Kräftemessen mit bunten Karten

Der Magic Club Thun hat sich dem Kartenspiel verschrieben. Gespielt wird um Ländereien, Artefakte oder zauberhafte Mächte. Mann gegen Mann.

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Junge Männer gehen abends in eine Bar, gedämpftes Licht; Bier und Drinks werden bestellt. So weit, so normal, eigentlich nichts Aussergewöhnliches. Doch im Mundwerk in Thun tut sich noch etwas: Eine Gruppe hat sich in den hinteren Teil zurückgezogen, rückt Tische aneinander, stellt Stühle zurecht und hantiert mit Karten. Glücksspieler?

«Jetzt machen alle ihre Decks parat», ruft Roman Wyss, mit rotem Polohemd und Hut, in die Menge, und gleich darauf beginnt ein emsiges Treiben. Er ist Präsident einer besonderen Kartenspielervereinigung des Magic Club Thun. Unterlagen werden aufgetischt, Spielkarten verteilt, sortiert, auf Stapel gelegt und Würfel bereitgelegt.

Eine Fantasywelt eröffnet sich, plötzlich ist man nicht mehr in Thun, sondern befindet sich im weitläufigen Universum von «Magic – The Gathering», was auf Deutsch so viel bedeutet wie «Magie der Versammlung».

20 Leben stehen auf dem Spiel

Und versammelt sind viele Kreaturen, dargestellt auf den farbenfrohen Karten, die auf den Tischen liegen: Zauberer, Elfen, Wasserwesen, Hexen oder Dämonen. «Das erlist der de dr Gring», sagt ein Spieler vom Club, als er seine Karten auslegt, «Gopf», ein anderer, weil die Karten einfach irgendwie nicht so recht zusammenpassen wollen.

Das Deck repräsentiert das Wissen eines jeden Zauberers, welche Kräfte er gegen seine Gegner einsetzen kann, sozusagen die «Trümpfe», um einen bekannten Vergleich zu haben.

Wer die Karten für sein Deck sorgfältig auswählt, kann seine Kräfte vervielfachen. Ein Deck besteht heute Abend aus vierzig Karten, aus dem gemischten Stapel zieht man sieben Karten und beginnt. Es ist ein Kräftemessen mit Karten. Um die Kreaturen – nehmen wir einen Dämon – einzusetzen, braucht es Mana, also die magische Energie in Form von Länderkarten, damit diese Karten ausgespielt werden können. Angriffe kann man übrigens auch abwehren, um einen Verlust eines Lebens zu verhindern.

«Gewonnen hat jener Zauberer, der es schafft, die 20 Leben seines Gegners auszulöschen», sagt Präsident Roman Wyss. Jeder versuche, dem anderen mit einer möglichst raffinierten Technik immer einen Schritt voraus zu sein. Als Geldmittel dienen Länderkarten, als Werkzeuge Artefakte, Spontanzauber- und Hexereikarten. Die Kreaturenkarten wiederum sind die ei­gentliche «Armee» eines jeden Spielers, die er je nach Herausforderung einsetzen kann.

Keine Berührungsängste

Wer zum ersten Mal Spieler von «Magic – the Gathering» sieht, wie sie mit ihren Karten hantieren, wird von der Fülle von Farben, Fähigkeiten und Regeln schier erschlagen. Doch Vorstandsmitglied Simon Furer sagt, man dürfe sich davon nicht abschrecken lassen: «Für Anfänger gibt es komplette, gemischte Decks, mit denen man gleich loslegen kann.»

Die Karten sind un­terteilt in Weltenwanderer, Ländereien, Verzauberungen, Kreaturen, Artefakte oder Zaubersprüche. «Jede Karte wird von einem namhaften Künstler gezeichnet», erzählt dazu Vorstandsmitglied Tim Grunder. «Einzelne Karten sind mehrere Hundert Franken wert.»

Deshalb werden diese auch pfleglich behandelt und vor dem Spiel in eine Plastikschutzhülle gesteckt. «Damit lässt es sich einfacher mischen.» Und: Man weiss ja nie, wann man die Karten noch einmal teuer verkaufen kann.

