Thun

Kommt es in Thun bei den Wahlen 2018 zum Umbruch?

ThunHeute in einem Jahr wählen die Thuner den neuen Gemeinderat. Da Marianne Dumermuth (SP) nicht mehr antritt, rechnen sich diverse Parteien Chancen für einen (weiteren) Sitz aus. Vieles dürfte vom Verhalten der BDP abhängen.

<b>Sie prägen derzeit die Thuner Politik:</b> Stadt- und Gemeinderat bei der letzten Parlamentssitzung am 16. November.

Sie prägen derzeit die Thuner Politik: Stadt- und Gemeinderat bei der letzten Parlamentssitzung am 16. November. Bild: Michael Gurtner

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Marianne Dumermuth (SP) ist die einzige amtierende Gemeinderätin, die bei den Wahlen 2018 nicht wieder antritt. So weit, so klar. Die Frage, welche Folgen diese Konstellation haben wird, dürfte die Thuner Politik in den nächsten zwölf Monaten gehörig beschäftigen.

Zumal auch der Sitz von CVP-Gemeinderat Konrad Hädener, den die Fraktion der Mitte 2014 mit vereinten Kräften knapp geholt hat, alles andere als sicher ist und weitere Parteien Ambitionen anmelden. Wo stehen die Parteien ein Jahr vor den Gemeinderatswahlen?

SVP: «Wir sind für Gespräche offen»

Die SVP als wählerstärkste Thuner Partei ist in einer komfor­tablen Lage: Stadtpräsident Raphael Lanz und Bildungsvor­steher Roman Gimmel treten wieder an. «Das Ziel ist ganz klar, die beiden Sitze zu halten – im Sinne der Kontinuität», sagt ­Präsident Philipp Deriaz. Seine Partei bildet im Stadtrat seit 2014 mit der FDP eine Fraktion.

Deriaz spricht von einer «gu­ten, konstruktiven Zusammenarbeit». Trotzdem: Für konkrete Aussagen zu möglichen Listenverbindungen bei den Wahlen sei es noch zu früh. «Grundsätzlich sind wir immer für Gespräche offen», sagt Deriaz.

Diese stehen aber erst noch bevor, konkrete Angebote gebe es bisher nicht. Wäre für die SVP für die Gemeinderatswahlen auch ein Zusammengehen mit der BDP möglich? Auch dazu könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen, erklärt Deriaz.

SP: «Wir kämpfen umden zweiten Sitz»

«Unser Ziel ist, die beiden Sitze im Gemeinderat zu halten», sagt Jörg Weidmann, Co-Präsident der SP Thun. Dass Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung steht, ist klar. Für die Nachfolge von Marianne Dumermuth wurde eine Findungskommission eingesetzt, Namen von möglichen Kandidierenden kann Weidmann noch keine nennen.

«Die Geschlechterfrage ist wichtig», betont er. «Es muss unbedingt eine Frau im Gemeinderat sein.» Einen Sitz habe die SP auf sicher, der zweite dürfte umstritten sein. «Auch andere Parteien haben Ambitionen – das Rennen ist eröffnet. Wir kämpfen um den zweiten Sitz. Und wir haben sicher gute Chancen», führt Weidmann aus.

Zum Thema gemeinsame Listen – etwa mit den Grünen – sagt er: «Wir sind in Gesprächen. Entschieden ist noch nichts.» Bisher kein Thema war bei der Partei mit dem zweitgrössten Wähleranteil ein allfälliger Angriff auf Stapi Lanz.

Grüne: «Die Zeit ist reif füreinen grünen Gemeinderat»

Selbstbewusst ins Wahljahr 2018 steigen die Grünen. «Wir streben einen Gemeinderatssitz an – und werden auch dafür kämpfen», erklärt Parteipräsident Gerhard Schuster. Die Zeit sei reif für einen grünen Gemeinderat. Schon mehrmals fehlten nur wenige Stimmen, nun soll es endlich klappen.

«Mit einer Vakanz steigen unsere Chancen», sagt Schuster. Am ehesten als mögliche Gemeinderäte gehandelt werden Stadt- und Grossrätin Andrea de Meuron sowie Stadtrat Thomas Hiltpold. Mit wem die Grünen den Sitz holen wollen, dazu hält sich Schuster indes noch bedeckt.

