«Wenn schon zu wenig Thuner, dann hoffentlich genug Oberländer»

Mit Markus Lüthi wird der FC Thun künftig von einem Unternehmer präsidiert. Der 54-Jährige ist ein Mann, der die Vielfalt mag. Dass er nicht in Thun lebt, darin sieht er kein Problem.

Markus Lüthi ist neuer Präsident des FC Thun: Der Unternehmer wurde gestern an der Generalversammlung gewählt. Patric Spahni

Markus Lüthi ist neuer Präsident des FC Thun: Der Unternehmer wurde gestern an der Generalversammlung gewählt. Patric Spahni

(Bild: Patric Spahni)

Der neue Präsident des FC Thun ist ein Mann mit vielen Interessen. Mit seiner Frau und einigen Freunden tritt Markus Lüthi als Sänger und Gitarrist der Band Second Spring an privaten und öffentlichen Anlässen auf. Die Gruppe hat auch den Thun-Song eingespielt, der vor Heimmatches jeweils erklingt. Der 54-Jährige fährt gerne Motorrad, im Militär hat er es zum Major gebracht, und eben ist das Buch «Reden oder Schweigen» erschienen, an dem er mitgeschrieben hat. Lüthi und seine Mitautoren setzen sich darin mit dem Thema Kommunikation auseinander. Lüthi ist auch Vater einer Tochter und von zwei Söhnen – Benjamin, der jüngere, spielt in der 1.Mannschaft des FC Thun.

Er mache keinen Unterschied zwischen den Verpflichtungen im Beruf, in der Familie und in der Freizeit, sagt Lüthi, der 1995 die Friap Holding übernahm und die Haustechnikfirma mit 150 Angestellten seither führt. «Ich mag es, wenn die Übergänge fliessend sind und Vielfalt herrscht.» Lüthi trägt gerne eine Lederjacke und die Haare etwas länger, nicht immer ist er frisch rasiert. Er unterscheidet sich damit äusserlich von seinem Vorgänger Markus Stähli, der vorzugsweise einen Blazer über dem weissen Hemd trägt und stets glatt rasiert auftritt. Mit dem Wechsel an der Spitze werde aber kein Kulturwandel stattfinden, sagt Lüthi. «Stähli hat ja sehr gute Arbeit geleistet», sagt er. «Etwas struktureller» wolle er den Klub aber führen, fügt er an.

Der Verwaltungsrat werde künftig weniger ins Tagesgeschäft involviert sein als bisher. «Wir wechselten im Sommer 2011 mit wenig Personal vom Lachenstadion in die Arena, daher waren im Verwaltungsrat fast täglich Entscheidungen gefragt.» Mittlerweile sei die Organisation gewachsen, und es sei an der Zeit, dass sie stufengerecht geführt werde.

Wohlüberlegte Kandidatur

Vor viereinhalb Jahren lösten Stähli und Lüthi zusammen mit Markus Walther und Rolf Glauser die damalige FC-Thun-Führung um Kurt Weder ab. Nachdem sich Stähli und Walther gestern zurückzogen – Glauser trat bereits letztes Jahr aus dem VR aus – bleibt Lüthi als Letzter des Quartetts in offizieller Funktion für den Klub tätig. Der bisherige Vizepräsident galt nach Stählis Rücktrittsankündigung als Favorit auf dessen Nachfolge.

Doch Lüthi konnte sich bis vor einigen Wochen nicht vorstellen, das Amt zu übernehmen. Ein Treffen mit Hansjörg Sägesser, dem Verwaltungsratspräsidenten der Arena Thun AG – sie stellt dem FC Thun gegen Abtretung der Marketing- und Ticketrechte jährlich gegen 4 Millionen Franken zur Verfügung –, hatte tiefe Gräben offenbart. Erst nachdem die Arena-Verantwortlichen zusicherten, von der Fussballabteilung keine Kostenreduktionen zu fordern, und alles zu tun, um dem Team eine Zukunft in der höchsten Spielklasse zu ermöglichen, und auch die geplante Durchmischung der Verwaltungsräte von Arena und FC Thun guthiessen, willigte Lüthi in die Kandidatur ein.

«Ich bin kein Constantin» «Die Veränderungen in den Verwaltungsräten werden grösseren Einfluss auf die Zukunft des FC Thun haben als meine Wahl», sagt Lüthi. Er lobt das neue Konstrukt, in dem vier von fünf Verwaltungsräten von Arena und FC Thun identisch sein sollen, als «aktuell bestmögliche Lösung». «Die vier stehen bei beiden Organisationen in der Pflicht, und der jeweilige Präsident bringt eine Nuance rein.» Mit seiner jovialen Art ist Lüthi zuzutrauen, dass die Querelen um die Macht beim FC Thun ein Ende finden.

Womit der Klub aber auch mit einem Unternehmer an der Spitze nicht rechnen kann, sind finanzielle Zuwendungen des Präsidenten. Lüthi lacht, als er danach gefragt wird. «Ich bin doch nicht Constantin», ruft er. Der Sion-Präsident alimentiert seinen Verein mit Millionen von Franken. «In Thun wäre das gar nicht gefragt», sagt Lüthi. «Der Verein soll breit abgestützt sein. Ich bleibe einfaches Mitglied in der Sponsorenvereinigung B-Klub.»

Im Vorfeld von Lüthis Wahl waren auch kritische Stimmen zu vernehmen. Sie bezogen sich auf Lüthis Wohnort. Ob er, der in Wabern lebt, nicht zu wenig Thuner sei, um den wichtigsten Klub der Stadt zu präsidieren, wurde gefragt. Lüthi schmunzelt und sagt: «Ich bin auf dem Bödeli aufgewachsen und habe meine Lehre in Thun gemacht. Wenn ich schon zu wenig Thuner bin, dann hoffentlich wenigstens genug Oberländer.»

Thuner Tagblatt

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