Grindelwald

Ludmila und Oleg Protopopow sind Ehrengäste in Sotschi

GrindelwaldSie waren das Todes-Spiralen-Paar: Oleg Protopopow und Ludmilla Beloussowa. Die Olympiasieger leben seit 35 Jahren in Grindelwald und sind Ehrengäste bei den Olympischen Spielen von Sotschi.

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Nun schon seit 35 Jahren leben die zweifachen Olympiasieger im Paarlaufen Oleg und Ludmila Protopopow im Winter in Grindelwald. Obwohl die beiden gebürtigen Leningrader mittlerweile um die achtzig sind, zaubern sie noch jeden Tag im Sportzentrum ihre einmaligen Figuren auf das Eis.

Sie wohnen in einer heimeligen Wohnung im Spillstatt-Quartier und geniessen die einzigartige Aussicht auf die Eigernordwand und das Wetterhorn. «Uns gefällt alles in der Schweiz. Wir lieben sämtliche Schweizer Spezialitäten», gestehen die Protopopows. Ludmila liebt besonders die leckeren Käsesorten und Milchprodukte, und Oleg hat es das gute Schweizer Fleisch angetan. Die im künstlerischen Ausdruck unerreichten Auftritte der zweifachen Olympiasieger, vierfachen Welt- und Europameister und x-fachen Landesmeister und die Duelle mit dem deutschen Paar Marika Kilius und Hansjürgen Bäumler machten die beiden Russen unvergessen.

Werden immer noch erkannt

Es ist bald 50 Jahre her , seit das Wunderpaar 1964 in Innsbruck und 1968 in Grenoble Olympiasieger geworden ist. Auch nach einem halben Jahrhundert bekommen die beiden charismatischen Wahlschweizer Fanpost und werden von Touristen im Gletscherdorf erkannt. Besonders im Vorfeld von Olympischen Spielen erinnern sich die Medien an das legendäre Paarlaufpaar. Soeben ist eine Equipe des russischen Staatsfernsehens nach Grindelwald gekommen, um im Hinblick auf die Spiele im eigenen Land eine Reportage über die Protopopows zu machen.

Der russische Eiskunstlaufverband hat das Paar, wel-ches Eiskunstlaufgeschichte geschrieben hat, als Ehrengäste zu den Olympischen Spielen von Sotschi eingeladen. Weil sich jetzt der russische Verband, wie es sich eigentlich gebührt, plötzlich um das Visum kümmert, scheint der Reise an das Schwarze Meer nun nichts mehr im Wege zu stehen.

Vieles hat sich geändert

Vieles sei jetzt anders geworden als in ihrer Glanzzeit in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. «Wir hatten zwar Igor Moskawin, Peter Orlow und Stanislaw Schuk als Eislauftrainer, aber die Musik und die Choreografie haben wir für unsere Auftritte selber zusammengestellt», verriet Oleg Protopopow. Heute hätten die Spitzenpaare eine Entourage von Eislauf-, Konditions- und Mentaltrainer n sowie Choreografen und Physiotherapeuten um sich, mokiert sich der Altmeister. Bei ihnen hätten die Preisrichter auf dem Eis noch die Noten hochgehalten und die Teilnehmer hätten, an die Eishockeybande gelehnt, auf das Resultat gewartet, so Ludmila lachend.

Heute sitzen die Trainer und die Choreografen mit ihren Schützlingen in einer Lounge mit bequemen Sesseln und warten, bis das Resultat elektronisch und digital gross auf einem Screen erscheint. Verachtung war zu erkennen, als der im 82. Lebensjahr stehende russisch-schweizerische Doppelbürger verriet, dass heute eine Vorführung nur noch viereinhalb und nicht mehr fünf Minuten dauert.

Keine Prognose

Im Kampf um Gold wird es in Sotschi zum spannenden Duell des Deutschen Robin Szolkowy mit Partnerin Aljona Savchenko und den russischen Weltmeistern Maxim Trankow und Tatjana Wolososchar kommen. Oleg Protopopow wagt da keine Prognose. Ist aber der Meinung, dass der Olympiasieg im Kopf entschieden wird.

Dass der studierte Sportwissenschaftler anhand von Plänen fähig ist, Tonbandgeräte und Recorder zu reparieren, entzückt. Auch die bezaubernden Videolehrfilme über die legendären Eislaufauftritte mit der Musik der grossen russischen Meister Igor Strawinsky und Sergei Rachmaninow zu vertonen, stellt Tausendsassa Oleg Protopopow vor keine grossen Probleme. Und erstaunlich ist, dass die charmante und herzliche Ludmila nach 70 Jahren knochenhartem Spitzensport in den Gelenken noch keine Abnützungserscheinungen hat. (Berner Oberländer)

Erstellt: 06.02.2014, 12:03 Uhr

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