Und: Obschon die Grünen der SP, ihrem wichtigsten politischen Partner, einen Sitz abluchsen könnten, steht einer engen Zusammenarbeit gemäss Schuster «nichts im Weg». Beschlossen worden sei jedoch noch nichts.

BDP: «Entscheidende Sitzung steht noch aus»

Noch sehr vage zu ihren Plänen äussert sich die BDP Thun. Parteipräsident Mike Müller hält auf Anfrage fest, dass heuer noch keine Details bekannt gegeben werden. «Die entscheidende Sitzung zu unserem Vorgehen bezüglich der Gemeinderatswahlen findet erst 2018 statt», sagt Müller. Auch zu Namen von möglichen Kandidatinnen oder Kandidaten hält sich die BDP noch bedeckt.

FDP: «Vier bürgerliche Sitze wären das Wunschszenario»

Zeno Supersaxo, Präsident der FDP Thun, nimmt kein Blatt vor den Mund: «Wir haben natürlich Ambitionen, das ist ganz klar.» Ebenso klar sei, dass die FDP den Wähleranteil deutlich steigern müsse, um Anspruch auf einen Gemeinderatssitz zu haben.

Und: «Das Ganze steht und fällt mit der personellen Frage.» Sprich: Wer für die FDP antreten könnte. Die Bücher seien da noch weit offen, die Kapitel würden erst geschrieben. Zu Namen – gerüchteweise genannt wird etwa Grossrat Carlos Reinhard – könne er noch nichts Konkretes sagen. Was Supersaxo nicht verhehlt: «Vier bürgerliche Sitze wären das Wunschszenario.»

Die FDP stehe vor einer grossen Aufgabe. «Wir müssen auch Leute überzeugen, die nicht unbedingt FDP-Wähler sind.» Zu Listenverbindungen führe die FDP mit verschiedenen Parteien Gespräche.

CVP: «Die Frage ist: Wohin geht die BDP?»

Bleibt noch die Fraktion der Mitte mit CVP, EDU, EVP und GLP. Vor vier Jahren hat sie es geschafft, Konrad Hädener (CVP) in den Gemeinderat zu hieven. «Diesen Sitz wollen wir halten», sagt CVP-Präsident Alois Studerus. Die Fraktion der Mitte werde auch bei den Wahlen 2018 gemeinsam antreten.

Weitere Sondierungsgespräche seien im Gang. «Der offene Punkt ist die BDP», betont Studerus. Die Fraktion der Mitte hege die Hoffnung, dass die BDP mithelfe, den Mittesitz zu halten. «Und wenn nicht, müssen wir umso mehr ‹i d Hose›!»

EVP: «Die kantonalenWahlen als Gradmesser»

«Wir werden Konrad Hädener sicher wieder unterstützen», hält EVP-Präsidentin Susanne Gygax fest. Noch Gegenstand von Diskussionen sei, ob die EVP weitere eigene Kandidaten für den Wahlzettel der Fraktion der Mitte aufstelle. Eine entscheidende Rolle spiele das Abschneiden der Partei bei den Grossratswahlen. «Die kantonalen Wahlen werden uns aufzeigen, welches Potenzial an Wählerstärke wir haben.»

GLP: «Aus der Mitte heraus den Sitz verteidigen»

Support erhält Thuns Bauvorsteher auch von den Grünliberalen. Stadtrat Andreas Kübli hält fest: «Es gibt derzeit keinen Grund, nicht wieder auf Konrad Hädener zu setzen.» Die GLP wolle weiterhin «aus der Mitte heraus» einen Sitz im Gemeinderat verteidigen. Den Anspruch auf einen allfälligen zweiten Sitz bezeichnet Kübli hingegen als «vermessen».

