Nach dem Streit um das Spital bleibt noch ein Gesundheitsnetz

Obersimmental

Bitteres Ende im Streit um die Spitäler Saanen und Zweisimmen: Ein Standort wird im Herbst 2012 geschlossen, der andere voraussichtlich 2014. 50 von 155 Stellen gehen verloren, die anderen werden nach Thun verlagert. Immerhin soll in der Region eine Gesundheitsnetz aufgebaut werden.

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Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

«Das neue Akutspital in Saanenmöser wäre garantiert gebaut und in Betrieb.» Da war sich Peter Dolder gestern «ganz sicher». Der Verwaltungsratspräsident der Spital Simmental-Thun-Saanenland (STS) AG nahm am Rande Medienkonferenz im Spital Thun Stellung auf die Frage, ob das im Jahr 2007 vorgeschlagene Projekt (siehe Text unten) ohne die vielen Proteste der lokalen Bevölkerung und Politiker realisiert worden wäre.

Seit gestern spielt die Frage indes eh keine Rolle mehr. Nach den diversen Vorschlägen und Studien für die Gesundheitsversorgung im Obersimmental-Saanenland war die Diagnose eigentlich schon lange bekannt: Die Region ist zu klein für zwei Akutspitäler. Deshalb hat der Verwaltungsrat die Situation neu beurteilt. Seit gestern ist seine neue Therapie bekannt. Die wichtigsten Punkte:

Ein Standort fällt sicher weg. Bereits im Herbst 2012 wird das Akutspital in Zweisimmen oder jenes in Saanen geschlossen. Noch nicht entschieden ist, welches Spital den Betrieb einstellen soll. Diesen Entscheid will der Verwaltungsrat den Gemeinden und der spitalpolitisch tief zerstrittenen Region überlassen. Wenn sie keine klare Einigung erzielen, entscheidet Ende Juli der Verwaltungsrat des Spitals selber. Mit dem ersten Standort gehen rund 50 Stellen verloren. Zum Teil soll dies mit dem notwendigen Ausbau im Spital Thun und mit Stellen im Alterswohnen der STS AG kompensiert werden.

Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP), der ebenfalls in Thun anwesend war, betonte zudem, Fachkräfte im Gesundheitswesen seien auf jeden Fall weiterhin gesucht.

Zweiter Standort auf Kippe. Die Region muss damit rechnen, dass 2014 sogar auch das zweite Spital wegfällt. Der Grund ist simpel: Während beide Standorte heute ein Defizit von 7,5 Millionen Franken im Jahr bewirken, wären es nach Spitalangaben auch bei einem einzigen Standort immer noch 2,5 Millionen. Zudem wären Investitionen von 25 Millionen notwendig. «Das ist für die Spital STS AG nicht tragbar», sagte VR-Präsident Peter Dolder. Und der Kanton ist bekanntlich nicht bereit, für die Spitalversorgung im Obersimmental-Saanenland zusätzliches Geld zur Verfügung zu stellen. Ob der zweite Standort effektiv auch geschlossen wird, hängt vom Kanton ab. Die Planung der Gesundheitsdirektion hielt bisher fest, in der Region sei kein Akutspital nötig. Dieser Einschätzung traut man nun, wo es ernst wird, offenbar nicht mehr ganz. Die Frage wird noch einmal geprüft. Je nachdem könnte der Kanton doch noch eine Zusatzfinanzierung sprechen, um den Betrieb eines Spitals zu ermöglichen. Bisher schloss er dies aus.

Thun würde übernehmen. Sollte es zur Schliessung der beiden Standorte kommen, würden künftig alle bisherigen Leistungen von Saanen und Zweisimmen im Spital Thun angeboten. «Notfallpatienten mit Herzinfarkten, Hirnschlägen, Mehrfachknochenbrüchen oder Geburtskomplikationen werden übrigens schon heute nach Thun oder Bern gebracht», stellte Bruno Guggisberg, CEO der STS AG, klar.

50 Kündigungen. «Trotz natürlichen Fluktuationen und der Rochade von Mitarbeitenden nach Thun müssten bei der Schliessung beider Standorte Kündigungen und damit Härtefälle in Erwägung gezogen werden», räumte Guggisberg ein. «Von den 155 Arbeitsplätzen müssten Kündigungen im Umfang von 50 Stellen ausgesprochen werden.»

Mehr Ambulanzen und ein «Gesundheitsnetz». Das Spital wird die Zahl der Rettungskräfte und -fahrzeuge in der Region erhöhen. Geplant ist auch der Aufbau eines «Gesundheitsnetzes», einer Kooperation von Spital und Hausärzten, welche die ambulante Grundversorgung sichern soll.

Berner Oberländer

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