Thun

Party im Garten geht weiter

ThunDie Veranstaltungen im Mokka-Garten können ab 30.August weitergeführt werden. Mokka-Betreiber Pädu Anliker, Statthalteramt und Stadt haben sich am runden Tisch gefunden.

Blick aus der Mokka-Einfahrt auf das Gerberkäse-Areal: Mokka-Betreiber und Behörden haben für den Summerdance-Anlass 2012 eine respektable Lösung gefunden. Mit den Überbauungen auf dem Selve-, Rex- und Gerberkäse-Areal bricht für die Café-Bar Mokka eine neue Zeit an.

Blick aus der Mokka-Einfahrt auf das Gerberkäse-Areal: Mokka-Betreiber und Behörden haben für den Summerdance-Anlass 2012 eine respektable Lösung gefunden. Mit den Überbauungen auf dem Selve-, Rex- und Gerberkäse-Areal bricht für die Café-Bar Mokka eine neue Zeit an. Bild: Patric Spahni

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Es war ein Paukenschlag: Letzte Woche hatte Mokka-Betreiber Pädu Anliker das Aus für den Summerdance-Anlass verkündet. Nach einer Lärmklage aus der Mokka-Nachbarschaft und Bussen wegen Nachtruhestörung pochte das Regierungsstatthalteramt auf die Durchsetzung der Betriebsbewilligung. Darin steht, dass der Summerdance-Betrieb im Garten zwar bis 3.30 Uhr laufen darf – aber nur bis 22 Uhr mit Musik. «17 Jahre lang hat sich niemand daran gestört», sagte Anliker – und bezeichnete es selber als Überraschung, «dass wir 17 Jahre quasi illegal agieren konnten, denn rein rechtlich ist der Fall klar».

Der runde Tisch

Der stellvertretende Regierungsstatthalter Stephan Zingg signalisierte letzte Woche Gesprächsbereitschaft. Es ging schnell: Bereits vorgestern Mittwoch haben die Gespräche stattgefunden. Am runden Tisch Platz genommen haben neben Anliker und Zingg die Gemeinderäte Ursula Haller (Direktion Bildung, Sport, Kultur) und Peter Siegenthaler (Direktion Sicherheit und Soziales), wie das Statthalteramt mitteilte.

Der Kompromiss

Die Parteien haben sich am runden Tisch geeinigt. Ab Donnerstag, 30.August, gilt für den Summerdance-Anlass Folgendes:

Am Donnerstag und am Sonntag darf bis 22 Uhr Musik im Mokka-Garten abgespielt werden, anschliessend nur noch im Inneren des Lokals.

Am Freitag und am Samstag dürfen DJs im Rahmen der gültigen Betriebsbewilligung im Garten bis 0.30 Uhr auflegen, danach nur noch im Inneren.

Die Aussenbeschallung darf maximal 93 Dezibel betragen.

Die Bewirtung im Mokka-Garten ist weiterhin bis 3. 30 Uhr möglich.

Der Aktionstag am 6.Oktober

«Ich kann und muss mit dieser Lösung zufrieden sein», sagte Beat Pädu «MC» Anliker gestern auf Anfrage. Und: «Ich muss akzeptieren, dass mit den Überbauungen auf dem Selve-, Rex- und Gerber-Areal eine neue Zeit angebrochen ist.» Deshalb plane er am 6.Oktober einen Mokka-Aktionstag mit Bands und Künstlern in der Thuner Innenstadt: «Das urbane Leben muss neu definiert werden, die Trottoirs werden nicht mehr wie in den Siebzigerjahren um 21 Uhr hochgeklappt», sagt Anliker. Und: «Mit restriktiven Massnahmen löst man das Dilemma zwischen Kulturbetrieben und Anwohnern nicht», ist Anliker überzeugt. Abgesehen von Summerdance müsse der «normale» Konzertbetrieb im Mokka gewährleistet bleiben. Darum müsse potenziellen Mietern und Inhabern von Eigentumswohnungen im Bereich der neuen Überbauungen «klar gesagt werden, dass unser Klub in der Nachbarschaft existiert, und das seit 25 Jahren». Deshalb plane er die Herstellung einer Informations-DVD für die neuen Anwohner.

