Thun

Kübli ist Kapitän für ein Jahr

ThunEr steuert das Politschiff als höchster Thuner durch das Wahljahr 2018: Andreas Kübli ist der erste grünliberale Stadtratspräsident. Der 52-jährige Familienvater will Brücken bauen. Und hofft, dass die Kriegsschiffe im Dock bleiben.

Andreas Kübli hat das Steuer fest im Griff. Als Treffpunkt für das Interview mit dieser Zeitung hat der neue Stadtratspräsident das Motorschiff Stadt Thun ausgewählt.

Andreas Kübli hat das Steuer fest im Griff. Als Treffpunkt für das Interview mit dieser Zeitung hat der neue Stadtratspräsident das Motorschiff Stadt Thun ausgewählt. Bild: Patric Spahni

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Die Sonne steht tief über dem Stockhorn, die Stadt Thun liegt ruhig da. Das Schiff ist sicher ­vertäut, der Kapitän steht auf der Kommandobrücke, hält das mächtige Steuerrad fest in den Händen. Schliesslich ist es gut möglich, dass noch der eine oder andere Sturm aufziehen wird.

Ein echtes Schiff hat der Mann mit der Stoppelfrisur, der Brille und dem angedeuteten Bärtchen zwar noch nie gesteuert. Aber im Jahr 2018 ist Andreas Kübli sozusagen der Politkapitän: Der 52-Jährige ist der designierte Stadtratspräsident. Der höchste Thuner also.

Andreas Kübli, morgen gehen Sie in die Geschichte der Stadt Thun ein. Wie fühlt sich das an?
Andreas Kübli: (schmunzelt) Das fühlt sich natürlich sehr gut an. Da ist eine Art innere Aufregung. Auf der anderen Seite habe ich grossen Respekt vor der Aufgabe.

Historisch ist auch, dass Sie der erste Grünliberale im Amt des Stadtratspräsidenten sind...
Gewählt werde ich als Vertreter der Fraktion der Mitte. Sie entschied, wem sie den Vorrang geben wollte.

Mittlerweile hat Kübli die Kommandobrücke verlassen und sich für das Interview an einen Tisch im Motorschiff Stadt Thun gesetzt. Das Thema Brücke bleibt aber präsent. Zwar tüftelt der BLS-In­formatiker auch in der Freizeit gerne und vermag sich für alle möglichen technischen Themen zu begeistern. Doch im Vordergrund steht stets der Mensch. Und als Stadtratspräsident will Andreas Kübli auf das Thema Brücken setzen.

«Die Wahlen lassen das eine oder andere aufbrechen, über das man in anderen Jahren hinwegginge.»Andreas Kübli

Was haben Sie sich konkret ­vorgenommen?
Seit ich im Stadtrat bin, hat jeder Stadtratspräsident gesagt, er wolle vermitteln. Für mich als Mittepolitiker ist das vielleicht ein bisschen einfacher. Wenn die Wogen hochgehen, möchte ich die Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene zurückführen. Ich möchte Brücken bauen.

Es ist ein Wahljahr. Denken Sie, die politischen Gewässer in Thun werden 2018 rau sein?
Ich habe das Gefühl, es wird nicht gerade eine stürmische See – aber es wird wohl doch ein bisschen rauer sein. Die Wahlen lassen das eine oder andere aufbrechen, über das man in anderen Jahren hinwegginge. Ich erhoffe mir, dass man fair miteinander umgeht und nicht die Kriegsschiffe auspackt.

Zuletzt dauerten die Diskussionen im Stadtrat zum Teil sehr lange. Ist das gut oder schlecht?
Ich bin absolut dafür, die Diskussion laufen zu lassen, solange sie neue Fakten bringt. Auf der an­deren Seite ist gerade im Wahljahr die Gefahr da, dass Wahlkampf und nicht Sachpolitik gemacht wird. Es ist mir wichtig, dass man nicht sich selber, sondern die Sache positioniert.

Die Sache: Sie steht für Andreas Kübli im Vordergrund. Im Rat ist er keiner, der politisch Andersdenkende frontal angreift, der laut und heftig wird. «Dass es nicht unter die Gürtellinie geht, ist die Grundvoraussetzung», sagt er. Es solle nicht darum gehen, die Ar­gumente der anderen schlecht­zumachen. Sondern selber Lösungen beizutragen. Es ist mit ein Grund, warum er in die Politik ­eingestiegen ist. Politisiert – im weitesten Sinn – wurde er schon als Knirps: An jedem Abstimmungstag begleitete er den Vater ins Abstimmungsbüro und durfte das Couvert in die Urne werfen. «Ich stimme heute noch wenn irgend möglich direkt an der Urne ab», sagt Kübli. Erstmals zu Thuner Wahlen trat er 2006 an – damals für die FDP. Als ein Jahr später die Grünliberalen Thun gegründet wurden, wusste er: «Das ist genau meine Partei.»

«Für mich ist das Stadtratspräsidium weniger eine Krönung, eher eine Belohnung für die Arbeit in den letzten 15 Jahren hier in der Region.»Andreas Kübli

Böse Zungen sagen, die Grünliberalen seien weder Fisch noch Vogel – und «grün» sowieso nur ein Deckmäntelchen. Was antworten Sie solchen Leuten?
Sie könnten mal schauen, wie wir im Stadtrat abgestimmt haben – und zwar sowohl was das «liberal» als auch was das «grün» angeht. Finanzpolitisch positionieren wir uns tendenziell mit den Bürgerlichen. Wenn es aber Richtung «sozial» und vor allem auch «ökologisch» geht, sind wir klar auf der anderen Seite. Ein Beispiel ist der Energiefonds, den wir unterstützt haben.

