Neue Leute sollen Bahnen sanieren

Saanen

Mit einem neuen Verwaltungsrat wollen die Aktionäre der maroden Gstaader Bergbahnen den Konkurs vermeiden. An der Generalversammlung wurde aber auch viel Kritik geäussert – und in die Zukunft geblickt.

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An Kritik mangelte es nicht an der Generalversammlung der maroden Gstaader Bergbahnen vom Samstag. Die schlechte Jahresrechnung, die mangelhafte Servicequalität und vor allem der Wahlvorschlag der Gemeinde Saanen für den neuen Verwaltungsrat gaben unter den Aktionären zu reden. Gemeindepräsident Aldo Kropf wollte vor den 271 anwesenden Personen, die 70 Prozent des Aktienkapitals vertraten, deshalb eines klarstellen: Alle Anspruchsgruppen – auch die sogenannte Spitzhornrunde als langjähriger Kritiker der Bahnen – hätten die Möglichkeit gehabt, im neuen VR Einsitz zu nehmen.

«Die beiden Kandidaten der Spitzhornrunde zogen sich aber wieder zurück. Andere Wahlvorschläge wurden zudem nicht geäussert», sagte Kropf vor der Wahl. Dass die VR-Mandate derzeit nicht sonderlich beliebt sind, ist kein Wunder: Allein in den letzten zehn Jahren sind drei Sanierungsprojekte für die Bergbahnen gescheitert.

Zum Rückzug der Kandidaten der Spitzhornrunde geführt hatte der Hauptstreitpunkt seit der Rückweisung des letzten millionenschweren Sanierungs- und Restrukturierungskonzepts der Gemeinde Saanen durch den Souverän im Oktober: die Frage nach einer stillen oder einer gerichtlichen Sanierung der Unternehmung (siehe Kasten).

Alle wurden gewählt

Wenig überraschend wurden an der Generalversammlung schliesslich alle vorgeschlagenen Kandidaten mit grossem Mehr gewählt. Neben der Hauptaktionärin Saanen sprachen sich auch die beiden Grossaktionäre Zweisimmen und Rougemont für die Personen aus – gemeinsam haben die drei Gemeinden über 50 Prozent der Aktienstimmen.

Gewählt wurden somit Emanuel Raaflaub als Verwaltungsratspräsident (neu) und die Mitglieder Jan Brand (neu), Matthias Matti (neu), Erik Söderström (bisher), Christian Witschi (bisher) und Bergbahnberater Roland Zegg (neu). Sie ersetzen den abtretenden Verwaltungsratspräsidenten Bruno Kernen und seine Ratskollegen, die ihre Ämter zur Verfügung gestellt hatten, um den Weg für die Restrukturierung des Unternehmens zu ebnen (wir berichteten).

Da die Generalversammlung auch einer Statutenänderung zustimmte, ist der neue Verwaltungsrat aber nur für ein statt zweier Jahre gewählt.

18 Millionen Verlust

Dem abtretenden Gremium wurde die Decharge erteilt, obschon die Mitglieder der Spitzhornrunde den Antrag gestellt hatten, diese zu verweigern. «Der aktuelle Verwaltungsrat ist für die heutige Situation verantwortlich und hat gewirtschaftet wie in einem zentralafrikanischen Land. Der Wertberichtigungsbedarf der Anlagen wurde zudem nicht genügend erkannt», begründete Ernst Beat Frautschi den Antrag. Dieser blieb ungehört, und mit grossem Mehr erteilte die Versammlung den Herren Entlastung.

Um ebenjene Wertberichtigung ging es im umstrittenen Jahresbericht und in der Jahresrechnung. Letztere weist für das Geschäftsjahr 2013/2014 einen Verlust von 18 Millionen Franken aus. Zum Defizit beigetragen habe einerseits der Jahresverlust aus dem operativen Geschäft von 3,1 Millionen (Vorjahr minus 2,1 Millionen), andererseits eine Wertberichtigung auf den Anlagen von 15 Millionen Franken. «Dieser Einschnitt beruht auf der geplanten neuen Eignerstrategie der Gemeinde Saanen und dem daraus abgeleiteten Businessplan, der zu einer Korrektur des Anlagewertes führt», sagte Jürg Brönimann, Leiter Finanzen.

Dass eine solche Wertberichtigung endlich gemacht worden sei, sei zwar löblich – nur: «Die 15 Millionen Franken sind sehr optimistisch gerechnet. Wir sind der Meinung, dass der Betrag sehr viel höhere sein müsste. Zudem gibt es eine berechtigte Angst vor einer Überschuldung der Gesellschaft», sagte Dagobert Kuster von der Spitzhornrunde zu diesem Thema. Er stellte im gleichen Atemzug den Antrag, den Jahresbericht und die Jahresrechnung zurückzuweisen. Dem widersprach Stefan Andres von der Revisionsstelle KPMG: «Die Gesellschaft ist nicht überschuldet. Gemäss Gesetz wäre somit auch nicht unmittelbar eine Sanierung notwendig.»

Die Versammlung stimmte dem Bericht und der Rechnung mit grossem Mehr zu. Sie bewilligte zudem, den Bilanzverlust mit den gesetzlichen Reserven zu verrechnen und den resultierenden Verlust von 7,4 Millionen Franken auf die neue Rechnung vorzutragen. Auch die Revisionsstelle wurde wiedergewählt.

Zwischenbilanz angekündigt

Vor diesem Hintergrund habe er sich die Entscheidung wahrlich nicht leichtgemacht, sagte der neue VR-Präsident nach der Versammlung. «Ich hatte schlaflose Nächte. Als Gemeinderat habe ich aber eine Verpflichtung den Wählern gegenüber und habe mich deshalb für das Amt zur Verfügung gestellt», so Raaflaub. Als Erstes werde nun eine Zwischenbilanz im Sinne einer Standortbestimmung erstellt.

Anschliessend werde die von der Gemeinde Saanen erarbeitete Eignerstrategie weiter vorangetrieben. «Sicherlich wird es Anpassungen geben. Wir beabsichtigen etwa, Schritt für Schritt vorzugehen und den Souverän nicht mehr nur über ein grosses Gesamtpaket entscheiden zu lassen.»

Berner Zeitung

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