«Wir haben auch einen Whats­app-Chat, womit wir uns spontan verabreden, aber auch Herausforderungen diskutieren, ein bisschen Blödelei gehört natürlich auch immer dazu», so Grunder. Die Fangemeinde des Spiels ist international, deshalb spielt man in Thun mit englischen Karten. Und reist auch an Turniere: etwa an den internationalen Grand Prix, der vom 24. bis 26. November im französischen Lyon stattfindet.

Im Club mitmischeln können aber nicht nur Profis, auch Anfänger sind willkommen. «Nach einer guten halben Stunde Einführung kann man die ersten Spielzüge machen.» Die Clubmitglieder stammen aus verschiedensten Berufsschichten, vom Handwerker bis zum Akademiker. Wer also auch nach Feierabend in eine Fantasywelt eintauchen und nebenher gemütlich etwas trinken will, ist bei den Thuner Kartenspielern bestens aufgehoben.

Kontakt Magic Club Thun: Präsident Roman Wyss, wideblitz@gmail.com oder www.facebook.com/AMThun. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 21.11.2017, 16:02 Uhr

Das Spiel

Das Spiel Magic – The Gathering erschien erstmals 1993 und war das erste seiner Art. Erfunden hat es der Amerikaner Richard Garfield. Mitspielen können zwei und mehr Personen, ein Spiel dauert im Schnitt 30 Minuten. Die Kombinationsmöglichkeiten sind schier unendlich, mittlerweile gibt es rund 14'000 verschiedene Karten zum Spiel.

Die Spielepäckchen erinnern an die Fussballsammelkarten. Hier werden sie Booster genannt – es sind 15 Stück –, und man öffnet diese erst kurz vor dem Spiel. Der Vorteil: Die Kosten bleiben kalkulierbar, man kann sich keinen Vorteil mit besseren Karten erkaufen. «Ein Päckchen kostet rund 5 Franken», sagt Roman Wyss. In Thun sind diese etwa bei Orell Füssli erhältlich, wo der Club auch seine Flyer aufliegen hat. Ein Einsteigerset mit 60 Karten, mit denen Anfänger gleich loslegen können, gibt es im Fachhandel für rund 20 Franken. Bis 2017 sind 18 Hauptsets und zahlreiche Editionen in mehreren Sprachen entschieden.

Der Spielmechanismus: Zwei oder mehrere Spieler übernehmen im Spiel die Rollen von sich duellierenden Zauberern, sogenannten Planes­walkers, also Weltenwanderern. Diese besitzen die Fähigkeit, durch die unterschiedlichen Welten des Multiversums zu reisen, unterschiedlichste Zauber zu lernen und Wesen aus anderen Welten zu treffen.

Jeder Spieler beginnt mit einem aus seinen eigenen Karten zusammengestellten Deck, das nicht mit dem des Gegners gemischt wird. Ein Deck repräsentiert das Wissen des Zauberers und gibt Auskunft darüber, welche Zauber er gegen seine Gegner einsetzen kann. Lebenspunkte sind ebenfalls wichtig, die Spieler starten klassischerweise mit zwanzig davon und sieben zufällig aus ihrem Deck gezogenen Karten.

Ziel des Spiels ist es, den Gegner durch geschicktes Agieren zu besiegen. Meist wird versucht, die Lebenspunkte des Gegners durch Angriffe mit Kreaturen auf null oder weniger zu reduzieren. Um einen Angriff zu starten, müssen Länderkarten eingesetzt werden, die magische Energie, das sogenannte Mana. Farben sind ebenfalls wichtig bei «Magic – The Gathering»: Es sind die Farben Weiss, Blau, Schwarz, Rot und Grün. Dahinter stehen Philosophien, Spielweisen, aber auch Vorstellungen, wie ein Problem zu lösen ist. fl

Serie

«Mir hei e Verein», sang Mani Matter einst, und stellte fest: «Bi mängisch stolz und ha mängisch gnue.» In einer losen Serie widmen wir all jenen einen Bericht über ihren Verein, die stolz sind, Teil eines Vereins zu sein – in der Hoffnung, jene neu motivieren zu können, die bisweilen genug haben. Es versteht sich von selbst, dass die Redaktion subjektiv und unvollständig auswählt, welche Vereine zum Zug kommen. Ein Hauptaugenmerk gilt jenen, die sonst kaum im Rampenlicht stehen, zentral ist, dass sie in der Region Thun/Berner Oberland etwas bewegen.

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