Polo feiert mit Melanie

Thun

Am Montag feiert Polo Hofer seinen Siebzigsten. Am Sonntag traf der Grossvater des Mundartrocks die Jodelprinzessin Melanie Oesch in der Alten Oele in Thun. Radio SRF 1 lud am Sonntagmorgen um zehn Uhr zur Talkshow «Persönlich».

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Lieber ein vollbesetztes Theater als ein einsames Radiokabuff. Das gefällt Moderator Dani Fohrer: «Da kann man gut erwachen bei diesem Applaus.» Polo Hofer hingegen knurrt: «Mit mir sollte man nicht reden vor zehn Uhr.»

Mit einem Glas Prosecco wird aber eine höchst amüsante Livesendung daraus. Ein 28-jähriger Volksmusikstar und ein altgedienter Mundartrocker in einem Gespräch über 55 Minuten – geht das? Wer sich dies anfangs fragt, wird einen Wimpernschlag später bestens unterhalten. Der grantige Charme von Polo Hofer und das herzerfrischende Wesen von Melanie Oesch ergänzen sich vortrefflich.

«Wie anstrengend ist es, Polo Hofer zu sein?», will Fohrler wissen. Er mault über jene, die auf ihn zukommen: «Kennsch mi no?» Er müsse mit allen reden: «Früher wollten sie Autogramme, heute heissts ‹Hesch Zyt für es Selfie?› – schon sind fünf Minuten meines Lebens vergeudet.»

Wie eine Liebeserklärung

Die vermeintliche Fanschelte tönt aus dem Mund von Hofer wie eine Liebeserklärung. Sie kenne seinen Mundartrock, seit sie Musik wahrnehme, erzählt Melanie Oesch. «Wir covern gar ein Lied von ihm, den Sennenhund!» Hofer erklärt sich geehrt und gesteht, dass ihm die Idee für berndeutsche Texte als 24-Jährigem im Gefängnis gekommen sei, wo er fünf Wochen wegen «Sachentziehung» zu Gast gewesen sei. Weniger dramatisch verliefen die Anfänge der Karriere der Volksmusikkünstlerin. Ihr Vater hat der kleinen Melanie das Jodeln beigebracht. Bescheiden erzählt sie: «Ein Grundtalent und viel Training sind notwendig.»

Sie liebt die Freiheit der Interpretation, was dem Jodelverband nicht gefällt. Polo Hofer kommentiert schlagfertig: «Jodelpolizei!» Schallendes Gelächter im vollbesetzten 150-plätzigen Kleintheater Alte Oele – ebenso, als der 70-Jährige von Jugendsünden erzählt, wie zum Beispiel, als er die stinkende Freilufttoilette nach 14 Tagen Gebrauch durch 80 Pfadfinder abfackeln wollte. Dies entwickelte sich im trockenen Südfrankreich zum Flächenbrand. 180'000 Franken Schaden und den Feuerwehreinsatz habe die Pfadiversicherung gezahlt, erzählt er munter.

Er altgedient, sie fröhlich

Mit Geschichten von einst und jetzt offenbart die Radiotalkshow «Persönlich», welche live in die gleichnamige Cafébar nebenan übertragen wurde, auch Parallelen zwischen dem altgedienten Rock’n’Roller und der fröhlichen Jodlerin. Beide schwärmen vom Oberland als Heimat, obwohl sie sich als «Reisefüdle» bezeichnen. Polo Hofer erinnert an seine Erfolge mit «Kiosk» und «Teddybär» in Deutschland, wo an einem Konzert einst Udo Lindenberg als Vorband aufgetreten sei und ihm danach zugeraunt habe: «Junge, wir sollten den Nord-Süd-Dialog aufrechterhalten.»

Melanie Oesch und Polo Hofer erklärten auch, wie sie und ihr familiäres Umfeld die Geschäfte managen. Sie nicht nur als Leadsängerin von Oeschs, die Dritten, sondern auch als Geschäftsführerin ihrer GmbH. «Es gibt schon mal lange Diskussionen in der Familie», erzählt sie. Ausserdem verstanden sich die beiden Talk-Gäste beim Privatrezept der Sängerin: «Gegen Grippe und Stimmprobleme trinke ich jeden Tag einen Schnaps.»

Von diesem «Honig-Kräuter!» bekommt Polo Hofer jedenfalls nächstens ein Probiererli.

Thuner Tagblatt

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