Philipp Romann seift die Deutschen ein

Thun

Ein Berner macht in Berlin Karriere: Philipp Romann spielt in der Sat.1-Seifenoper «Eine wie keine» die Rolle des eiskalten Fieslings Philip Sachs. Der 35-Jährige aus Thun ist quasi über Nacht zum Fernsehstar geworden.

Philipp Romann in Aktion: In der deutschen Seifenoper «Eine wie keine» spielt er den Fiesling Philip Sachs. Hier an der Seite seiner Schauspielkollegin Ivonne Schönherr.

Philipp Romann in Aktion: In der deutschen Seifenoper «Eine wie keine» spielt er den Fiesling Philip Sachs. Hier an der Seite seiner Schauspielkollegin Ivonne Schönherr.

(Bild: Sat1)

Gestern hat er es wieder gemerkt. In Berlin, in der U-Bahn. Eine junge Frau hat ihn mit dem Handy fotografiert. Einfach so, ohne zu fragen. Das passiere ihm in letzter Zeit ständig, sagt Philipp Romann und muss ein bisschen schmunzeln.

Noch vor einem Jahr wäre das alles unvorstellbar gewesen für ihn; Fanpost, Autogrammwünsche, hier für ein Foto zu posieren und dort einfach abgelichtet zu werden in der U-Bahn, auf der Strasse. Aber jetzt ist Philipp Romann aus Thun ein Fernsehstar. In Deutschland. Der 35-Jährige spielt in der Seifenoper «Eine wie keine» auf Sat 1 und ORF1 eine Hauptrolle. Romann mimt Philip Sachs, den eiskalten älteren Bruder eines geschniegelten Hoteldirektors. Wer ihm in die Quere kommt, wird ausgeschaltet. Ohne Rücksicht auf Verluste. Philip Sachs ist ein Fiesling, ein gemeiner Hund. Und beeindruckt so jeden Tag um 18 Uhr Millionen von Fernsehzuschauern.

Der Anruf aus dem Nichts

Privat sei er natürlich anders als Sachs, sagt Romann im Gespräch mit dieser Zeitung. Zumindest hoffe er das. Und trotzdem gebe es Charakterzüge an seiner Figur, die ihm imponierten. Dass der «Eine wie keine»-Philip nie nachlasse, alles tue, um seine Ziele zu erreichen etwa. «Das Leben ist ein Raubtierkäfig», sagt der fiktive Sachs einmal. Man müsse hart kämpfen, um seine Ziele zu erreichen, findet auch Romann. Da agiere er im richtigen Leben gleich wie seine Figur, nur die Mittel dazu wähle er anders.

Man glaubt es ihm. Romann wirkt im Gespräch bernerisch bodenständig und unkompliziert. Seine Antworten sind elegant formuliert, aber nie geschliffen.

Vor einem guten Jahr noch war Philipp Romann freischaffender Schauspieler, leitete Seminare, spielte am Theater in Lübeck. Der Thuner war weitgehend unbekannt.

Dass er im Herbst 2009 die Rolle bei «Eine wie keine» bekam und so quasi über Nacht zum Star wurde, sei aus heiterem Himmel passiert, sagt Romann. So wie alle wirklich wichtigen Sachen in seinem Leben. Eines Tages sei der Anruf der Produktionsfirma gekommen, einfach so. Ob er Interesse an einem Vorsprechen hätte, hiess es. Es sei eine Rolle in einer neuen Seifenoper frei. Romann fuhr nach Berlin und setzte sich im Casting durch. Am 16.November 2009 war er erstmals als Philip Sachs zu sehen.

Der harte Drehalltag

Seither hat sich Romanns Leben in allen Belangen verändert. Er sei jetzt in der industriellen Herstellung von Unterhaltung tätig, sagt er. An vier bis fünf Tagen pro Woche wird gedreht, um 7.15 Uhr hat Romann in der Maske zu sitzen, um 8 Uhr ist Drehbeginn, Drehschluss ist offiziell um 18.30 Uhr. Meistens dauert es länger. Am Abend lernt Romann die Texte für den nächsten Tag. Am Wochenende lernt er die Texte und Szenen für die nächste Woche. 14-Stunden-Tage seien die Regel. Ein Knochenjob, und ein Ende ist nicht absehbar: So lange «Eine wie keine» Erfolg hat, wird weitergedreht.

«Die Migros und die Sonntagszüpfe» fehlten ihm in Berlin-Neukölln, sagt Romann und schmunzelt wieder. Nur alle paar Wochen reiche es für einen Kurztrip nach Zürich, wo seine Freundin lebt.

Das alles sei «durchaus anstrengend», findet Romann. Aber es lohne sich. Das Team sei wunderbar; die Gelegenheit, so viel zu spielen wie nur ganz wenige seiner Berufskollegen, eine «fantastische Schule». Ausserdem verdiene er beim Fernsehen wesentlich mehr als zuvor als Theaterschauspieler.

Das komische Wesen

Romann ist nicht einer jener Schauspieler, die schon als Kind immer den Clown gemacht haben und immer im Rampenlicht stehen wollten. «Ich wäre als Jugendlicher nie auf die Idee gekommen, einmal Schauspieler zu werden», sagt er. So absolvierte Romann nach der Sekundarschule eine KV-Lehre in Thun. Nach der Rekrutenschule als Spitalsoldat liess er sich zum Krankenpfleger ausbilden, arbeitete im Tiefenauspital und im Inselspital in Bern.

Erst spät zog es ihn auf die Bühne. Erste Erfahrungen sammelte er Ende der 1990er-Jahre am Freilichttheater Moosegg, den ersten Stückvertrag erhielt er 1999 am Stadttheater Bern. 2004 dann schloss er das Schauspielstudium an der Hochschule für Künste in Bern ab.

Im Nachhinein betrachtet, sagt Philipp Romann, sei die Arbeit als Krankenpfleger die perfekte Vorbereitung auf seinen heutigen Beruf gewesen. Er setze sich als Schauspieler den ganzen Tag mit dem komischen Wesen Mensch auseinander, sagt er. Das sei genau wie damals im Spital, «einfach wunderbar».

«Eine wie keine» läuft jeweils von Montag bis Freitag um 18 Uhr auf Sat 1 und ORF1.

Berner Zeitung

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