Kein Urteil, Vergleich erzielt

Thun

Ein Beschuldigter erhielt von der regionalen Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl. Ihm wurden sexuelle Belästigungen vorgeworfen. Am Dienstag einigten sich die Parteien auf einen Vergleich.

Im Februar dieses Jahres soll in einem Thuner Quartier ein 81-jähriger Schweizer eine 57-jährige Frau sexuell belästigt haben, indem er ihr mehrere Male gegen ihren Willen unter der Hose in den Intimbereich und unter das T-Shirt an die Brüste griff. Die Frau ergriff mehrere Male seine Hand und forderte ihn auf, diese Handlungen zu unterlassen.

Im Weiteren erwähnte er ihr gegenüber, sie habe «ein schön behaartes Futzi», und versuchte, ihr die Leggins hinunterzuziehen. Zudem forderte er sie auf, an sein Glied zu fassen, ergriff ihre Hand und zog sie zu sich.

Strafbefehl nach Anzeige

Die Geschädigte reichte Strafanzeige ein, worauf dem Mann ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, ins Haus flatterte. Er wurde sexueller Belästigungen für schuldig erklärt und mit einer Busse von 750 Franken bestraft. Zudem hätte er 300 Franken an Gebühren berappen müssen. Gegen das Verdikt erhob er Einsprache, weil er die zur Last gelegten Straftatbestände bestritt.

Strafklage zurückgezogen

Am Dienstag fand am Regionalgericht Oberland in Thun eine sogenannte Vergleichsverhandlung statt, zu welcher Gerichtspräsident Jürg Santschi vorgeladen hatte. Er riet den Parteien zu einer Vereinbarung. Damit könnte das Verfahren eingestellt werden, und der Strafbefehl würde hinfällig. Voraussetzung dafür sei der Rückzug der Strafklage.

Falls das Verfahren weitergeführt werde, müssten in Form der Beweisaufnahme der Beschuldigte, die als Privatklägerin aufgetretene Geschädigte, deren Anwältin und gegebenenfalls Zeugen einvernommen werden, erläuterte der Gerichtspräsident.

Einverstanden mit Vergleich

Nach der Beratung ausserhalb des Gerichtssaals mit ihrer Klientin erklärte sich deren Anwältin mit dem Rückzug der Strafklage und einem Vergleich einverstanden, unter der Bedingung, dass der Täter sich entschuldige und ihr eine Genugtuung von 800 Franken ausrichte. Ferner soll er die Auflage erhalten, in Zukunft jeglichen Kontakt mit der Geschädigten zu vermeiden.

Der Mann, der ohne Verteidiger vor Gericht erschienen war, erklärte sich grundsätzlich damit einverstanden, fand jedoch die geforderte Summe zu hoch. Er offerierte eine Entschädigung von 500 Franken, dem stimmte die Privatklägerin zu. Damit gilt das Verfahren als abgeschlossen, und es wurde kein Urteil gefällt. Die Verfahrenskosten von rund 600 Franken werden dem Kanton überbunden.

Thuner Tagblatt

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