Die einzigartige Bewilligung

«Wir sind dem Mokka nicht entgegengekommen, wir bewegen uns mit der jetzt getroffenen Lösung im Rahmen der bestehenden Betriebsbewilligung», sagt Stephan Zingg. Diese Bewilligung für Aussenbewirtung bis 3.30 Uhr von Mittwoch bis Samstag und Aussenbeschallung bis 22 Uhr sei «sicher kantonsweit, eventuell sogar schweizweit einzigartig», stellt er zudem fest.

Einzelne Spezialanlässe bis 0.30 Uhr seien ebenfalls durch die bestehende Mokka-Betriebsbewilligung gedeckt. Deshalb könne Summerdance nun ab 30.August freitags und samstags mit Aussenbeschallung bis 0.30 Uhr wieder durchgeführt werden. «Es ist also keinesfalls so, dass Thun zur kulturellen Wüste oder zur Stadt der Alten verkommt, wie dies zum Teil behauptet wird», so Zingg weiter.

Die weiteren Schritte

Und: «Wir erwarten, dass die Auflagen eingehalten werden und Herr Anliker die Verantwortung für den geordneten Betrieb vollumfänglich übernimmt. Bei allfälligen berechtigten Klagen müssten wir weitere Schritte prüfen.» Denkbar sei eine Anpassung oder – bei systematischen Verstössen – gar der Entzug der Bewilligung. «Das steht zurzeit aber ausser Diskussion, am runden Tisch wurde sachlich und lösungsorientiert diskutiert», sagt Zingg.

Wie geht es 2013 weiter? «Der Ball liegt nun bei Herrn Anliker, er kann Summerdance nächstes Jahr im Rahmen der bestehenden Bewilligung wieder durchführen, das heisst mit Aussenbeschallung grundsätzlich bis 22 Uhr – oder er kann auf uns zukommen und uns seine Vorstellungen unterbreiten. Dann werden wir weiter verhandeln. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 24.08.2012, 07:38 Uhr

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Stefan Geissbühler, Chefredaktor beim Thuner Tagblatt (Bild: Andreas Blatter)

Kommentar von Stefan Geissbühler, Chefredaktor

Der Sommertanz geht weiter. Am unbürokratisch eilig einberufenen runden Tisch hat man einen Kompromiss gefunden. Ab dem 30.August kann Summerdance wiederbelebt werden – unter klaren Bedingungen. Wie es 2013 weitergeht, ist offen. Auf den ersten Blick kehrt im Mokka-Garten also wieder Ruhe respektive behördlich abgesegneter Musikgenuss ein.

Auf den zweiten Blick wird der Sommertanz in einen Eiertanz ausarten. Die Café-Bar Mokka wird in zwei Jahren von der wachsenden Stadt Thun umzingelt sein. Auf dem Selve-Areal ist bereits ein neuer Stadtteil entstanden. Auf dem Rex- und dem Gerberkäse-Areal geschieht dasselbe. Mieter und Eigentümer werden ihre Nachtruhe einfordern. Nicht nur an Summerdance-Abenden, sondern auch während des normalen Konzertbetriebs. Rock’n’Roll findet nun mal in der Nacht statt. Nutzungskonflikte wie in der Innenstadt sind programmiert, Lösungen sind schwierig.

Deshalb kommt die Summerdance-Diskussion zur richtigen Zeit – sie stösst die übergeordnete Diskussion wieder an. Nicht so wie bei der Aufhebung der Selve-Partymeile. Diese war Jahre zuvor absehbar. Behörden und Politik blieben untätig, die Party verlagerte sich in die Innenstadt. Inklusive Nebenwirkungen.
Die 25-jährige Café-Bar Mokka ist politisch unbestritten und in der Bevölkerung verankert. Soll dies auch in den nächsten Jahren so bleiben, ist neben klaren Leitplanken von allen Beteiligten vor allem dies gefordert: viel Toleranz und Musikgehör.

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