Oberhofen «brannte» noch einmal

Oberhofen

Es war fast , als brenne das ganze Dorf. Mit einer pyrotechnischen Meisterleistung wurde die Brandkatastrophe, welche Oberhofen vor 150 Jahren in Schutt und Asche legte, eindrücklich nachgestellt.

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«Das ist ja wahnsinnig», sagt eine Zuschauerin. Dann ist es ruhig in den Reihen. Jung und Alt schauen gespannt auf die Szenerie und lauschen der dramatisch anmutenden Filmmusik. Derweil Steffen Bräunlich, Feuerwerkverantwortlicher der Hamberger Swiss Pyrotechnics AG, mittels Funksteuerung Schritt für Schritt Feuerwerkskörper um Feuerwerkskörper zündet. Doch für einmal zischen nicht bunte Raketen mit Silberschweif gegen den Himmel. Was der Fachmann am Donnerstag weit nach 22 Uhr zündet, ist Pyrotechnik vom Feinsten, installiert mitten im Dorf Oberhofen. «An 30 Standorten haben wir gegen 100 Kilogramm Bengalkörper auf einer speziell hergestellten Unterlage ausgelegt», erklärt Steffen Bräunlich und konzentriert sich auf das sekundengenau abgefasste Drehbuch.

Gespenstische Szenerie

Was jetzt geschieht, ist gespenstisch: In einer Gasse beginnen orangerote Flammen an einer Hausfassade hochzuklettern. Sie werden immer heller und greller und weiten sich im Nu zu einem künstlich erzeugten Dorfbrand aus. Helles Rot und krasses Gelb hüllen Oberhofens Gebäude und Strassen bald in ein Flammenmeer, während über dem Dorf Rauchsäulen aufsteigen.

Die Szenerie lässt erahnen was die Dorfbewohner in der Brandnacht vom 26.Juni 1864 erlebt haben mussten. Die Live-Inszenierung zum Gedenken an die Brandkatastrophe, die vor 150 Jahren (wir berichteten) das Dorf am Thunersee in Schutt und Asche legte, wirkt eindrücklich. Manch einem Zuschauer verschlägt es die Stimme.

Rund 15 Minuten dauert das Spektakel, dann ist der fiktive Brand gelöscht. Per Knopfdruck. Als gäbe es nichts Einfacheres. «Ich bin sehr zufrieden und auch beeindruckt, es hat alles bestens und unfallfrei geklappt», sagt derweil Wolfgang Hauzenberger. Der Architektur- und Raumgestalter aus Oberhofen führt am Donnerstagabend Regie und hat zur Sicherheit 45 Angehörige der Feuerwehren Oberhofen und Hilterfingen aufgeboten. «Bei jedem der 30 Standorte sind Feuerwehrleute vor Ort», erklärt er.

Ursache nie geklärt

Letztere werden an der Gedenkfeier von Gemeindepräsidentin Sonja Reichen besonders geehrt, insbesondere die Feuerwehren aus Gunten, Sigriswil, Hilterfingen, Steffisburg und Thun sowie die Vertreter des Waffenplatzes Thun, welche damals in Oberhofen mit ihren handbetriebenen Spritzen zu Hilfe eilten. Die Inszenierung der historischen Brandnacht schlägt mit gegen 30000 Franken zu Buche, die durch Sponsoren und Donatoren gedeckt sind.

Der Brandkatastrophe fielen damals insgesamt 73 Gebäude, darunter 35 Wohnhäuser, zum Opfer. Gleich 105 Familien mit 414 Personen verloren ihr ganzes Hab und Gut und wurden obdachlos. Eine alte Frau starb in den Flammen. Die Brandursache konnte nie ermittelt werden.

Thuner Tagblatt

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