EDU: «Werden Hädenerwieder unterstützen»

Ein Bekenntnis für den Bauvorsteher gibt es auch von der EDU. «Wenn man sieht, was Konrad Hädener seit seiner Wahl bewirkt hat, ist klar, dass wir diesen Mann weitere vier Jahre brauchen», sagt EDU-Präsident Manfred Locher. Die Partei werde alles daransetzen, dass es mit der Wiederwahl klappe. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 25.11.2017, 11:01 Uhr

Kommentar: Es wird spannend

Ein Jahr vor den Thuner Wahlen ist noch sehr vieles offen – klar ist jedoch schon jetzt: Es wird spannend! Die amtierenden Gemeinderatsmitglieder haben die Karten auf den Tisch gelegt. Marianne Dumermuth (SP) tritt 2018 zurück, ihre vier Amtskollegen wollen es nochmals wissen. Dass es faktisch beim Status quo bleibt, ist möglich: Die vier Bisherigen werden wiedergewählt, für die SP ersetzt eine neue Kandidatin ihre Vorgängerin Dumermuth. So weit, so unspektakulär.

Denkbar sind aber auch ganz andere Konstellationen. Zum Beispiel, dass die SP als Partei mit dem zweitgrössten Wähleranteil plötzlich mit nur noch einem Sitz in der Regierung ­dasteht. Weil die Grünen, die mehrfach nur sehr knapp scheiterten, erstmals einen Sitz holen. Oder weil Bürgerliche und Mitteparteien ein Powerplay auf­ziehen und sich gleich vier Sitze unter den Nagel reissen – etwa mit der Rückkehr der FDP in die Regierung nach achtjähriger Absenz. Dazu bräuchte diese eine sehr starke Kandidatur.

Carlos Reinhard, der gerüchteweise gehandelt wird, konnte sein Profil als Grossratspräsident im Jahr 2016 schärfen. Es hängt also vieles von den Personen ab. Das weiss auch die SP, die gefordert ist, eine starke Kandidatin zu präsentieren. Fraglos wird es eine Frau sein müssen – ansonsten könnte der Thuner Gemeinderat allenfalls erstmals seit 1994 ein reines Männergremium sein. Was bestimmt nicht im Sinne der Linken wäre.

Eine wichtige Rolle spielt zudem die BDP. Auch wenn sich noch keine Partei in Sachen Listenverbindungen zu sehr in die Karten blicken lassen will, ist sie die einzige Partei, die (noch) nicht einem der drei Blöcke – links SP und Grüne, in der Mitte die Fraktion der Mitte (FdM), rechts SVP und FDP – zugeordnet werden kann. Sie könnte das Zünglein an der Waage spielen, etwa wenn sie sich der FdM anschliesst und so mithilft, den ­alles andere als gesicherten Sitz von Bauvorsteher Konrad Hädener zu verteidigen.

Es darf also munter spekuliert, gerätselt, gepuzzelt werden. Das ist einerseits gut so, schliesslich macht es die Politik spannend und lockt hoffentlich am 25. November 2018 möglichst viele Wählerinnen und Wähler an die Urnen. Andererseits besteht die Gefahr, dass sich die Parteiexponenten namentlich im Stadtrat in Wahlgeplänkel verlieren. Bleibt also zu hoffen, dass bei den Politikerinnen und Politikern auch im prickelnden Wahljahr 2018 das Wesentliche stets im Fokus bleibt. Nämlich möglichst gute Entscheide für Thun zu treffen.

m.gurtner@bom.ch

Michael Gurtner, Redaktor «Thuner Tagblatt».

Wer mit zusätzlichen Sitzen liebäugelt – und wer in erster Linie die Zahl der Sitze halten möchte

Die SVP ist heute im Thuner Stadtrat mit 11 Sitzen stärkste Partei. 2014 hat sie einen Sitz verloren. «Die Tendenz ist sicher so, dass wir diesen Sitz zurückholen wollen», sagt Parteipräsident Philipp Deriaz. Offiziell definiert worden seien die Wahlziele noch nicht, das hänge auch von den Grossratswahlen im Frühling 2018 ab. Bei der Kandidatensuche sieht Deriaz die SVP gut aufgestellt – er geht auch von einer «guten Durchmischung» aus.

