Kein Geld für zusätzliche Fanarbeit

Thun

In Thun gibt es keine sozioprofessionelle Fanarbeit. Der Stadtrat lehnte am Mittwoch einen überparteilichen Vorstoss ab. Die engagierte Diskussion wurde von rund achtzig Fussballfans verfolgt.

Ein Postulat, das die Einführung einer sozioprofessionellen Fanarbeit beim FC Thun forderte, wurde am Mittwochabend vom Stadrat abgelehnt.<p class='credit'>(Bild: Manuel Lopez)</p>

Ein Postulat, das die Einführung einer sozioprofessionellen Fanarbeit beim FC Thun forderte, wurde am Mittwochabend vom Stadrat abgelehnt.

(Bild: Manuel Lopez)

Der Stadtratssaal war Mittwochabend bis auf den letzten Platz besetzt, es fehlten sogar Stühle, damit alle der rund achtzig anwesenden FC Thun-Fans sitzen konnten. Ihr Interesse galt dem Postulat, das die Einführung einer sozioprofessionellen Fanarbeit beim FC Thun forderte. Die Stadt sollte sich nebst dem Kanton und dem FC Thun an den Kosten für die Anstellung eines Sozialarbeiters beiteiligen.

Damit könne wie in anderen Städten auch ein Beitrag zur Prävention gegen gewaltsame Ausschreitung von Fussballfans geleistet werden. Der Gemeinderat lehnte das Postulat jedoch ab. Es gebe bereits eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des FC Thun, die sich um die Fanarbeit kümmern werde, sagte Gemeinderat Roman Gimmel (SVP). «Wir möchten dieser Arbeit eine Chance geben und schauen, was dabei herauskommt», sagte Gimmel.

«Masslos enttäuscht»

Postulantin Alice Kropf (SP) zeigte sich von der Antwort des Gemeinderats «masslos enttäuscht». Es gehe nicht nur um die Verhinderung von Gewalt, sondern auch um Sozialarbeit und Integration von Fans. «Die Fanarbeit funktioniert nur, wenn die Probleme nicht schon zu gross sind», meinte Kropf. Da die Fangruppen nicht involviert seien, zeigte sie sich skeptisch über die Erfolgsaussichten für die von Gimmel erwähnte Arbeitsgruppe.

Anders sah dies Manfred Locher (EDU/FDM). Es sei verfehlt, parallel zu den Bemühungen des FC Thun nun noch eine weitere Fanarbeit einzuführen. Auch die SVP fand es nicht angemessen, «wegen ein paar weniger problematischer Fans Geld auszugeben», wie Barbara Klossner betonte. Zudem gebe es schon heute genügend soziale Institutionen und Anlaufstellen in der Stadt Thun.

Nicht ganz einig war sich die BDP-Fraktion, die den Vorstoss mehrheitlich ablehnte. «Eine konstruktive Fankultur muss zuerst geschaffen werden, die lässt sich nicht befehlen», meinte Reto Vannini, der als Mitunterzeichner das Postulat befürwortete. Der städtische Beitrag von rund 15'000 Franken sei nicht sehr gross im Vergleich zu den Sicherheitskosten von rund 600'000 Franken.

Radikalisierung verhindern

Der grosse Aufmarsch der Fussballfans zeige, dass das Interesse an der Fanarbeit vorhanden sei, meinte Franz Schori (SP). Diese könne die Repression nicht ersetzen. «Mit der sozioprofessionellen Fanarbeit könnte Gegensteuer zu einer Radikalisierung von Fans gegeben werden», ergänzte Roman Gugger (Grüne).

Das Postulat wurde schliesslich mit 24 zu 13 Stimmen abgelehnt.

Berner Zeitung

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