Zweisimmen/Thun

Neues Spital ohne Geburtenabteilung

Zweisimmen/ThunSeit Montag ist eine Schliessung des Spitals Zweisimmen vom Tisch. Die Spital STS AG will gar einen Neubau für 30 Millionen Franken erstellen. Keinen Platz darin haben wird jedoch die Geburtenabteilung. Diese wird im April 2015 nach Thun verlagert.

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Nach Jahren der Ungewissheit herrscht seit Montag Klarheit: Der Spitalstandort Zweisimmen bleibt langfristig bestehen. Und: Die Spital STS AG plant sogar einen Neubau für 30 Millionen Franken, in dem Akutversorgung, Alterswohnen und Hausarztpraxen unter einem Dach vereint werden. Eine Geburtenabteilung jedoch wird es ab April 2015 in Zweisimmen keine mehr geben. Die heute rund 120 Geburten pro Jahr sollen künftig im Spital Thun erfolgen.

«Die Verlagerung der Geburtenabteilung nach Thun ist ein Wermutstropfen. Sowohl aus medizinisch-qualitativen als auch aus finanziellen Gründen ist diese jedoch nötig», begründete Thomas Bähler, Verwaltungsratspräsident Spital STS AG, den Entscheid am Montag vor den Medien in Zweisimmen. Geprüft worden seien auch alternative Lösungen wie etwa ein Geburtshaus, ergänzte Bruno Guggisberg, CEO Spital STS AG. Doch auch diese Möglichkeiten seien aus oben genannten Gründen verworfen worden.

Zu Entlassungen werde es durch die Schliessung der Geburtshilfe in Zweisimmen voraussichtlich nicht kommen. Die betroffenen 20 Stellen würden nach Thun verlagert. Ein Ausbau der Geburtenabteilung sei dort zudem nicht notwendig, sagte Guggisberg. Es würden aber künftig flankierende Massnahmen wie etwa Familienzimmer für Frauen aus der Region Simmental-Saanenland für die Zeit unmittelbar vor der Geburt angeboten.

Notfall bleibt unverändert

Neben der Schliessung der Geburtenabteilung wird in Zweisimmen auch die Chirurgie redimensioniert. Während in der Wintersaison das bisherige Angebot bestehen bleibe, werde die Chirurgie in den Sommermonaten am Wochenende geschlossen und nur am Standort Thun angeboten, sagte Guggisberg. Zudem werde das permanente Bettenangebot von 35 auf 25 reduziert. Das internistische und gynäkologische Angebot sowie der 24-Stunden-Notfall hingegen blieben unverändert. Ausgebaut werde das ambulante Angebot wie Spezialsprechstunden. Der Rettungsdienst wird weiter von Saanenmöser aus arbeiten.

Der vergangene Woche gefällte Entscheid des Verwaltungsrats sei «ein starkes Bekenntnis zum langfristigen und nachhaltigen Betrieb des Spitalstandorts Zweisimmen», so Verwaltungsratspräsident Bähler. Eine komplette Schliessung, wie sie lange Zeit zur Diskussion stand, sei damit vom Tisch. Insbesondere das jährliche Defizit des Spitals Zweisimmen über 5 Millionen Franken gab Anlass zu solchen Überlegungen.

Neu 1,3 Millionen Defizit

Mit dem im Rahmen des Projekts «Medizinische Grundversorgung Simmental-Saanenland», kurz MeGSS, ausgearbeiteten «innovativen Projekt» würden die Kosten gesenkt werden können. Dies sowohl dank den Angebotsanpassungen als auch aufgrund der Zusammenarbeit von Spital, Alterszentrum und Hausärzten. So soll diese auch zwischen Thun und Zweisimmen verstärkt werden – etwa mit einem Rotationsprinzip bei den Ärzten. «Das jährliche Defizit des Spitals Zweisimmen wird künftig in der Vollkostenrechnung noch 1,3 Millionen Franken betragen. Das können wir stemmen», sagte Guggisberg. Würde im Neubau dasselbe Angebot wie heute bestehen bleiben, so würde das Defizit laut den Verantwortlichen noch 3,1 Millionen Franken betragen. «Für eine nachhaltige Lösung ist das zu viel», stellte der CEO klar.

