Thun

Rama sorgte 2002 für das Sahnehäubchen

Thun«Schwadlicheibe», Schrecksekunden, Schwelgereien: Am Freitag vor genau acht Jahren schaffte der FC Thun letztmals den Aufstieg in die höchste Spielklasse im Schweizer Fussball. Emotionale Erinnerungen an einen Freudentag.

Das Bad in der Menge: Milaim Rama inmitten der Fans nach dem Spiel gegen Winterthur.

Das Bad in der Menge: Milaim Rama inmitten der Fans nach dem Spiel gegen Winterthur. Bild: Patric Spahni

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Fan sein, kann so schön sein. So wie damals, als der FC Thun zu seinem Höhenflug ansetzte, der ihn später bis in die lichten Sphären der Champions League führen sollte. Doch von solchen Szenarien wagten die rot-weiss Gewandeten an jenem Frühingsabend des 7. Mai 2002 nicht zu träumen. Nicht Arsenal hiess der Gegner, sondern Winterthur. Nicht nach den Sternen des Clubfussballs griff der FC Thun, sondern nach dem Aufstieg in die höchste Schweizer Spielklasse, damals noch gut deutsch Nationalliga A genannt. Kein Wunder kitzelte die Ausgangslage die Nerven der 5000 Fans im Lachenstadion – und der Spieler auf dem Rasen.

Cäsar kam sah und siegte einst, die Thuner kamen, sahen – und stolperten vorerst sinngemäss. Marc Schneider, im Jahr 2010 mit YB auf Meisterkurs und schon bald wieder zurück beim FC Thun, leistete sich einen Lapsus und wurde von einem Fan unfein mit «Schwadli-cheib» tituliert. Mario Raimondi, im Jahr 2010 mit YB auf Meisterkurs, traf ebenso nur die Torumrandung wie Milaim Rama, im Jahr 2010 mit Thun mehr oder weniger auf Aufstiegskurs. «Häbet ändlech d’Scheiche häre!», posaunte ein Supporter verzweifelt. Der nächste Angriff, die nächste Schrecksekunde, als das runde Leder wieder nur an den Pfosten rollte.

Thun hatte jedoch an diesem Abend ein spezielles Maskottchen, ein lebensgrosses. Kein Geringerer als der Stadtpräsident persönlich war für die Wende besorgt. Kaum hatte Hansueli von Allmen das Stadion betreten, servierte der FCT frühzeitig das Dessert. Aber bitte mit Sahne? Nein, mit Rama! Dieser spedierte den Ball nämlich in der 37. Minute cool wie eine Eistorte ins Tor der Winterthurer. Süsser die Fangesänge nie klingen... Kein Wunder jubelte der zum Glücksbringer umfunktionierte Stapi: «Jetzt wollen wir in die NLA!» Doch die Winterthurer hatten nicht im Sinn, sich zum blossen Kanonenfutter degradieren zu lassen.

Hatten die Thuner Stürmer und Dränger plötzlich Bammel vor der eigenen Courage? Jedenfalls taten sich die Spieler von Trainer «Pudi» Latour, im Jahr 2010 Kultfigur mit Bundesligavergangenheit, nach der Pause schwer. Und provozierten einen Fan zur Aussage: «Das gseht me ja vom Schiff us, dass es de öppe chlefelet!» Die Wogen gingen hoch, doch das Thuner Boot kenterte nicht. Als der Schiedsrichter die Partie abpfiff, stand es noch immer 1:0. Und der unterlegene Gegner Winterthur sorgte mitten im Frühling für Sommergefühle beim FC Thun, der im Herbst danach erstmals seit 48 Jahren in der höchsten Spielklasse kickte.

Und danach? Da folgte bekanntlich eine wahnwitzige Achterbahnfahrt mit tollkühnen Loopings und halsbrecherischen Steilwandkurven. Himmelhochjauchzend – Meisterrennen gegen den FC Basel, Champions League Fanfaren –, zu Tode betrübt – Sexskandal, Abstieg, Wettskandal. Aber davon wussten die euphorisierten Fans damals, an jenem 7. Mai 2002 nichts (ausser Mike Shiva mit seinen hellseherischen Fähigkeiten hatte sich ins Stadion verirrt, was kaum anzunehmen ist). Sie stürmten nach dem Schlusspfiff auf den Rasen und feierten ihre Helden. Und für Coach «Pudi» gabs Blumen vom Glücksbringer Stapi.

Nun, acht Jahre sind seither vergangen. Doch die Supporter von heute dürfen von ähnlichen Glücksgefühlen träumen. Wieder steht der FC Thun trotz Rückschlag zuletzt gegen Yverdon an der Schwelle zur höchsten Spielklasse, längst neudeutsch Super League. Fan sein, kann so schön sein. Hoffentlich schon am Montag im Spitzenkampf gegen Lugano und am 15. Mai beim eigentlich letzten Saisonspiel. Oder spätestens in der Verlängerung namens Barrage gegen den Zweitletzten der Super League am 21. und 24. Mai. Wer weiss, vielleicht sorgt ja wieder Rama für das Sahnehäubchen... (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 07.05.2010, 10:21 Uhr

Der Jubel des Kult-Trainers: Hanspeter Latour
(Mitte) nach dem Schlusspfiff im Spiel gegen Winterthur. (Bild: Patric Spahni)

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