Nun, an Energie mangelt es dem ehemaligen Handballer und Skifahrer selber nicht. Ski fahre er zwar kaum noch – dafür wollen er und seine Frau mit Langlauf beginnen. Wird der Computerspezialist mit Affinität zu Social Media als Stadtratspräsident von solchen privaten Aktivitäten Bilder posten? Oder sich via Social Media politisch engagieren? Kübli winkt ab. «Als Stadtratspräsident werde ich Twitter und Facebook nicht gross nutzen.» Überhaupt sei das Politisieren eben nicht die Kernaufgabe des höchsten Thuners. Insofern könne er sich im Wahljahr zwar zeigen, sei aber durchaus auch eingeschränkt.

Sie sind seit 2012 im Stadtrat, kandidierten 2014 für den Gemeinderat. Ist das Stadtratspräsidium die Krönung Ihrer politischen Karriere? Oder gibt es womöglich weitere Schritte?
Mit 52 ist das mit den weiteren Schritten ein bisschen schwierig – auch wenn Bundesräte in der Regel noch ein bisschen älter sind (lacht). Nein, weitere Schritte sind nicht vorgesehen – für den Gemeinderat kandidiere ich dieses Jahr Stand heute nicht. Für mich ist das Stadtratspräsidium weniger eine Krönung, eher eine Belohnung für die Arbeit in den letzten 15 Jahren hier in der Region.

Sie kandidieren 2018 nebst dem Stadtrat auch für den Grossen Rat – wie Ihre Tochter und Ihr Sohn, die für die jungen Grünliberalen antreten. War es Ihnen wichtig, den Kindern mitzugeben, dass Sie sich engagieren?
Nicht in Bezug auf diese Wahlen – aber in Bezug auf politische Aktivitäten schon. Ich habe darauf hingearbeitet, dass sie sich informieren und dass sie abstimmen. Wichtig war mir nicht, wie sie stimmten, sondern dass sie die Chance zum Mitgestalten nutzen.

«Thun muss sich für Firmen besser positionieren. Wir müssen es schaffen, nachhaltige Industrie herzuholen.»Andreas Kübli

Mitgestalten: Das ist Andreas Kübli wichtig. Im Kanton, in der Stadt, die für den in der Nähe von Biel Aufgewachsenen zur Heimat geworden ist, seit er 1997 mit seiner Frau hierhergezogen ist. Er ist Mitgründer der Kita Glütschbach in Thierachern, war viele Jahre Präsident des Allmendingen-Leists, wurde 2012 in den Stadtrat gewählt. Die Region, die Stadt – sie liegen ihm am Herzen.

Kurz und bündig: Was ist die grösste Stärke Thuns – und was muss sich ändern?
Man soll mit etwas Positivem aufhören, deshalb sage ich zuerst, was sich ändern sollte: Thun muss sich für Firmen besser positionieren. Wir müssen es schaffen, nachhaltige Industrie herzuholen. Ein zweiter Punkt ist der Verkehr. Ich hoffe sehr, dass wir eine anständige Verkehrssituation haben werden, wenn mal all die Baustellen Geschichte sind.

Und das Positive?
Die Lage, all die Möglichkeiten, die wir hier haben! Andreas Kübli deutet auf den Schiffskanal, die verschneiten Berge im Hintergrund, die ins goldene Sonnenlicht getaucht sind. Es braucht keine weiteren Worte. Und überhaupt ist es mittlerweile Zeit aufzubrechen. Das Abenteuer am Ruder des Thuner Politschiffs kann beginnen. Doch für heute geht der Kapitän von Bord. Als Letzter, wie es sich gehört.

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 18.01.2018, 06:40 Uhr

Seit 1997 in Thun, seit 2012 im Stadtrat

Andreas Kübli wurde am 11. März 1965 geboren und wuchs in der Nähe von Biel auf. 1997 zog er mit seiner Frau von Bern nach Thun. Die beiden haben eine 20-jährige Tochter und einen 18-jährigen Sohn. Kübli machte eine kaufmännische Ausbildung, schloss später ein Wirtschaftsinformatikstudium ab, war über Jahre hinweg im Personalwesen tätig und arbeitet heute als Informatiker und Business-Analyst bei der BLS. Seit 2012 sitzt er für die Grün­liberalen im Thuner Stadtrat. 2014 kandidierte er für den Thuner Gemeinderat. Kübli ist Vorstandsmitglied der Grünliberalen Thun, war von 2011 bis 2017 Präsident des Allmendingen-Leists und ist Gründungsmitglied der Kita Glütschbach in Thierachern. mik

Grünliberale sind die zehnte Partei

Andreas Kübli, der morgen Freitag zum Stadtratspräsidenten gewählt wird, ist der erste Grünliberale im Amt des höchsten Thuners. Die Grünliberalen sind im Stadtparlament Teil der Fraktion der Mitte. Die Reihenfolge der für das Stadtratspräsidium berücksichtigten Fraktionen wurde nach den letzten Wahlen im Dezember 2014 von der Stadtratspräsidienkonferenz für 6 Jahre festgelegt. Die Grünliberalen sind die insgesamt zehnte Partei, die in den letzten 100 Jahren die höchste Thunerin oder den höchsten Thuner stellt. Bisher waren dies: FDP, Bauernpartei/später SVP, SP, WpMP (steht laut Auskunft des Stadtarchivs für «Wirtschaftspolitische Mittelpartei», sie stellte einzig 1925 das Präsidium), LdU, EVP, CVP, Grüne und BDP. mik

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