Lieber Kinderbücher gestalten als Steuern veranlagen

Thun

Der Steuerexperte Stefan Giger aus Thun gab seinen sicheren Job auf, um seine kreative Seite ausleben zu können. Jetzt hat er ein Bilderbuch herausgegeben.

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Ende des Jahres 2013 war die Entscheidung gefallen. Stefan Giger kündigte seinen Job. Mit dem Dienstaltersgeschenk für zehn Jahre Arbeit bei der Steuerverwaltung in der Tasche startete er eine Reise in die Ungewissheit.

Er spürte, dass er eine berufliche Neuorientierung braucht. «Ich wollte nicht ewig dort arbeiten, höchstens zehn Jahre», sagt er. Daher fiel es dem spontanen Menschen leicht, einen Schlussstrich unter seine Zeit als Steuerexperte zu ziehen.

Kreativ seit der Kindheit

Dass Stefan Giger ein sehr kreativer Mensch ist, lässt sich bereits an den vielen Acrylbildern erkennen, die an den Wänden seiner hellen, stilvoll eingerichteten Wohnung hängen. Schon seit langer Zeit zeichnet und malt er gerne, aber trotzdem hat er sich gegen eine Ausbildung im künstlerischen Bereich entschieden. Könnte er heute noch einmal wählen, würde er sich eher für einen gestalterischen Beruf entscheiden, anstatt eine KV-Lehre in einem Notariat zu absolvieren.

Denn eigentlich wollte er schon als Kind Architekt werden. Bis heute interessiert sich der sportliche und musikbegeisterte Mann sehr für Architektur. Wenn er von seiner Kindheit erzählt, breitet sich sofort ein Lächeln auf Gigers Gesicht aus. Gerne erinnert er sich an die schöne und unbeschwerte Zeit zurück. Er beschreibt seine Kindheit in Thun als eine extrem kreative Zeit. Damals entdeckte er seine grösste Leidenschaft, zu der er jetzt zurückgekehrt ist.

Nach seiner Kündigung lag die Zukunft wie eine grosse weisse Leinwand vor Stefan Giger, und er war bereit, diese zu bemalen. Wie das fertige Kunstwerk genau aussehen würde, wurde ihm erst später klar. Die erste Illustration für sein Kinderbuch, die im Februar entstand, war ein Zufallsprodukt. Obwohl er nie von einem eigenen Kinderbuch träumte, fand er immer mehr Gefallen an dieser Idee.

So beschäftigte sich der 31-Jährige immer mehr und vertiefter mit der grafischen Gestaltung und dem Zeichnen am Computer. Da Stefan Giger kein Mann ist, der Kompromisse eingeht, gründete er sogleich ein Einzelunternehmen.

Tiere aus Kreisen und Linien

«Ich wollte etwas Individuelles und Einzigartiges herstellen», antwortet er auf die Frage, warum sein Buch «32 Tiere» keinen Text enthält und die Tiere nur aus Kreisen und Linien bestehen. Sein Bilderbuch empfiehlt Giger für Kinder ab drei Jahren, aber dank der ausschliesslich geometrischen Darstellung der Tiere ist es auch für ältere Kinder geeignet. Neben dem Buch gibt es auch noch ein Memory-Spiel und Postkarten mit demselben Design.

Für Stefan Giger hat sich sein Weg gelohnt, auch wenn er sein Einzelunternehmen momentan noch als Verlustgeschäft bezeichnet. Er sagt, er habe in diesem halben Jahr mehr gelernt als je zuvor. Er lebt jetzt seinen Traum, hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist glücklich, obwohl er dafür sehr viel geopfert hat. «Andere investieren in Ferien, ich investiere in meine kreativen Projekte», meint er dazu. Seine Kreativität auszuleben, gibt Giger mehr zurück als die Arbeit als Steuerexperte. Deshalb bereut er seine radikale Entscheidung auch nicht.

Thuner Tagblatt

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