Thun

Machen die Grünen der SP einen Strich durch die Rechnung?

ThunSP und Grüne wollen im Stadtrat zulegen. Spannend wird vor allem, ob die SP den zweiten Sitz im Gemeinderat halten kann – oder ob ihn mit den Grünen ausgerechtet der Bündnispartner übernimmt.

Roman Gugger, Vizepräsident Grüne Thun und Katharina Ali-Oesch, Co-Präsidentin SP Thun.

Roman Gugger, Vizepräsident Grüne Thun und Katharina Ali-Oesch, Co-Präsidentin SP Thun. Bild: PD

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Eigentlich ist das Ziel klar. «Wir wollen unsere beiden Sitze im Gemeinderat verteidigen», sagt Katharina Ali-Oesch, Co-Präsidentin der SP Thun. Eine linke Mehrheit in der Regierung sei «eher ein Traum – das wäre relativ hoch gegriffen». Doch auch was das Verteidigen des zweiten SP-Sitzes betrifft, gibt es nach dem Rücktritt von Gemeinderätin Marianne Dumermuth Unwägbarkeiten.

Einerseits braucht die SP die Unterstützung der Grünen, mit der sie eine Listenverbindung eingegangen ist. «In unserer bürgerlich dominierten Stadt können wir allein wohl nicht zwei Sitze holen. Und auch für die Grünen reicht es im Alleingang nicht für einen Sitz», führt Ali-Oesch aus.

Nur ist es andererseits möglich, dass just die Grünen der SP den zweiten Sitz wegschnappen – zumal sie mit Andrea de Meuron eine profilierte Stadt- und Grossrätin als Zugpferd haben. «Das liegt im Bereich des Möglichen – es war auch bei früheren Wahlen relativ knapp», ist sich die SP-Co-Präsidentin bewusst.

Und sie gibt unverblümt zu: «Natürlich wäre es eine grosse Enttäuschung, eine Wahlniederlage und eine Schwächung der SP, wenn wir einen Sitz verlieren würden. Wir hoffen, dass es wieder zu unseren Gunsten ausgeht.» Immerhin seien aber die Grundwerte der beiden Parteien dieselben und die An­liegen ähnlich. Auch deshalb mache die Listenverbindung Sinn, die ebenso für den Stadtrat gilt.

Von 9 auf 11 Sitze?

Im Parlament hält die SP derzeit neun Sitze. Nach den Wahlen sollen es elf sein. «Wir können mit drei Listen und 60 Kandidierenden antreten, sind also breit abgestützt», nennt Katharina Ali-Oesch den Hauptgrund für die Zuversicht der SP.

Und sie fügt an: «Wenn sich so viele Leute bereit erklären, für die SP zur Wahl anzutreten, können wir durchaus davon ausgehen, dass wir zulegen können.» Dies, zumal gerade die Frauen – 29 Kandidatinnen – und die Jungen – 13 Kandidierende unter 25 Jahren – stark vertreten seien. Die Frauenliste sei zuerst bloss ein Wunsch gewesen, dann aber «zügig Realität geworden».

Punkten will die SP auch mit ihren Wahlkampfthemen und den Schwerpunkten in der ­nächsten Legislatur. Beispiele? «Brandaktuell ist immer noch die Verkehrssituation», sagt Ali-Oesch und spricht die geplante Parkplatzaufhebung in der Innenstadt an.

Das gehe einher mit der Frage: «Was für eine Innenstadt wollen wir?» Im Wohnbereich stehe mit der Überbauung Freistatt ein grosses Projekt an, «bei dem wir klare Vorstellungen haben». So möchte die SP etwa einen deutlich höheren Anteil an genossenschaftlichem Wohnungsbau als der Gemeinderat.

De Meuron soll es richten

Die Grünen erreichten 2014, zusammen mit den Jungen Grünen, einen Wähleranteil von 13 Prozent bei den Stadtrats- und einen Wähleranteil von 11,4 Prozent bei den Gemeinderats­wahlen. Diesen Wert vermochte die Partei im vergangenen Frühling bei den Grossratswahlen mit 12,4 Prozent zu halten. Roman Gugger, Vizepräsident der Grünen Thun, ist im Hinblick auf den 25. November daher zuversichtlich.

«Unser klares Ziel ist es, mit Andrea de Meuron in den Gemeinderat einzuziehen», sagt er und schiebt nach: «Am liebsten nicht auf Kosten der SP.» Im Stadtrat peilen die Grünen nebst den vier bisherigen einen zu­sätzlichen Sitz an, ausserdem soll der eine Sitz der Jungpartei verteidigt werden.

Thematisch wollen die Thuner Grünen im Wahlkampf den Blick unter anderem auf die geplante Aufhebung oberirdischer Parkplätze in der Innenstadt richten. «Der aktuelle Stand der Dinge macht dies nötig», sagt Gugger.

Er spricht damit den Entscheid von Regierungsstatthalter Marc Fritschi an, der die Frist zur Umsetzung einer Kompromisslösung bis Ende Jahr und somit bis nach der Eröffnung des Schlossberg-Parkings verlängerte. Laut Gugger sind «clevere Mobilität, die nachhaltige Stadtentwicklung und klimaneutrales Bauen» weitere Themen, auf welche die Grünen ihren Fokus richten wollen – sowohl im Wahlkampf als auch in der kommenden Legislatur.

Korrigieren möchte die Partei in den nächsten vier Jahren überdies die «haltlose Veloparkiersituation» im Bereich Mönchstrasse am Bahnhof Thun. «Das konnte bisher nicht realisiert werden, weil die Bürgerlichen das Geschäft zurückgewiesen haben», sagt Vizepräsident Roman Gugger.


In den nächsten Tagen erscheinen: Die Ziele der Mitteparteien und die Ziele der Bürgerlichen. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 10.10.2018, 10:09 Uhr

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