Nicht abgewartet hat der Verwaltungsrat der Spital STS AG für seinen Beschluss einen definitiven Entscheid des Kantons über eine finanzielle Beteiligung an der Defizitdeckung des Spitals Zweisimmen. Eine solche wäre wenigstens theoretisch möglich geworden, nachdem der Regierungsrat das Spital vor Jahresfrist als versorgungsnotwendig eingestuft hat. Eine erstmalige Anfrage sei vom Kanton jedoch negativ beantwortet worden, und «wir wollten die lange Phase der Unsicherheit endlich beenden», so Guggisberg. Das vorliegende Projekt könne nun selber finanziert werden. Trotzdem wolle man versuchen, beim Kanton einen einmaligen Projektbeitrag zu erwirken.

Ab 2015 wird gebaut

Das neue Spital Simmental-Saanenland soll ab 2015 neben dem heute bestehenden Gebäude gebaut werden. Mit diesem Neubau werde auch der geplante Ausbau der Alterswohnen STS AG hinfällig, da diese Pflegeplätze künftig im selben Gebäude wie das Spital und die Hausarztpraxen untergebracht seien, sagte André Streit, Geschäftsführer Alterswohnen STS AG. Eröffnet werde der Neubau voraussichtlich Ende 2016, Anfang 2017. (Berner Oberländer)

Erstellt: 24.06.2014, 08:03 Uhr

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SVP-Grossräte künden Widerstand an

Sieben Mütter sind mit ihren Kindern dem Aufruf der Facebook-Gemeinschaft «Retten wir das Spital und die Geburtshilfe Zweisimmen» gefolgt und warteten am Montagmorgen beim Beinhaus Zweisimmen vor der Informationsveranstaltung auf Behördenvertreter und Journalisten. Sie wollten ihren Unmut über die Schliessung der Geburtshilfe kundtun. «Wir wollen Präsenz markieren und versuchen, etwas zu bewegen. Bei Geburten entscheiden manchmal Minuten, deshalb nehmen wir die Schliessung nicht einfach so hin», sagte etwa Isabelle Poschung, die selber in Zweisimmen geboren ist.
Die Facebook-Gemeinschaft mit über 1700 «Likes» erhielt im Vorfeld der Orientierung Unterstützung von Oberländer Grossräten. Sowohl Anne Speiser als auch Christian von Känel (beide SVP) zeigten sich am Montag nach Bekanntwerden des Verwaltungsratsentscheids befremdet ob der Schliessung der Geburtshilfe. «Wir werden uns weiter für den Fortbestand der Abteilung einsetzen», versprach etwa Speiser. Und von Känel meinte: «Wieso wurde mit dem Entscheid nicht abgewartet, bis die Abstimmung über die Spitalstandortinitiative durch ist?» Jetzt werde die Geburtshilfe möglicherweise geschlossen, und bei einem Ja müsse sie anschliessend wiedereröffnet werden. Deshalb werde auch er sich für die Geburtenabteilung einsetzen – mindestens bis zur erwähnten Abstimmung.
Thomas Bähler, Verwaltungsratspräsident Spital STS AG, begründete das Vorgehen so: «Wir wollten nicht länger Unsicherheit verbreiten. Und letztlich ist auch bei einer Annahme noch längst nicht klar, ob die Initiative so umgesetzt wird.» Sowohl von Känel als auch Speiser begrüssen jedoch auch das Bekenntnis zum Spitalstandort Zweisimmen.
Ähnlich tönt es bei Gemeinderatspräsident Ernst Hodel: «Endlich haben wir den lang ersehnten Entscheid, und die Schliessung konnte vermieden werden.» Die Verlagerung der Geburtshilfe sei zwar nicht schön, aber mit optimalen flankierenden Massnahmen durchaus zu ertragen.
Und auch für Christian Gafner, Gemeinderat von Saanen, ist die gefundene «nachhaltige Lösung» vertretbar, auch wenn der Wegfall der Geburtenabteilung schmerze. mab

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