsch sei. «Die Schliessung trifft hier eine eigenständige und erfolgreiche Berufsfachschule mit gutem Profil.» Die Schlossbergschule bietet Ausbildungsplätze mit den Schwerpunkten Lehrwerkstätte für Bekleidungsgestalterin (Damenschneiderin) und den Brückenangeboten Berufsvorbereitendes Schuljahr und Vorlehre.

Gemäss Andreas Blaser zähle das Oberland mit diesem Entscheid zur Schliessung einmal mehr zu den Verlieren, und das könne nicht einfach so hingenommen werden: «Bereits gestern wurde eine überparteiliche Motion von Oberländer Grossräten eingereicht.» Mit dem Komitee «pro Schlossbergschule» und verschiedenen Aktionen, die aufzeigen sollen, dass die Bildungsstätte einen wichtigen Beitrag für die Jugendlichen im Berner Oberland leistet, soll eine Schliessung verhindert werden.

Hebel in Bewegung setzen

Auch Bethli Küng-Marmet (SVP/Saanen), Mitglied der grossrätlichen Finanzkommission, ist an der Motion beteiligt. «Es darf nicht sein, dass man uns im Oberland immer wieder ausgrenzt», erklärt sie aufgebracht. Man wolle auf jeden Fall alle Hebel in Bewegung setzen, um den Entscheid rückgängig zu machen. «Die Leute in Bern haben wohl das Gefühl, dass der Weg nach Spiez länger ist, als derjenige von Spiez nach Bern.»

Vollendete Tatsachen

«Diese Brückenangebote mit Schnittstelle zwischen Volksschule und dem beruflichen Leben einfach zu schliessen, finde ich grundsätzlich falsch, insbesondere wenn man weiss, dass gleichzeitig Ausgaben in Millionenhöhe der öffentlichen Hand für Integrationsmassnahmen aufgewendet werden müssen.» Mit diesen Worten reagiert auch Gemeindepräsident Franz Arnold verständnislos. Der Grundsatz der Regierung, ländliche Regionen zu stärken, werde hier einfach mit Füssen getreten.

«Der Zeitpunkt der Kommunikation ist für mich nicht nachvollziehbar, da der Mietvertrag mit dem Kanton sowieso bis 2014 läuft. Bis dahin könnten also ohnehin keine Einsparungen gemacht werden», ergänzt Arnold. Gerade wegen dieses Vertrags sei man seit längerer Zeit schon bemüht, offen mit dem Kanton zu kommunizieren und Lösungen zu finden. «Das gilt umgekehrt wohl nicht, wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.» Ob die Motion erfolgreich sein werde, hänge von der Solidarität gegenüber der Schule ab. «Ich hoffe, dass die Solidarität im Oberland, aber auch im ganzen Kanton vorhanden sein wird. Das Rennen ist nun offen.»

Hannes Zaugg-Graf, Gemeindepräsident Uetendorf und Motionär (SP), findet es ebenfalls schwierig abzuschätzen, ob der Vorstoss ankommen wird. «Ich denke, wir haben aber gute Chancen, gerade weil wir konkret aufzeigen, wie die 2,3 Millionen Franken der Schlossbergschule anderweitig eingespart werden könnten.» Ziel der Motion sei es, den Betrag zwar einzusparen, ohne aber dabei einmal mehr eine Bildungsstätte im ländlichen Bereich komplett zu schliessen und Angebote zu zentralisieren.

Sparen bei Jugendlichen

Nicht nur Schulleitung, Motionäre und der Gemeindepräsident sind sich einig, dass etwas getan werden muss. Auch die SP Thun fordert die Stadt Thun auf, mit der Erziehungsdirektion Kontakt aufzunehmen und sich für das Weiterbestehen der Schlossbergschule einzusetzen. «Sparmassnahmen bei der Bildung und damit auf dem Buckel der Jugendlichen sind inakzeptabel», teilte die SP mit. Die Volkswirtschaft Berner Oberland schrieb ausserdem in einer Mitteilung, dass sie sämtliche politische Bestrebungen mit Ziel der Rettung der Schule unterstützen werde.

«Entscheid ist unseriös»

320 Lernende, 60 Lehrpersonen und 4 Verwaltungsangestellte: Das wären die Zahlen der Betroffenen im Falle einer Schliessung. Dabei würden die Klassen des berufsvorbereitenden Schuljahres und der Vorlehre nach Thun und Interlaken verschoben. Die Lehrwerkstätte für die Ausbildung der Bekleidungsgestalterin soll in Spiez aufgehoben und das Angebot nur noch in der Stadt Bern geführt werden. «Die Betroffenen müssen mit dem Verlust ihrer Ausbildungs- und Arbeitsplätze rechnen, ohne Sicherstellung, dass der notwendige Raum in Thun und Interlaken vorhanden sein wird», erklärt Andreas Blaser. Er finde deshalb das Vorgehen unseriös und konzeptlos. «Erziehungsdirektor Bernhard Pulver scheint wohl seinen Grundsatz ‹Vertrauen fördert Vertrauen› kurzerhand vergessen zu haben.»

Gemeinderätin und Schulvorsteherin Jolanda Brunner hat mit dem gestrigen Besuch vom Erziehungsdirektor nichts Gutes erwartet. «Dass allerdings die Klassen aufgeteilt und die Ausbildungen für Bekleidungsgestalterinnen sogar aufgelöst würden, damit hätte ich nicht gerechnet.» Ausserdem seien die Pläne für die Aufteilung der Klassen relativ vage ausgefallen. «Es sind noch gar keine genauen Abklärungen getroffen worden für die Unterbringung der Klassen, und da stellen sich natürlich schon Fragen.»

Das letzte Wort in dieser Angelegenheit soll anlässlich der Novembersession des Grossen Rates bei der Behandlung des Budgets und Finanzplans gesprochen werden. (Berner Oberländer)

Erstellt: 21.06.2011, 08:13 Uhr

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