Berner Oberland

Per Bahn ohne umsteigen von Montreux nach Interlaken?

Berner OberlandEs ist so weit: Nach mehrjähriger Entwicklung funktioniert die Umspurung von der MOB zur BLS. Die Umsetzung der über 20-jährigen Vision einer umsteigefreien Verbindung von Montreux in die Innerschweiz rückt näher.

Beobachtet von Medien, Behörden und Herstellern, fährt ein Wagen mit variablen Drehgestellen auf die Umspuranlage in Montreux.

Beobachtet von Medien, Behörden und Herstellern, fährt ein Wagen mit variablen Drehgestellen auf die Umspuranlage in Montreux. Bild: Guido Lauper

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«Weltpremieren finden nicht alle Tage statt», freute sich der sichtlich stolze MOB-Direktor Richard Kummrow anlässlich der Präsentation der seit zehn Tagen funktionierenden automatischen Umspuranlage in Montreux. Umgespurt im grossen Stil wird seit Jahrzehnten, etwa in Spanien und Russland. Doch erwiesen sich diese Methoden in der Schweiz als zu kompliziert, zu schwer und zu teuer.

So entwickelte die Montreux–Berner Oberland-Bahn (MOB) zusammen mit der Industrie neue Drehgestelle, die sich auf der in Zweisimmen vorgesehenen Umspuranlage automatisch auf 1000 Millimeter (Schmalspur) und 1435 Millimeter (Normalspur) umstellen lassen. Die Anpassung der Wagenkasten an die Perronhöhe 35 Zentimeter (MOB) und 55 Zentimeter (BLS) erfolgt ebenfalls vollautomatisch.Die MOB hat die neuen Drehgestelle – mit Einzelrädern in beweglichen Halbrahmen statt der herkömmlichen Modelle in festen Rahmen mit durchgehenden Achsen – weltweit als eigenes Patent gesichert. Als Erfinder zeichnet Marc Forclaz, Leiter Technik der MOB. In der Ausführung unterstützt wurde er von Prose AG Winterthur und Alstom AG Neuhausen.

Bald im Simmental

Nach bereits über 1000 Kilometern Testfahrt in der Region Montreux sind mit den neuen Drehgestellen am 3.Juni auch im Simmental nächtliche Testfahrten vorgesehen.

Der Inbetriebnahmen des als Trans-Golden-Pass bezeichneten Projektes im Jahr 2015 sieht die MOB zuversichtlich entgegen. In den Jahren 2012/2013 sollen in Zweisimmen zwei Umspuranlagen realisiert werden. Bis zur Inbetriebnahme erhalten 20 vorhandene Golden-Pass-Panoramic und -Classicwagen den neuen Drehgestelltyp. Um der erwarteten Nachfragesteigerung von 50 Prozent gerecht zu werden und als Ersatz für veraltetes Wagenmaterial, ist der Kauf von zusätzlichen 24 neuen Wagen geplant.

Damit lassen sich Züge mit neun statt bisher sechs Wagen führen; mit Speisewagen als Ergänzung zum Bordservice. Auf der Bergstrecke fahren die Züge mit zwei MOB-Lokomotiven, auf der BLS-Linie mit BLS-Lokomotiven, ohne dass diese technisch angepasst werden müssten. Geplant sind tagsüber sechs Züge in jede Richtung im Zweistundentakt.

Ziel bleibt Luzern

Als Teilerfolg eines 22-jährigen Traums bezeichnete Alt-Nationalrat und IG Golden-Pass-Präsident Hans-Peter Seiler die technische Realisierung der Umspurmöglichkeit. Nach dem «Tod» des 260-Millionen-Projektes «Dritte Schiene Zweisimmen–Interlaken-Ost» habe er den Glauben an die 189 Kilometer lange Direktverbindung aus der Romandie in die Innerschweiz nie verloren. Die spätere Weiterführung über den Brünig bleibe aber weiterhin Ziel der Interessengemeinschaft.

«Dank der Anbindung der Region an die Fernverbindungen – im Dienst regionaler Wirtschaft – für effizienteren Bahnbetrieb und als Vorteil für einheimische Fahrgäste und Tourismus gibts nur Gewinner.» So begründete Markus Giger, Sektionschef Schienennetz des Bundesamtes für Verkehr (BAV), die Unterstützung des Bundes. Als Projektbesteller wirken zudem die Kantone Bern, Freiburg und Waadt mit.

Weg bleibt das Ziel

«Lässt sich die Anpassung der Infrastruktur mit der ‹Dritten Schiene› nicht verwirklichen, müssen eben Wagen mit variablen Drehgestellen her», sagte Wolf Dieter Deuschle, Vorsteher des Amtes für den öffentlichen Verkehr des Kantons Bern. Im reizvollen Umfeld der MOB bleibe der Weg das Ziel, umso mehr, als sich mit Trans-Golden-Pass das Umsteigen in Zweisimmen erübrige.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 19.05.2010, 09:23 Uhr

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