Thun

Meyer Burgers Topsaläre abgelehnt

ThunDie Aktionäre von Meyer Burger haben der Führung der Solarfirma einen Denkzettel verpasst. Sie lehnten den Vergütungsbericht ab.

1,06 Millionen Franken für Chef Hans Brändle: Die Aktionäre verwerfen das Lohnsystem.

1,06 Millionen Franken für Chef Hans Brändle: Die Aktionäre verwerfen das Lohnsystem. Bild: Melanie Duchene (Keystone)

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Schlappe für den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung von Meyer Burger: An der Generalversammlung gestern in Thun haben sie den Vergütungsbericht 2017 nicht durchgebracht – die absolute Mehrheit kam nicht ­zustande. Das Votum fiel aber knapp aus mit 49,69 Prozent Ja-Stimmen gegen 49,08 Prozent Nein und 1,23 Prozent Enthaltungen.

Die Leitung des Solarunternehmens zeigt sich trotzdem nicht direkt bereit zu einer Anpassung der Löhne und Boni. Schliesslich war es eine konsul­tative und damit eine nicht verbindliche Abstimmung über das Vergütungssystem. Aber man bleibe mit grösseren Aktionären und Stimmrechtsberatern im Gespräch, teilte Meyer Burger mit.

Ethos gegen Boni bei Verlust

Die Ablehnung des Vergütungsberichts empfohlen hatten insbesondere der international tätige Stimmrechtsvertreter ISS und die Schweizer Anlagestiftung Ethos. Sein Nein habe zwei Gründe, sagte Ethos-Direktor Vincent Kaufmann zu dieser Zeitung.

Erstens sei die Entrichtung von Boni für das Geschäftsjahr 2017 angesichts des Konzernverlusts von 79 Millionen Franken unangebracht, auch wenn es Verbesserungen im Geschäftsgang gegeben habe. Die kurzfristigen Boni seien aber bei Meyer-Burger-Chef Hans Brändle mit rund 306 000 Franken fast gleich hoch wie das Fixsalär von 310 000 Franken. Inklusive Aktienzuteilungen und Sach- sowie Vorsorgeleistungen waren es 1,06 Millionen Franken.

Zweitens seien die Kriterien für das längerfristige Beteiligungsprogramm der Geschäftsleitung problematisch, sagte Kaufmann. Die zugeteilten Aktien seien zwar gesperrt und könnten drei Jahre lang nicht verkauft werden. Wenn aber zum Beispiel der Aktienkurs um 50 Prozent absacke, betrage die Zuteilung immer noch 50 Prozent. In einem solchen Fall sollte laut Ethos aber gar keine Aktienzuteilung erfolgen. Im vergangenen Jahr ist der Aktienkurs von Meyer Burger nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung allerdings um 149 Prozent in die Höhe geklettert. In diesem Jahr ging es sodann wieder um rund 25 Prozent runter.

Ethos-Direktor Kaufmann wertet das Nein der Aktionäre zum Vergütungsbericht als starkes Signal: «Wir erwarten Verbesserungen und werden in den Gesprächen mit Meyer Burger darauf drängen», sagt Kaufmann. Er erinnert an das Nein zum Vergütungsbericht beim Schaffhauser Industriekonzern Georg Fischer im vergangenen Jahr. Auch diese Abstimmung war lediglich konsultativ. Nach der Generalversammlung lenkte die Konzernführung aber ein und überarbeitete die Vergütungskriterien. «Es gab Verbesserungen bei Georg Fischer», sagt Kaufmann, und so stimmte Ethos in diesem Jahr für den Vergütungsbericht.

Die Druckmittel

Was könnten die Kritiker der Topsaläre bei Meyer Burger tun, wenn die Verantwortlichen nichts ändern wollen? Eine Möglichkeit wäre, den vorberatenden Entschädigungsausschuss des Verwaltungsrates neu zu besetzen. Oder die maximalen Vergütungen des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung für das kommende Jahr könnten abgelehnt werden, damit sie tiefer angesetzt werden müssten.

Doch gestern haben die Aktionäre die beantragten Vergütungsdeckel für 2019 genehmigt. Auch Ethos empfahl Zustimmung. Die Anlagestiftung stört sich also nicht primär an der Höhe der Gesamtvergütungen, sondern an den Kriterien für Boni und Aktienzuteilungen. Mit grossem Mehr wiedergewählt wurden die fünf kandidierenden, bisherigen Verwaltungsräte inklusive VR-Präsident Alexander Vogel. Neu in das Aufsichtsgremium wählten die Aktionäre Eric Meurice. Der Franzose war von 2004 bis 2013 Chef von ASML, einem Anbieter von Produktionsanlagen für die Halbleiterindustrie.

Die Aktionäre erneuerten ferner die Ermächtigung des Verwaltungsrats, in den nächsten zwei Jahren das Aktienkapital zu erhöhen. Eine weitere Kapitalerhöhung steht derzeit aber nicht zur Debatte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.05.2018, 06:39 Uhr

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