Die SP schaffte bei den letz­ten Wahlen einen Sitzgewinn und steht bei 9 Sitzen. «Wir wollen nochmals zulegen», sagt Co-Präsident Jörg Weidmann – ohne eine Sitzzahl zu nennen. Für den Stadtrat sei die SP erst daran, Namen zu sammeln – «doch bei den Grossratswahlen war es überhaupt kein Problem, genügend Kandidatinnen und Kandidaten zu finden».

Ebenfalls um einen Sitz von 4 auf 5 zulegen konnten 2014 die Grünen. Genauer gesagt waren es die Jungen Grünen, denen dies gelang. «Unser Ziel ist es, mindestens die Sitze zu halten oder sogar noch einen dazuzugewinnen», sagt Parteipräsident Gerhard Schuster. Bei der Kandidatensuche lag der Fokus jüngst auf den Grossratswahlen, wo es gut laufe. «Einige dieser Kandidatinnen und Kandidaten werden wir auch für die Stadtratswahlen aufbauen», so Schuster.

Zu den Verliererinnen gehörte 2014 die BDP. Sie büsste ein Mandat ein und kam fortan auf 5 Sitze. «Bei den Wahlen im nächsten Jahr möchten wir auf alle Fälle die Sitzzahl halten. Wir streben aber mindestens einen weiteren Sitz an», sagt Präsident Mike Müller. Die aktuellen Stadträte würden «voraussichtlich» für eine weitere Amtsdauer kandidieren. Bezüglich Listenverbindungen seien noch keine definitiven Entscheide gefällt worden. Dass die BDP bei den Grossratswahlen mit der FDP zusammenspannt, ist laut Luginbühl «kein Präjudiz» für den Thuner Stadtrat. Die Suche nach Kandidaten laufe bereits «sehr gut».

Für die FDP ist laut Präsident Zeno Supersaxo das «Haupt­handicap, dass wir nicht mehr Fraktionsstärke haben». Die Fraktionsstärke soll 2018 wieder erreicht werden – was bedeutet, dass gegenüber heute 3 Sitzen mindestens einer dazukommen müsste. «Wobei», fügt Supersaxo an, «die Zusammenarbeit in der Fraktion mit der SVP schätzen wir sehr, und wir sind froh, dass wir uns so in den Kommissionen einbringen können.» Erfreulicherweise sei es weniger ein Problem als in früheren Jahren, Kandidierende für den Stadtrat zu finden.

Die EDU fokussiert laut Parteipräsident Manfred Locher auf das Halten der 2 Sitze. «In erster Linie muss dies unser Ziel sein», so Locher. Er und Parteikollegin Verena Schneiter werden beide wieder antreten. Ansonsten sei die Kandidatensuche «gut angelaufen».

Weder einen Sitzgewinn noch einen -verlust gab es 2014 für die EVP. 2018 «streben wir einen zusätzlichen dritten Sitz an», sagt Parteipräsidentin Susanne Gygax. Die beiden bisherigen Stadträte hätten signalisiert, sich für eine weitere Amtsdauer zur Verfügung zu stellen. Gygax setzt aber auch auf die neuen jungen Kräfte im Vorstand, «die sicher ihr Netzwerk auf der Suche nach Kandidaten einbringen werden».

Beim Wähleranteil zulegen ist gemäss Stadtrat Andreas ­Kübli das «realistische Ziel» für die GLP. Derzeit verfügen die Grünliberalen über 2 Sitze. «Dank eines Restmandats könnten es 2018 vielleicht 3 werden», erklärt Kübli. Fraktionsstärke zu erreichen, sei dagegen «sehr unwahrscheinlich». Die Kandidatensuche gestalte sich, gerade für eine kleine Partei, nie ganz einfach, aber die GLP strebe an, die Kandidaten für die Grossratswahlen auch zu einer Kan­didatur für den Stadtrat zu ­bewegen.

Bei der CVP ist «die Hoffnung da, den zweiten Sitz zurückzuerobern, den wir 2010 verloren haben», wie Alois Studerus ­betont. Er hofft zudem auf 2 bis 4 zusätzliche Sitze innerhalb der Fraktion der Mitte. Die Kandidatensuche sei bei der CVP nicht ganz einfach, da frühere Zugpferde nicht mehr zur Verfügung stehen – etwa Konrad Hädener, der in den Gemeinderat gewählt wurde. mik/gbs

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