Kleinflugzeuge werden nach unten gedrängt

Thun

An der Erweiterung des Luftraums im Zusammenhang mit dem geplanten Südanflug auf den Flughafen Bern-Belp stossen sich Gemeinden und Vertreter der Kleinfliegerei. Befürchtet wird deutlich mehr Fluglärm.

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Die Auflage des geplanten Südanflugs auf den Flughafen Bern-Belp bringt die Gemeinden in Zugzwang. «Wir sind von den Ereignissen überrollt worden», sagt beispielsweise Rudolf Reusser, Gemeindepräsident von Unterlangenegg. Das Zulgtal wird neben dem Emmental und dem Aaretal die Auswirkungen des neuen Anflugregimes zu tragen haben. «Ich gehe davon aus, dass da einiges auf uns zukommt», sagt Reusser. In erster Linie spricht er dabei nicht von den Linienflugzeugen, die Bern-Belp anfliegen und rund 800 Meter über seine Gemeinde hinwegfliegen. So spricht die Flughafenbetreiberin Alpar von jährlich 3300 Landungen.

«Vielmehr werden uns die kleinen Flugzeuge und der Durchgangsverkehr zu schaffen machen», sagt Reusser. Durch die Erweiterung des reservierten Luftraums für den Flughafen Bern-Belp werden sie nach unten gedrängt. «Davon betroffen sind auch Kleinflugzeuge auf der Durchreise», sagt Karl Stucki, Hobbypilot und Kenner der Aviatikszene. Bei gutem Flugwetter seien dies bis zu 200 Privatflugzeuge täglich, welche bislang auf ihrem Flug über die Alpen die Region Thun in grosser Höhe überqueren. Wenn diese Flugzeuge nun nach unten ausweichen müssen, werde die Bevölkerung zwangsläufig mit mehr Fluglärm konfrontiert. Über besiedeltem Gebiet beträgt die Mindestflughöhe 300 Meter, über unbesiedeltem 150 Meter. Zudem steigt das Risiko, dass etwas passiert (vgl. Grafik). Grundsätzlich ist es zwar möglich, den Tower in Belp um Erlaubnis zu fragen, den kontrollierten Luftraum zu durchfliegen. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Hobbypiloten einen grossen Bogen um den kontrollierten Luftraum machen.

Spannen die Gemeinden im Zulgtal zusammen?

«Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Flughafen Bern-Belp», stellt Unterlangeneggs Gemeindepräsident Reusser klar. Er bemängelt in erster Linie die späte und ungenügende Information. «Man wird das ungute Gefühl nicht los, dass die Flughafenbetreiberin die Gemeinden überfahren wollte.» Der Gemeinderat von Unterlangenegg will sich aber seinem Schicksal nicht einfach ergeben. Er hat die anderen Zulgtaler Gemeinden angeschrieben. «Wir könnten uns vorstellen, eine Sammeleinsprache zu machen», sagt Reusser. Das würde dem Protest mehr Gewicht verleihen. Er erwartet bis Anfang nächster Woche die Rückmeldungen.

Auf der anderen Seite des Zulggrabens ist der Südanflug ebenfalls präsent. «Es ist schwierig abzuschätzen, wie stark wir betroffen wären», sagt Schwendibachs Gemeindepräsident Roland Amstutz. Ob Schwendibach sich mit einer Einsprache wehrt, entscheidet der Gemeinderat an der nächsten Sitzung. In Thierachern ist man bereits einen Schritt weiter. «Der Gemeinderat hat sich intensiv mit dem Thema Südanflug auseinandergesetzt und sich grundsätzlich für die Einreichung einer Einsprache entschieden», sagt Gemeindepräsident Hans Jörg Kast (SP).

Thuner Tagblatt

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