Thun

Kulturzentrum Thun: «Es darf kein rechtsfreier Raum werden»

ThunThuns Gemeinderätin Ursula Haller (BDP) setzt sich ein weiteres Mal für die Jungen ein. «Sie haben es nun in der Hand, etwas Kreatives zu machen.»

Ursula Haller, Gemeinderätin (BDP).

Ursula Haller, Gemeinderätin (BDP). Bild: Patric Spahni

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Jugendparlament, ein virtueller 41.Sitz im Stadtrat und einiges mehr: Seit mehr als zehn Jahren setzen Sie sich dafür ein, Wünsche von Jugendlichen zu erfüllen – doch umgesetzt haben es die Jungen bisher nie. Wird es jetzt klappen?
Ursula Haller: Ich bin ganz positiv darauf eingestellt und glaube, dass sie es dieses Mal schaffen. Die jungen Erwachsenen wollen einen Freiraum für nicht kommerzielle Kultur – diesen bieten wir ihnen nun und schaffen die Rahmenbedingungen dafür.

Und was ist denn Ihre Funktion dabei?
Ich habe die politische Federführung für dieses Projekt übernommen und es zur Chefsache erklärt. Doch vorläufig liegt der Ball bei den Jugendlichen.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass es funktionieren wird?
Es ist eine andere Zeit, mit anderen Jugendlichen, und ein neuer Anlauf. Bei allen vorgängigen Projekten gab es in der Umsetzungsphase zu wenig Leute, die dabeiblieben und sich engagieren wollten.

Wie geht es nun weiter?
Eine Vertretung der Jugendlichen hat die Räumlichkeiten am Mittwoch erstmals gesehen. Sie haben ihnen gefallen. Da ihre Meinungsbildung aber basisdemokratisch erfolgt, müssen wir vorerst ihre Vollversammlung und ihren Entscheid abwarten. Dann sehen wir weiter.

Was für Lokalitäten sind das?
Es sind drei Räume von insgesamt 250 Quadratmetern in einem aus unserer Sicht unsensiblen Gebiet in kurzer Distanz zum Bahnhof. Die Jungen sollen sie besenrein erhalten, nicht «pfannenfertig», sprich fertig umgebaut und gestaltet.

Was sollen die Jungen tun?
Sie sollen die Lokalitäten gestalten, streichen, möblieren und das Konzept und den Betrieb selber aufbauen können. So, dass sie eine persönliche Beziehung und damit auch Freude zur gestellten Aufgabe entwickeln können. Unser Ziel ist, mit möglichst wenig Aufwand und Kosten ab 2013 einen einjährigen Testbetrieb durchzuführen. Der Gemeinderat entscheidet danach, wie es weitergeht.

Im Stadtrat sagten die SVP-Stadträte, dass sie keinen rechtsfreien Raum dulden würden. Was tun Sie, wenn in Thun eine Berner Reithalle entsteht?
Das ist kein Thema. Auch der Gemeinderat duldet keinen rechtsfreien Raum, dies habe ich deutlich erklärt. Ebenso wenig ein autonomes Jugendzentrum oder sonst ein problembeladenes Objekt.

Und was sind Ihre Bedingungen?
Sämtliche Veranstaltungen, die dort stattfinden werden, werden die bekannten gesetzlichen Bestimmungen betreffend Lärm, Öffnungszeiten et cetera einzuhalten haben. Es muss ein Verein gegründet werden mit konkreten Ansprechpersonen seitens der Jungen. Auch wird es einen Vertrag mit der Stadt geben, der alles regelt. Ich bin überzeugt, dass die Jugendlichen diese Rahmenbedingungen akzeptieren werden.

So auch die Stadtratsmitglieder?
Ich denke schon. Stadtratsmitglieder sollen unser Projekt begleiten – zum Beispiel mit einer Art politischem Beirat. Wir wünschen uns, dass dieser Freiraum für Jugendliche von Politikerinnen und Politikern aus verschiedenen Parteien begleitet wird, damit die gegenseitige Akzeptanz erhöht werden kann. Doch grundsätzlich sollen die Jungen das Sagen haben.

Wieso nennt die Stadt das geplante Kulturzentrum eigentlich NKK Perron Thun?
Das ist ein interner Arbeitstitel. NKK steht für nicht kommerzielle Kultur. Perron Thun ist einerseits eine Anlehnung an die jugendliche Gruppierung A-Perron, welche sich relativ früh bei uns mit einem derartigen Anliegen meldete und sich durch andere Aktivitäten Gehör verschaffte. Weil sich die Lokalitäten beim Bahnhof befinden, ist der Name Perron Thun aber auch deswegen naheliegend. Über den Namen entscheiden werden jedoch auch hier die Jungen.

Diese Räume gehören der Stadt und der Post. Wie viel investiert eigentlich die Stadt in dieses Zentrum für nicht kommerzielle Kultur?
Die Lokalitäten standen seit längerer Zeit leer. Leider hat es die Post abgelehnt, auf ihre Hälfte der Mieteinnahmen zu verzichten. Deshalb muss die Stadt die jährlichen Gesamtkosten von rund 19'000 Franken allein tragen.

Wieso hat die Post abgelehnt?
Die Verantwortlichen schrieben uns, sie könnten auf die Mieteinnahmen nicht verzichten. Eigentlich erstaunlich, denn das Projekt ist ein gesellschaftliches Jugendanliegen. Die Post ist auch Teil unserer Gesellschaft. Ihr Sponsoringbeitrag wäre bestimmt als sympathische Geste wahrgenommen worden.

Und die übrigen Kosten für die baulichen Massnahmen, die Möblierung, den Strom et cetera. Mit welchen Kosten rechnen Sie noch?
Da gibt es vorerst nur Schätzungen. Das Projekt sieht vor, dass die Jugendlichen möglichst viel der notwendigen Arbeit selbst machen. Dies fördert die Eigeninitiative, die Kreativität und auch die Identität zu den Lokalitäten. Ziel ist, die Kosten so gering wie möglich zu halten und anfallende Arbeiten möglichst durch die Jungen und eventuell mit einem Arbeitseinsatz von Erwerbslosen auszuführen.

Was raten Sie nun den Jungen?
Ich wünsche mir, dass Sie ihre Chance packen, das Kulturzentrum aufbauen und sich auf diese Weise im positiven Sinne selbst verwirklichen können.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 28.09.2012, 08:14 Uhr

Artikel zum Thema

Thun schafft Freiraum für die Jugend

Thun Thun erfüllt den Jungen einen Wunsch: Sie stellt ihnen beim Bahnhof Räume zur Verfügung. Starten könnte das einjährige Projekt im Januar. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hammerschlag für die Kunst: 15 Asylsuchende aus Afghanistan, Eritrea und Sri Lanka arbeiten im Kunstsilo in Emmen für die Ausstellung «Ich bin hier». (21. September 2017)
(Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey) Mehr...