Habkern

Riesen-Murgang wälzt sich vom Suggiture

HabkernEin riesiger Murgang von knapp 100'000 Kubikmetern wälzte sich am Sonntagnachmittag westlich des Suggiture hinunter auf die Alp Bodmi. Zwei Brücken wurden zerstört, eine weitere verschüttet.

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Es passierte am Sonntag um 15.30 Uhr unterhalb des Gipfels des Suggiture, des südlichen Vorgipfels des Augstmatthorns (2137 m): Auf der Meereshöhe von 1800 Metern wurde ein riesiger Erdrutsch ausgelöst. Die Erdmassen rissen auch ein paar Jungtannen des benachbarten Flöschwaldes mit und kamen erst fast 300 Höhenmeter weiter unten genau an der Gebäudefassade zweier Alphütten zum Stillstand. Links und rechts der Hütten setzte das Geschiebe seinen Weg fort in den Lombach und durch dessen Bachbett talauswärts.

Alp Horet ist abgeschnitten

Die kleine Zufahrtsbrücke zu den beiden Alphütten wurde vom Murgang mitgerissen, der Lombach an dieser Stelle aufgestaut. Das Gewässer konnte sich aber am Rande des Rutschkegels einen neuen Weg suchen, sodass sich oberhalb nur ein kleiner See von einigen Dutzend Kubikmetern staute.

500 Meter weiter unten, wo sich das Bergsträsschen Richtung Horet und Hardergrat hinaufschlängelt, wurde dieses vom Murgang ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Vier zurzeit nicht bewohnte Hütten auf Alp Horet können also bis auf weiteres mit Fahrzeugen nicht erreicht werden. Die massive Rundholzbrücke über den Lombach steht zwar noch, liegt aber meterdick unter den Schlammmassen. In diesem Bereich zeigt sich dem Betrachter ein Bilder der Verwüstung: Das Gerinne des Lombachs ist von der Schlammlawine auf fast 50 Meter Breite ausgewaschen worden. Was weiter unten kommt, lässt sich momentan nur erahnen, denn dort gelangt man im Schwendiwald in die tiefen Gräben des Lombachs. «Eine Begehung dieser Gräben kommt erst infrage, wenn sich das Ganze beruhigt hat und das Bachbett etwas ausgetrocknet ist», sagt Ernst Zurbuchen. Der Präsident der Schwellenkorporation Habkern kann aus diesem Grund zurzeit nicht sagen, ob und wo sich der Lombach auf seinem Weg in die Birmse (Unterseen) hinunter stauen könnte und wie viel Geschiebe dort liegt. Sicher ist, dass sich der Murgang bis in die Schwendi auf rund 1100 Meter Meereshöhe hinuntergewälzt – und der Murgang auch die Betonbrücke des Wanderwegs Horetlauen weggerissen hat. Personen und Tiere kamen durch das Ereignis nicht zu Schaden. Eine erste Schadensumme kann Schwellenkorporationspräsident Ernst Zurbuchen noch keine nennen.

Betonsperren auf der Strasse

Das Verwaltungskreis-Führungsorgan Interlaken-Oberhasli (VKFO) schreibt in seiner Medienmitteilung von gestern Abend: «Der Erdrutsch führte zu einer Verschüttung des Bachlaufes des Lombachs. Dank der guten vorsorglichen Ausholzung durch die Schwellenkorporation und umgehend eingeleitete Sofortmassnahmen durch Feuerwehr und Zivilschutz entstanden keine Schäden an Menschen, Tieren oder Gebäuden.» Aus Sicherheitsgründen liess das VKFO auf der Beatenbergbrücke in Unterseen vorsorglich Betonstrassensperren aufstellen, die aber gestern Abend wieder weggeräumt werden konnten. Der Wanderweg vom Harder Kulm unterhalb des Suggiturms hinunter zur Lombachalp ist bis auf weiteres gesperrt. Die Situation im Rutschgebiet und am Lauf des Lombachs wird unter der Leitung der Einwohnergemeinde Habkern und von Geologen ständig weiter beobachtet.

Kleines Schadenpotenzial

Nach erfolgtem Rekognoszierungsflug über das betroffene Gebiet und wegen der sich beruhigenden Wetterlage schätzen die zuständigen Fachleute das Ereignis als beachtlich ein, jedoch als eines ohne grosses Schadenpotenzial. Das betroffene Gebiet liegt ausserhalb von Siedlungsräumen.

Die Alp Bodmi, auf welcher die beiden beinahe zerstörten Alphütten stehen, liegt unweit unterhalb des bekannten Naturschutzgebiets Lombachalp und der Moorlandschaft Habkern-Sörenberg und ist ein beliebtes Wanderziel für Familien.

Seepegel sind am Sinken

Die Situation bei den grössten Oberländer Gewässern entspannt sich weiter: Dank der frühzeitigen Öffnung des Entlastungsstollens in Thun und frühzeitiger Senkung des Thunersees konnte die Hochwassergefahr schon Ende letzter Woche gebannt werden. Doch die Zufliessgewässer müssen trotzdem gut im Auge behalten werden, «denn obwohl der Regen nun aufgehört hat, könnten die steigenden Temperaturen zur Schneeschmelze und damit wieder zum Steigen der Seepegel führen», wie Bernhard Schudel vom kantonalen Wasseramt sagt. «Vorerst hat sich die Lage beruhigt, und die Seepegel sind langsam wieder am Sinken.» Ein Blick auf den aktuellen Pegel bestätigt Schudels Aussagen, hat sich der Wasserspiegel des Thunersees doch seit dem Höchststand von 558,02 Metern vom Sonntagnachmittag um 6 Zentimeter gesenkt; er liegt derzeit 34 Zentimeter unter der kritischen Grenze. Auch am Brienzersee ging der Pegel zurück, und die Lütschine führte gestern Abend in Gsteig 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu Tal, was nur noch die Hälfte der Menge vom frühen Samstagmorgen ausmacht.

Erdrutsche in Sigriswil

Am Samstag wurde die Strasse beim Ralliggraben in Merligen verschüttet. Auch die Brünigstrasse in Meiringen und eine dortige Tiefgarage wurden überflutet. Einige Schadenereignisse vom Wochenende hat aber auch Sigriswil zu beklagen. Laut Matthias Rentsch, Leiter Infrastruktur der Gemeinde, verschütteten unter anderem bei Lengenschwand 300 Kubikmeter Erdreich und Holz eine Strasse. Der grösste Erdrutsch löste sich im sogenannten Tröhler. Eine Schadenbilanz lasse sich noch nicht machen, sagt Rentsch; aber es handele sich bestimmt um eine fünfstellige Zahl.

Arnold Flückiger als Betreiber einer privaten Wetterstation erfasste über das Wochenende von neun Oberländer Messstationen die gefallene Regenmenge. So wurden am Freitag und Samstag in Hilterfingen 77 Liter pro Quadratmeter registriert. In Thun waren es 53 Liter, in Merligen 130 Liter, in Uetendorf 64, im Eriz 60, in Grindelwald 56, in Brienz 87, in Scharnachtal 48 und in Kandersteg 46 Liter pro Quadratmeter. Bruno Petroni/hpr> (Berner Oberländer)

Erstellt: 04.06.2013, 06:36 Uhr

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